Full text: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

Zur Museumsfrage Soll Lübeck wieder ein naturhistorisches und völkerkundliches Museum haben? Es gibt wohl niemanden, der diese Frage verneint. Gegenteil auch insofern etwas Verlockendes, als auf Aber welehe Möglichkeiten haben wir heute zur Er- diese Weise der Gedanke der Völkerkunde besser in reichung dieses Zieles ! Hilft es uns weiter, wenn man Lübeck wachgehalten würde als bisher. uns Idealentwürke vorlegt, deren Verwirklichung | Übrigens ist es keineswegs ein aus dem Rahmen des heute nur als Utopie bezeichnet werden kann ? Viel- Ühblichen fallender Vorschlag. Auch andere Museen fach scheint es so, als suche man mit allen Mitteln sind nicht in der Lage, sich eigene Fachkräfte zu halten Jie Illusion aufrechtzuerhalten, daß die Arbeit da wund werden in dieser Weise von glücklicheren Museen wieder einsetzen könnte, wo sie vor der Brand- bhbetreut. So ist in Bayern das Museumswesen zum katastrophe aufgehört hat. guten Teil auf solcher Basis aufgebaut. Soeben hat Wir müssen uns aber den Tatsachen fügen: auch Köln + Pressemeldungen zufolge + das Wallraf: 1. Das Museum am Dom ist zerstört, an einen Wieder- Richartz-Museum, das Schnütgen-Museum und das aufbau der Ruine ist in den kommenden Jahren Römisch-Germanische Museum für einige Jahre nieht zu denken; wenigstens nicht für Museums- nach Püsseldorfk verlegt, um erst einmal eine neue zwecke, denn Wiederaufbau-Gelder werden für museale Voraussetzung in der Stadt Köln selbst zu diesen Zweek vom Lande nicht zur Verkügung schatten. gestellt. Die Entscheidung über das Völkerkundemuseum - Die naturhistorischen Sammlungen sind vernichtet, wird mit aller Gründlichkeit vorbereitet. Der Leiter eine neue Sammlung auf begrenzter heimatlicher der Lübecker Museen, Dr. Gräbke, hat bereits zehn Grundlage kann nach und nach wieder beschafft Jahre lang ein Völkerkundemuseum betreut und unter werden, sie wird aber den Rahmen einer Schul- Mitwirkung von Fachkräften neu geordnet. Den Vor- sammlung für den Unterricht zunächst nieht über-. wurk einseitiger Interessen wird man ihm also nicht schreiten und als solehe auch gewiß ihren Wert. machen können, im Gegenteil, seiner Sorge um das haben. Eine solche ,„Urzelle‘“ nach den Plänen der Völkerkundemuseum entstammen die ernsten Be- Kultusverwaltung kann schon jetzt geschaffen denken gegen den jetzigen Zustand. Es entspricht werden, da die Räume zur Verfügung stehen. also durehaus einer verantwortungsbewußten Kultur- Alles, was über diese erste Planung hinausgeht, muß pflege, wenn die Kultusverwaltung jetzt versucht, eine als wirklichkeitsfremd gelten. für Lübeck würdige und freilich auch finanziell trag- Etwas anders liegen die Dinge beim Völkerkunde- bare Lösung zu finden. museum. Zwar ist von seinem Bestand ein Teil er- Durch die jetzt ausgesprochenen Kündigungen ist halten, wir wissen aber bis heute nieht, welchen noch keine Entscheidung gefallen; wer das behauptet, Umfang dieser Restbestand hat und welehen Wert er verwechselt. offenbar die Personen mit der Sache. darstellt. Ehe diese Grundfragen nicht geklärt sind Rechnen wir also mit den Tatsachen, so muß sich __zie können nur von Fachkennern geklärt werden, der künftige Rahmen für den Wiederaufbau zwangs- ist jegliches Planen sinnlos. Jäufig nach den uns gebliebenen Beständen richten, Wenn heute überlegt wird, das Museum vorüber- nicht umgekehrt. Ein Wunschbild kann nicht die gehend nach Hamburg auszuleihen, so ist dafür maß- Planungen bestimmen und erst recht nicht die eine gebend, daß der jetzige Zustand in jeder Weise als oder andere persönliche Lieblingsidee. unbefriedigend empfunden wird. Ausstellungen, die Zu den in den Zeitungen ertolgten Angriffen, die billigste Exportware neben einigen wertvollen Stücken Verwendung der Gelder betreflend. ist folgendes zu zeigen, entsprechen nicht den Anforderungen, die eine sagen: Stadt wie Lübeck erheben kann. Sie haben kaum Imletzten Etat betrug der Gesamtetat des Museums davon überzeugen können, daß hier ein „Millionen- am Dom insgesamt 23760, + DM, davon sind die wert’ vorhanden ist, und in Lübeck ist leider niemand sachlichen Ausgaben mit 6170,0~ DM voll und ganz in der Lage, die einzelnen Gegenstände zu bestimmen. für die Bedürfnisse der naturhistorischen und völker- und abzuschätzen. Bisher hat sich der Leiter des kundlichen Sammlungen verwendet worden. (Aus- Völkerkundemuseums dadureh geholfen, daß er in stopken, Präparieren, Ankauk von Büchern und Zeit- Hamburg von Fall zu Vall bei einem Kunsthändler. schriften, Reisen nach Hamburg zur Bestimmung oder dem dortigen Leiter des Völkerkundemuseums völkerkundlicher Gegenstände usw.) die Gegenstände bestimmen ließ. Hinsichtlich der personellen Ausgaben in Höhe von Das Hamburger Völkerkundemuseum hat sich nun 17 590, DM ist künftig in der Tat eine klarere Auf in einer unverbindlichen Besprechung erboten, die teilung der Mittel zwischen den verschiedenen Samm- Sammlung in Hamburg unentgeltlich dureh Fach- lungen zu fordern. Diese Forderung ist keineswegs kräfte zu katalogisieren und zu konservieren, außer- nen, sie ist vielmehr von der Museumsleitung wieder- dem aber alljährlich eine von Fachkräften zusammen- bolt mit jedem neuen Etatsjahr erhoben worden. gestellte Ausstellung für mehrere Monate Lübeck zur Bisher hat aber die Kultusverwaltung in voller Über- Verfügung zu stellen. Lübeck könnte z. B. sofort eine einstimmung mit der Finanzbehörde und dem Per- Ausstellung über Schweden übernehmen. Es liegt sonalamt bewulit einen Zustand einstweilen noch bei- auf der Hand, daß eine solche Ausstellung einen ge- behalten, der sich im Kriegsjahr 1942 nach dem Brand schlosseneren Überblick bieten kann, als es aus dem gdawangsläufig herausgebildet hatte. Damals wurden noch vorhandenen Lübecker Bestand möglich ist. drei am Dom-Museum heimatlos gewordene Mit- Es kann also keine Rede davon sein, daß unsere arbeiter von der Gesamtleitung der Museen weiter- Sammlung „ohne Gegenleistung“ nach Hamburg aus- beschäftigt, aber weiter im Etat des Museums am Dom geliehen würde. Das Hamburger Angebot hat im gekührt. Man verfolgte damit den Zweck, das Museum [12
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