Full text: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

Der Wagen & Rin lübeeckisehes Jahrbuch. Heraus- in einer Stadt des Mittelalters wandeln müssen. Nicht aut R Lt ata ru... UU .:20 Broekhaus. Verlag von H. G. Rahtgens, Lübeck, Trümmermassen aller nur denkbaren Haushaltsgegenstände. und Franz Westphal Verlag, Wolfshagen-Sehar- Zu dieser Gruppe von Beiträgen gehört auch die sehr gründ- beutz (Lübecker Bueht), 1951: liehe historische Studie, die Paul Brockhaus einem leider . . . zerstörten wichtigen Kunstwerk, dem „Totentanz in der Vor Weihnachten sollts der Wagen erscheinen. Unüber- Marienkirche‘, gewidmet hat. Auch dem textlichen Teil des windliehe Sehwierigkeiten bei der Beschaffung des Kunst- Jotentanzes wendet sie sich mit eindringlicher Liebe zu. Sehr Iruckpapiers haben dazu geführt, daß er erst jetzt heraus- gu begrüßen ist es, daß der Verfasser auch umfangreiche kommen konnte. Der neue Wagen wird seine alten Freunde Proben aus den niederdeutschen Versen bietet. Selbstver- nieht enttäuschen und wird sieh neue Freunde gewinnen. ständlich ist auch dieser Beitrag reich bebildert. Und nun Wieder hat Asmus Jessen ihm das Gewand gegeben. Während yerlassen wir Lübeck und fahren zu den alten Dorkkirchen lie Titelseite des Buchdeckels in streng geschlossenem Schrift. der Landschaft um Lübeck. August Völker, der kurz nach bild und harmonischer farbiger Gestaltung den Namen dess Vollendung seines Aufsatzes gestorben ist, erzählt in liebens- Jahrbuchs trägt, zeigen die drei Gestalten der Rückseite + yvwürdiger Form aus dem reichen Schatze seines Wissens, und Musik, Dichtung und bildende Kunst — das gleiche gotisceh Wilhelm Oastelli zeigt uns dazu seine meisterhaften Auk- unmutende ornamentale Gepräge. Die buchtechnisehe und ghahmen der Kirchen. buehktinstlerische Gestaltung zeugt von äußerster Sorgfalt nd künstlerischem Geschmack. Den Verlegern und der Dr. A. v. Brandts ,, Tradition und Wandlung in der Druckerei H. G. Rahtgens gebührt Anerkennung und Dank. lübeckisehen Verkassungsgeschichte‘’ ist eine historische Die reichen Bildbeigaben sind ebenfalls von hohem Rang, der. Arbeit, insokern sie in durchsichtiger Klarheit das verfassungs- weitaus größte Teil ist von Wilhelm Castelli jun. freundlieher.. mäßige Verhältnis der Stadt zum Reich und zum Territorium weise zur Verfügung gestellt worden. in seiner Entwicklung klarlegt, zugleich aber auch eine staats- . . ( ... politische Arbeit, insokern sie aus geschiehtlicher Kenntnis Der Inhalt des Wagens ist reichhaltig und vielseitig, aber und gründlicher Hinsieht in gegenwärtiges Werden die bei- in sich geschlossen und rhythmisch gegliedert. Ohne sich auf gpielltafte Bedeutung ableitet, welehe die lübeckisehe Selbst- Lübeck zu beschränken, greift er doch nieht über den Raum verwaltung noch heute besitzt, und wie diese fruchtbar ge- hinaus, der von Lübeck aus zu überschauen ist. Vergangenes macht werden könnte. Kulturgeschichtlieh interessant sind und Gegenwärtiges, Literatur, Geschichte und Landsehatkt dle Beiträge von Johannes Hennings über den lübeckischen kommen zu Wort. Ieldtrompeter Gabriel Voigtländer (Musik), Dr. Herbert z: : : : : W egener über Hinrich Scharbau und die Secharbaustiktung Der Mecklenburger Fr iedrieh Griese eröffnet den Band, , Bildungswesen) und P. Otto Grube über Johann Hinrich geleitet dureh eine Zeichnung von mystiseher Stimmung von Wichert und Lübeck (Soziale Frage) der Hand Asmus Jessens. Das im Kriege zerstörte Dort . wird wieder von der freiwachsenden Natur hingenommen. Dr. Erich Naujoks leitet mit seinem feinsinnigen ;, Ge- „Hier lebten einmal Menschen.“ Und nun kehrt wir denken spräch am Abend“ wieder zur Gegenwart zurück; denn wenn an Grieses Roman „Vor Winter! + wieder ein Menseh in Läühecks Baumeister Carl Müählenpfordt auch nieht mehr diese Wildnis zurück. Ergreikend sind diese nur vier Seiten unter den Lebenden weilt, so lebt er doch noch in dem großen vines Diehters, der, selbst diesem Lande mit allen Vasern h\verk des Wiederaufbaus der Stadt, und die bildlichen Wieder- verhaftet, es hat verlassen müssen und nun in dieser erhabenen gaben seiner Baugedanken wollen immer wieder von neuem Ruhe vom Leid dieses Landes kündet. Daneben der Schleswig. hetrachtet und in ihrer künstlerischen Bedeutung gewürdigt Holsteiner Friedrich Urnst Peters (Boten der Ferne.) und beachtet werden. Eine der erfreulichsten Gaben des Selten habe ieh J ugenderinnerungen gelesen, die so genau, ss Magens sind die wohlgelungenen Aufnahmen des Abendmahl- sachlich greikbar und doeh so vom Zauber einer Besinnlichr- altars von Rrieh Klahn. Der von diesem Werk künstlerisch keit umfangen sind, die im einzelnen das Allgemeine sieht, und religiös ergriffkene Lothar Sehreyer versteht es, in einer Weisheit, die schaut und deutet. Gustav Hillards meisterhafter Einfühlung dem Betrachter der von Heinrich „Vutin“ möchte ich damit vergleichen. Das Porträt einer Pohse und seinen Helfern nach Klahnschen Entwürken ge- ICleinstadt, klar und scharf bis ins einzelne gezeichnet, und ücchnitzten Tafeln und der von Klahn selbst gemalten Bild- Joch alles einzelne zu einem geschlossenen Bilde zusammen- tafeln den Blick für die ktinstlerischen Gedanken und Ab- gefaßt, so wie die begleitenden Zeichnungen von Hans iichten zu öffnen und zugleieh - ich möchte sagen das Peters einzelne Impressionen geben und auch wieder das religiöse Bekenntnis des Künstlers aus seinem Werk zu lesen. Ganze einfangen. Hillard aber gibt nicht nur das äußere BUd ùHlier sähen wir gern auch farbige Abbildungen; doch diesen ler Stadt, sondern er gestaltet zugleieh die bedeutendste Wunsch wird auch der Herausgeber gehabt haben. Also Ipoche ihres geistigen Daseins (Joh. Heinr. Voß) und ordnet bescheiden wir uns! Wer einmal auf den Baugerüsten in sie in den großen Zusammenhang ein. Zur Prosa die Poesie: St. Marien gestanden hat, wird sich über des Kirchenbau- Unter den niederdeutschen Gedichten von Hans Heitmann wweisters Dr. Bruno VFendrieh Ausführungen über die ist „„De rode Blöt‘‘ eine sehr starke, volksliedhaft anmutende Zimmermannskunst in der Marientidenkapelle und die werk- Ballade von geradezu geballter Knappheit. Verner sind da gchönen Abbildungen freuen. Die Figuren Barlachs an der Gedichte von Hermann Claudius und formschöne, gedanke Katharinenkirche und Paul Brockhaus?’ schöne Strophen lich tieke Diehtungen von Hans R. Oelrichs. Mit einer bilden äußerlich und innerlich eine Einheit. Albert Aereboe Lübecker Herbststimmung ist der im Kriege gefallene Ernst handelt kurz, aber inhaltreich über konstruktive Malerei und Potthoff vertreten. Hier, zwischen der Dichtung und der Walther Jahn sagt, wie die von ihm geschaffenen Sgraffiti nun beginnenden Kunst spricht aus seinem Bilde noch einmal in der Gedenkstätte auf dem Vorwerker Friedhot in ihm ge- ein Mann zu uns, der auch zu früh dahin gegangen ist: Fritz worden und gewachsen sind. Endres, im Jahre seines Todes gezeiehnet von Hartmann, München. Aus dem vom Leide gezeichneten schmalen Kopfe Als letzte der größeren Abhandlungen folgen H. Vitenses blicken uns seine gütigen und klugen Augen an. Untersuchungen über „„Die zerstörenden Kräfte am Brodtener „ . G Ufer“. Er legt dar, wie die See, die Atmosphärilien, die Be- „Lübecker Wandmalereien des Mittelalters‘ behandelt Dr. dc«onnung, der Spaltentrost und die Tierwelt zerstörend ein- Hans Arnold Gräbke, indem er in eindringlicher Deutlich. gywirken, und daß bisher noch kein wirklich praktischer Ufer- keit vor allem die wieder zutage getretenen Malereien der schutz möglich gewesen ist. Karte und Kartenskizze er- Marienkirehe nieht nur im einzelnen vorführt, sondern sie leichtern das Verständnis. aueh in ihrer einmaligen kunstgeschiehtlichen Bedeutung in große Zusammenhänge hineinstellt. Sein außerordentlich Zum Abschluß des Ganzen freuen wir uns an Carl Budichs gehaltvoller Beitrag ist von zahlreichen ausgezeichneten Auf. Humor, der aus seinen drei Gedichten, aueh dem ganz schau- nahmen begleitet, während eine andere große kunstgeschicht- rigen „Papedöne'“', hervorleuchtet, und wer das Rätselbüch- liche Enthüllung, Bernt Notkes Triumphkreuz im Dom, aus lein von Paul Brockhaus kennt, ist ihm dankbar, daß er zwei wundervollen Aufnahmen zu uns spricht. Die dritte ceinige neue Rätsel auf seinen Wagen geladen hat. Die Lö- Enthüllung, die. im Zusammenhang mit den Zerstörungen der. sungen fügt er hinzu. Aber das Rätsel, wie er mit seinen alten Stadt steht, behandelt Dr. Neugebauer in seinem treuen Gehilfen immer wieder eine so kostbare und schöne ebenfalls reich bebilderten Aufsatz über „„Das unterirdische Last auf seinen Wagen laden kann, daß dieses Jahrbuch Liibeck‘“. Er betont nachdrücklich und überzeugend, dal die wirklich als eine erhebliche kulturelle Leistung zu werten ist, Funde auf den Brandstätten tatsächlich das Bild vom Lehen dleses Rätsel hat er uns nicht gelöst. Eine Teillszmung gibt IMM
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