Full text: Lübeckische Blätter. 1951; 1952 (87/88)

richtet wurden, bestärkte sie in dem Glauben an den dle internationalen diplomatischen Kanäle. Man ver- Erfolg, in der Erwartung, daß die Alliierten ihnen zum suchte noch einmal ~ 1950 ~ die Hilke der Alliierten Siege verhelfen würden. Als dann aber 1948 die deut- für den Gedanken zu gewinnen, die „Kieler Erklirung“ sche Währung geregelt, die westdeutsche Bundes- in dem zu revidierenden Besatzungsstatut zu ver- republik gegründet war, als die Einstellung der Aller- ankern. Aber die Allierten zeigten die kalte Schulter. ten zu Deutschland sich änderte, – wer wagte da, Was Henderson 1948 gesagt hatte, das gilt bei dem dem vom Siegestaumel ergriffenen dänischen Volke gespannten Verhältnis zwischen Ost und West heute zu sagen, daß die Weltpolitik eine ganz andere Wen- erst recht: Nur wenn die freien Völker zusammenhal- dung genommen hätte, daß die Alliierten Deutsch- ten, können sie sich behaupten. land brauchten, daß die größere Gefahr, die im Osten So hat Ole Björn Kraft die Folgerung gezogen und aufgestanden war, nur mit Hilke von Deutschland ist den geraden Weg nach Bonn gegangen. Hr hat gebannt werden könne ? hier die Antwort erhalten, die angesichts der Welt- Henderson sagte es; als die dänischen Parlamen- lage ganz selbstverständlich ist, nämlich, daß die tarier, unter ihnen der jetzige Außenminister Ole „Kieler Erklirung“ zur Grundlage eines Abkommens Björn Kraft, 1948 nach London gingen, unentwegt gemacht werden müsse, in dem alle zwischen den auf die Alliierten hoffend, rief Henderson am runden beiden Ländern noch offenen Fragen bereinigt Tisch in London sie in die Wirklichkeit zurück, gab werden könnten. Das bedentet u. a., daß die deutsche ihnen den guten Rat, sich mit dem südlichen Nach- Minderheit in Nordschleswig dieselben Rechte haben barn zu vertragen und ihr Augenmerk auf die Gekahr muß wie die dänische Minderheit in Südschleswig, des Ostens zu lenken. Aber niemand wagte das der und daß eine beiderseitige Anerkennung der Grenze dänischen Bevölkerung zu sagen. Die Rede Hender- erfolgen muß, damit eine friedliche Regelung im sons, erst jetzt veröffentlicht, ist 21% Jahre ver- Geiste europäischer Zusammenarbeit möglieh wird. heimlieht worden. Das ist der gerade Weg, der zum dauernden Frieden England bemühte sich, zwischen Dänemark und führt. Der Umweg über die Allüerten Iöst Mißtrauen Schleswig-Holstein ein Einvernehmen herzustellen; bei uns Deutschen aus. Nur eine okkene Aussprache das Ergebnis war die sogenannte „Kieler Erklirung“, im europäischen Geist kann und wird die Schwierig- die der dänischen Minderheit weitgehende Freiheiten leiten beheben. Wir müssen, mit Hodtoft zu reden, einräumt. Sie war von deutscher Seite, aber auch von einen neuen Abschnitt in der deutsch-dänischen den Engländern, als ein großzügiger Schritt zur Politik einleiten. Wir müssen diese Politik auf Befriedung der Grenze gedacht, entstanden aus dem realistischer Grundlage führen. Us wäre ein Glück Wunsche, den Streit aus der politischen auf die für unsere beiden Völker, aber auch ein gutes Vor- kulturelle Ebene zu verlagern. Wäre sie auch so zeichen für die europäische Entwicklung, wenn an von den Dänen verstanden worden, so hütte sie das unserer Grenze zuerst der alte Streit geschlichtet Ende des deutsch-dänischen Streites bedeuten können. würde. Der gerade Weg führt am schnellsten dazu. Aber die dänische Regierung bevorzugte weiterhin Dr. Eduard Edert Vergeßt St. Petri nicht Fanden wir 1945 eine erschreckend große Zahl Kunstwerk Alt-Lübeck, das zu retten wir seiner Ge- unserer Baudenkmäler zerschmettert oder verwüstet, schichteschuldigsind, erschöpft sichnieht in St.Marien! schien es, als ob die meisten davon für immer ver- Da bei solehen Überlegungen der kunstgeschicht- loren seien und erhob sich die Skepsis mit der Frage, liche Rang eines Bauwerkes doch wohl eine gewisse ob wir überhaupt noch innerlich und äußerlich bereit, Rolle spielt und man sich vielleicht hierbei damit be- hier zu retten und wiederherzustellen, so gibt die ruhigen konnte, daß St. Marien die anderen gotischen Gegenwart doch denen Recht, die sich die Hoffnung Kiürchen der Stadt bei weitem übertrefke, sei hier nur nicht hatten nehmen lassen. Eine Studienreise nach kurz angedeutet, dals St. Petri ihrer größeren Schwe- Süddeutsehland offenbarte dem Verfasser, daß die ster an der anderen Marktseite an kunstgeschichtlicher Macht des Glaubens, das ,„Wiederhabenwollen“ aus Bedeutung gar nicht soviel nachstehe, daß man sie dem Herzen vieler und auch ganz reale Bedürfnisse darum verfallen lassen könnte. lie Mittel aufbringen lassen, kirchliche und profane Sicher, die Petrikirche ist lingst nicht so bekannt Baudenkmäler wiederherzustellen. Im katholischen wie St. Marien, es ist über diesen Bau noch wenig München wie im protestantischen Nürnberg setzt man geforscht und entsprechend wenig veröffentlicht lie alten Gotteshäuser wieder instand, ja noch mehr, worden. Allein die breiter ausgreikende Backstein- baut Kirchen wieder auf, die als total zerstört gelten Bauforschung ist noch jung, geringe Bearbeitung mußten! bedeutet daher noch nicht geringe Bedeutung. Und Angesichts soleher ehrkurehtgebietender Bemühun- was St. Petri betrifft, so wird uns hoffentlich in nicht zen in den alten Zentren Süddeutschlands drängte allzufkerner Zeit eine Kieler Dissertation aufzeigen, was sieh der Vergleich mit der einstigen Königin des der Bau kunstgeschiehtlich zu sagen hat. Nordens, Lübeck, auf. Und dabei stimmt der Zu- Und das wird nieht wenig sein. Man hat schon stand, in dem sich die als Raum erhaltene St.-Petri- früher gefunden, daß der Turmunterbau weit ins Kirche dort gegenwärtig noch befindet, freilich etwas romanische Lübeck, in die Zeit des Domes und der trübe. alten Marienbasilika hinabreieht, während die darauf- Man wird einwenden, alle verfügbaren Mittel folgenden Stockwerke mit der untersten, heute all- zeien zur Rettung der weit großartigeren Haupt- seits sichtbaren Vensterzone zu den prachtvollsten kirche St. Marien zusammengefaßt worden. Das war Leistungen spätstaufischer Baukunst in unserem fürs erste auch völlig richtig. Allein das bauliche Vebhiete gehören. Darüber hinaus aber lassen uns ganz J9
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