Full text: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

Theater und Musik t :23; JL. U Tiastelceüles ;2. e UE Nicht zuhören, meine Damen:! Komödie in drei (hristentums handeln, schützt den Diehter ein Wesentliches: Akten von Sascha Guitry und Guy Bolton Sr hat seinem Drama einen surrealistischen Rahmen gegeben Trotz dieses Befehls waren sehr viele Damen erschienen. und daraus erhellt: er will keinen Zweifel an der Auferstehung Die Beschwörungen des zunächst als Conferencier auftretenden 0hristi entstehen lassen, und darum ironisiert er diejenigen Antiquitätenhändlers Bachelet waren so wenig ernst gemeint Personen des Stücks, die meinen, sie könnten dem Glauben wie der Titel des Stückes und das ganze Stück selbst. Der wmit den Maßstäben der ratio zu Leibe gehen und ihn mit unselige Ehemann Bachelet muß sieh zwischen seiner ein- Hlülfe der Logik als eine Wahn- und Waunsechvorstellung abtun. stigen und seiner derzeitigen Ehefrau und einer gewissen Leda, Das Stück von Fodor muß also doch wohl als eine Art der die nur brieflich auftritt, hindurchwinden, oder vielmehr er Verkündigung des Evangeliums bezeichnet werden, und es wird hindurehgewunden, nicht olme die entschlossene Hilke hat eine viel tiefere Bedeutung, als es dem Zuschauer im und den in Rezeptform kristallisierten Rat seiner einstigen, grsten Augenblick erscheint. Nach dem englischen Ge- einst einmal von Toulouse-Lautrec gemalten Geliebten, die gÿzchiehtsphilosophen Toynbee ist allein das Christentum noch aber persönlich glücklicherweise hors de concours bleibt. Mit jn der Lage, den Untergang unserer abendländischen Kultur ihrem Rat allerdings kann er erst im allerletzten Augenblick gdaufzuhalten. Aber auch derjenige, der - dürfen wir sagen + etwas anfangen, gar niehts dagegen mit der kuriosen Alters- ,,weniger pessimistischen“ Aspekten huldigt, muß es als Christ weisheit des Baron de Charancay und der Lebensklugheit des ghutheißen, wenn das Evangelium auf breiterer Basis, als die Dienstmannes, der selbst mit dieser nichts erreicht, dafür Kirche allein sie zu geben vermag, mit modernen Mitteln ins aber eine Zigarette in der Hosentasche zu drehen versteht.! Volk getragen wird, so daß neben dem Film und Radio vor Herrn Bachelets junger Mann untermauert das Verdachts. allem auch das Theater + wie schon lange die sakrale Musik – moment gegen die kaum noch derzeitige Frau Madeleine; gur Besinnung und religiösen Vertiefung aufrukt. Damit seine biologischen Kenntnisse sind geignet, den Zuhörer werden die Aufgaben der Kirche nicht eingeschränkt, sondern gegen — bitte gegen — das weibliche Geschlecht scharf zu ytjie erweitern sich. Denn so ist sie nieht nur in der Lage, sondern machen. Die Männer in diesem Stück sind die Geschobenen, geradezu verpflichtet, mit allen kulturellen Betätigungen während den Frauen die Aktivität in einem derartigen Maße Pühlung zu nehmen. Ebenso wie die Geistlichkeit erfreulicher- vorbehalten ist, daß das Mitleid mit uns Männern sich wie hjyeise schon auf den Film eingewirkt hat, müßte sich aus ihren "ine dieke Wolle über den heiteren Himmel der Komödie aus. kreisen ein Gremium bilden, um ?. B. Einfluß auf die Wieder- preitete. natürlich nur für uns Männer. . gabe religiöser Dramen durch Radio und Theater zu ge- Es lohnt sich auch insofern, als J osef Hschenbrücher wirke winnen. Es ist nun einmal nicht jeder für die Predigt von der lich ein feiner, liebenswürdiger Herr ist, ler sieh den sog.. Kanzel empfänglich, und viele, die abseits stehen, können sich besten Jahren stark nähert. Man glaubt ihm ohne weiteres, jm Theater dureh ktinstleriseh einwandfreies und wirklich daß er bei den Damen beliebt ist, und trägt bitteres Leid, gdaus einer christlichen Haltung heraus geschriebene Stücke an- daß gerade ihm zwei Frauen — u. a. — beschert sincl, die ss gesprochen fühlen und vielleicht wieder gläubig werden. für einige Zeit ganz nett ssin mögen. als Ehefrauen aber oklen- So kann ein gutes religiöses Drama unter Umständen zur har „Spinnen 1nud ein Buiy selbst für die besten Nérten Verkündigung werden, es muß es nicht. Es kommt ganz auf sind. Die derzeitige Madeleine Rants Armbrüsters war em gjlen einzelnen an, auk seine Aufgeschlossenheit für religiöse kapriziöses, verspieltes. Hing. Daß ihr derreitiger Mann kein Fragen, auf seine Empfänglichkeit für das Bühnenereignis rechtes Vertrauen zu ihr hat, ist kein Wunder. Großartit berhaupt und schließlich auf seine jeweilige seelische Stim- far Ingeborg Arnoldi als die Ehemalige, die és zuÿzchst mung. Darum darf die Frage nieht Iauten, wie Dr. Behrens sinmal mit der Poesie versueht — und was für einer! , im jje aufwirft, ob das „„Gerieht bei Nacht eine christliche übrigen aber mit klarer Entschiedenheit auf Ehe ausgeht, wie Dichtung ist, also als ein Mittel der Evangeliumsverkündi- die Katze auf Vogelnester. Sie wird sicherlich Erfolg haben. gung anzusehen “oi. sondern, 00 ©s dis Verkündigung sein Etta Sossna holte aus ihrer Praehtrolle der verflossenen Ge. Kann. Und diese Frago muß man meines Erachtens letzten liebten mit reichhaltiger Vergangenheit, aber einem schmack- Endes bejahen, denn das Stück ist nicht nur „interessant‘‘, haft gebliebenen Kern in ramponierter Schale alles heraus. g44 jst auch durchaus geeignet, manchen zu beunruhigen, ja Daß Sepp Bommer einen mit Weisheit und Benehmen keines jjm Innersten aufzeuwühlen und zu erschüttern und so den wegs belasteten jungen Mann ank die FBrstter stellen kann, gc4jnen oder anderen zum christlichen Glauben zurückzuführen rissen yrir, und anch Reinhold Fitz fand in dem Dienstmann jyjyng damit seinem Leben vieder einen festeren Halt zu geben. seine Rolle, wie Peter Oehme in dem harmlosen Spinnenfreunde Wald Lâdor Blandinet. Der äußerlich sehr würdige Baron war Otto Varald. aldemar Luc ers Es waren wirklich alles zünftige Rollen, geschaffen von einem alten Theaterhasen. Am einfachsten hatte es die Zofe. Als Rilke-Abend im Andreas-Wilms-Hanus solehe hatte Ilse Hedergott eigentlich nur appetitlich auszu. Marcelline Czernin sprach im Andreas-Wilms-Haus Rilke- sehen, unc das gelang ihr ohne Anstrengung. verse aus dem , Stundenbuch‘ und Rilkes Diehtung „Die In seiner Rolle ist Tosek Eschenbrücher von beklagensr ghzjinde‘““. Selten ist wohl ein schönerer Gleichklang zwischen werter Hilflosigkeit, als Spielleiter dagegen hatte er sis alle Jem dunklen sinn jener Dichterworte und einer Stimme von pm Bande, aber mit so zarten Fingern, daß man es eigentlich glockenhafter Tiete und von Reiehtum an Modulationen ar tieht merkte . rum windssten nieht vom Parkett aus. gcrreicht worden als bei dieser Rezitation. Marcelline Czernins ant soiner von Karl Malter prichtis hergeriehteten Bühne Kunst ist noch gewachsen, die Intensität des Erlebnisses hätte er sich wirklieh behaglich kü hlen können, ysonu ttt. I Rilkescher Poesie hat sich noch mehr vertieft. So gesprochen, ja venn nicht zNicht zuhören. meins Damen!! gewinnen diese Diehtungen für jeden Menschen Leben und Dr. Georg Behrens VÜestalt. Rührten die von bebendem Leid durechglühten Worte der „Blinden“ die tiefsten Saiten der mensehlichen „Gericht bei Nacht“ Verkündigung oder nieht ? Seele an? Oder war es jenes große Gotterlebnis, das der Vs scheint, daß es Herrn Dr. Behrens nicht bekannt ist, Dichter in der Weite der russischen Landschaft, in den stillen Jaß der Verfasser des hier jetzt zur Aufführung gelangenden Klöstern des Ostens und in der mystisch erfüllten Seele des Stücks „„Das Gericht bei Nacht“ von Ladislaus Fodor am russischen Bauern gefunden und in Verse voll dunkler Ahnung Schluß die Auferstehungshymne zu Gehör kommen läßt, degossen hatte ? Man vermag es nicht zu sagen, man weiß nur, denn dann würde er bestimmt nicht, wie es in seiner Be-| daß Rilkes Diehtungen durch diese Rezitation zu einer Offen- sprechung geschehen ist, die Ansicht vertreten, daß der Dichter" barung wurden. Die Fülle der Gesichte und Bilder, die der sich weder für noch gegen den Auferstehungsglauben ent.. Diehter poetisch gestaltet hatte, fanden in Ika Bräcks scheide, vielmehr das Urteil dem Publikum überlasse. Musik einen echten Widerhall. Das Fließende, Wogende, Ieh will hier nieht die Frage untersuchen, welehe Motive Ungreifbare Rilkescher Meditationen war in die impressio- bei der Spielleitung für die Streichung der Hymne vorgelegen nistischen Klänge einer Phantasie und einer Sonate einge- haben mögen. Aber abgesehen von dieser, den Tenor des fangen. Das innige Verhältnis des Dichters zu Gott, der sich Schauspiels entstellenden „Vergewaltigung“, geht meiner ihm in allen Wesenheiten offenbart und mit dem er vertraute Meinung nach aus der Handlung, vor allem aus dem Verlauf. Zwiesprache hält, es fand seinen symbolischen Ausdruck in des letzten Aktes auch ohne die Hymne eine positive Einstellung der strengen und doch so melodisch gehaltenen Linearität des Antors zum Christentum hervor. Würde er sonst den Ent- kontrapunktiseher Formen. Erschien das Passacagliathema lastungszeugen ein derartiges Übergewicht geben, indem sie nicht als ein Sinnbild des unfaßbar alle Dinge der Welt unter- zum Gegensatz zu den Belastungszenugen und dem Staats- gründig Begleitenden ? - Arno Knapp gestaltete die Musik anwalt nieht nur den Verstand sprechen lassen. sondern am Flügel mit beherrschender Technik und feinem Klang- zutiefst. Erlebtes schildern? gefühl. | 092
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