Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

namentlich in den Chören zu klassischen Höhen steigert. Theater und Mulik schufen eine bezwingende Gesamtleisturg, der man auch M : . Uug in Lübeck bald eine gastliche Stätte bieten sollte! Jean Paul Satre, Schmutzige Hände Sart Nach einer internen Zusammenkunft am Vormittag Mer dieses Stück in sich aufnehmen will, braucht jede im Fissauer Fährhaus stellte sich der Kreis nachmittass von der Philosophie des Dichters nichts zu wissen, ir der Öffentlichkeit vor. Chr. Jenssen sprach über die denn hier wird keine Philosophie mit Hilfe von Perso- mz gegenwärtige Lage des norddeutschen Schrifttums. Das pen vorgeführt, die zu diesem Zwecke erfunden sind, “rba Lautenkolleglum + Eva-Juliane Gerstein (Sopran), gondern wirkliches Leben der jüngsten Vergangenheit; ars Walter Gerwig (Laute) und Johannes Koch (Gambe) ~ (us zudem noch sehr gegenwärtig ist, und wirkliche Biih musizierte. Waldemar Augustiny aus Worpswede las Menschen von Fleisch und Blut erscheinen auf den Zuk! seine Novelle „Erlebnis in La Rochelle‘; Hans Ehrke kRrettern. Diese Wirklichkeit aber ist künstlerisch peiel m gestaltet und theatralisch sehr wirksam gemacht. Aus dest den Gedankenlyrik, und der TOjährige August Hinrichs Qdem Tun und Leiden der Menschen aber hebt sich ein billi; aus Oldenburg steuerte eine dörfliche Erzählung „Der heherrschender Grundzug hervor: Das Leben ist nick Landbstreicher“ bei. trostlos. die 1 An einem andern Nachmittag wurde einer Gruppe Hugo, der junge Mensch aus bürgerlicher, gesicher- nich junger Künstler Gelegenheit geboten, sich der Öffent- ter Welt, verbeilit sich in ein Prinzip; seine Intelligenz, Kinu. lichkeit bekannt zu machen. Der Holsteiner tho Aspern, meint er, sei fähig, die Richtigkeit dieses Prinzips mit ünd der Ostpreuße Diemer und der Mecklenburger Werner mathematischer Sicherheit zu beweisen; und doch hina lasen aus Iyrischen Dichtungen; in einer realistischen Jangt es nicht hin, ihn zur Tat fortzureißen. dazu be- Studie des Holsteiners Orthmann gewann die Stachel Jarf es einer Aufwallung des Gemüts. So erschießt er Ai drahtpsychose unheimliche Gestalt. Diese Stunde war den von ihm selbst bewunderten Hoederer, und später den ein Versuch des Kreises, seine persönlichen Ferichvngen stellt sich heraus, daß diese Tat nun doch falsch war. ty EI. coco H. weiteren Schritten. nicht nur für die Kommunistische Partei, sondern unge Am Abend des 3. September 1949 sprach im Voßhaus auch für das Leben. Seine Frau Jessica wird in das Dr. Friedrich Pauly (Schleswig) über Goethes Beziehun- FHlternhaus zurückkehren und irgendwie weiterleben; gen zu zeitgenössischen Schleswig- Holsteinern. Der denn ein Schicksal kann diese innerlich leere, nur aus Redner, einer der besten Kenner des heimischen Geistes- dem Augenblick für den Augenblick lebende Person r lebens, wußte ein lebensvolles Zeitbild zu entwerfen, nicht haben. Olga aber ist ein Schicksal beschieden. Ñ oline aber zu verschweigen, dal unserm deutschen Norden Wie Hugo hat sie sich einem Prinzip verschrieben, A die Lichtstrahlen aus Weimar nur spärlich zuflossen und pur daß sie es nicht mit Leidenschaft durchdacht, 150 noch spärlicher genutzt wurden. sondern mit verbissener Leidenschaftlichkeit hinge- Hau Mit besonderer Freude aber denken Wir noch an die nommen hat. Bis sie dann mit Entsetzen merkt, Ope volkstümliche Goethefeier Eutins am Abend des 1. Sep- Jaß ihr niedergeknüppeltes Gefühl in unhemmbarer wur tember 1949 zurück. Der ganze Markt war festlich Leidenschaft für einen Menschen, für Hugo entbrennt, in illuminiert. Dreihundert Kinder umkränzten mit bunten den sie nicht retten kann, weil er es nicht will. Macht- Wer Laternen einen Schülerchor, der schlicht und innig roll beherrschend hebt sich aus seinem Kreise Hoederer unsé Goethesche Lieder sang; mehr als viertausend Menschen heraus, der einzige, der auch das Gefühl bejaht und es M aber ließen sich dankbar vom Zauber der Stunde ergreifen gleichzeitig mit kaltem Bewußtsein in seine politische it und schlossen sich auch dem Laternenzug durch den Berechnung einsetzt. In der großen Auseinanderset- vs s; Schloßpark an. Nur ganz zuletzt geschah des Guten all zung mit Hugo bricht es aus ihm hervor: Er liebt die echt zuviel: als die Musikkapelle eingrift, da wurde es reichlich Menschen, wie sie sind. So kann er von den Doktri- Sich zackig ... Heitmann niüren nicht verstanden werden. Er fällt, aber nicht im Golc Berichtigung zzz. §zr hecr 251 sonlret ves cines Late bh. In dem Aufsatz von Architekt Bernhard Hopp in der schicksal ist; denn ihnen genügt es, sich den Bauch » vorigen Nummer muß es auf Seite 57, linke Spalte, vollzuschlagen, und auch der politische Mächler Louis und 14.—H16. Zeile heißen: „Dann lastet die menschliche jst keiner Tragik fähig. z zn. Sünde (nicht: Sühne) auf jedem Stein, die Klage an Das alles würde uns packen, selbst wenn es uns gen jeder Tür, die Sühne an jedem Altar, die Not an jeder , weltanschaulich“ nichts anginge. Es geht uns aber ken (nicht: jener) Kanzel.“ sehr viel an. Geistige Entwicklungen gehen langsam und vor sich, logisch Gegensätzliches wird als solches nicht Wes Anthroposophische Gelellschakt g B AEN dest ; Über „Goethes Faust und das Geheimnis des aber klärt sich diese Verworrenheit zu erschreckender ge. Bösen“ sprieht Universitäts-Professor Otto Julius Pentlichkeit: Die Trostlosigkeit, die den Himmel für Res. Hartmann aus Graz am Montag und Dienstag, dem gGartres Gestalten bildet, ist doch der letzte Akt der der 3. und 4. Oktober 1949, abends 19 Uhr, in der Aula der Säküilarisierung des Abendlandes, die bald nach Luther Yon Oberschule am Falkenplatz. Der Redner ist den kinsetzt. Ist nicht schon in Büchners „Dantons Tod‘ lich. Lübeckern kein Fremder. Er hat sich durch seine gqiese letzte Skepsis als ein künstlerisches Spiegelbild S0he Bücher, z. B. „Menschenkunde“, „Der Mensch als wirklichen Lebens gestaltet? Die Erfindung der anti Selbstgestalter seines Schicksals“ nu. a. m. anch hier (4öttin der Vernuntkt var doch mehr als nur eine Frank- His! viele Freunde erworben. Die Leser der Lübeckiechen hafte Narrheit. Seitdem aber ist diese Entgottung der häu Blätter sind zu den Vorträgen freundlichst eingeladen. Welt weiter vorgedrungen, als manche es zugeben cha A. Mollwo miéchten. Ihre Vorkämptker sind die Hoederer und die Ton 76.
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