Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

Gemeinden weiter nachhängt und ihre Kräfte damitggleerstehenden Tanzsälen oder in der Form von Zim- zerstreut. Eine freiwillige kirchliche Konzentration * mergottesdiensten. würde bedeuten, daß Kräfte frei werden zu neuen Dann aber noch ein anderes: Die meisten Pastoren missionarischen Aufgaben. Es gibt Gemeinden, die sagen: „Es kommt allein auf die Predigt an.“ mit 6, 8 Mitgliedern zum Gottesdienst erscheinen, Dazu ist folgendes zu sagen: zuweilen hat der Pastor nur den Küster allein in der Jeder Prediger muß vor Menschen sprechen, die Kirche. Angesichts solcher Lage geht es nicht an, die täglich von der Reportage betrommelt werden. Das Betreuung in der alten Weise fortzuführen und den Ber- Mort ist wertlos geworden wie der Geldschein, und die- darf an Neubauten nach der Seelenzahl zu errechnen. ser Wortinflation tritt die Predigt entgegen. Sie muß Wir sollten uns bewußt werden, daß die Form der das Gerede wieder in Worte verwandeln. Wo aber sind . kirchlichen Betreuung, wie wir sie heute kennen, nieht die Menschen, denen die Gewalt des Wortes gegeben notwendig bleiben muß. ist ? Der Predigt kommt in unseren Tagen eine Be- Mir scheint, daß in unseren Tagen die Umwandlung, deutung zu wie nie zuvor. Gedeih und Verderb des von der ich spreche, bereits begonnen hat. Hier sehe einzelnen, aber auch Gedeih und Verderb ganzer Völ- ich für den modernen Architekten die Aufgabe, den ker mit ihren Regierungen sind abhängig davon, ob die neuen Arbeits- und Lebensgemeinschaften die erfor- Priorität Gottes gewährleistet ist. Die Einwirkungen ; derlichen Räume zu gestalten. Es ist nicht an der Zeit, Gottes auf das reale eigentliche Leben sind unabding- ' Türme zu bauen, eher wäre an die Krypta zu denken. bar. Wir wissen, daß Grenzen, die ohne Gott gezogen Ich erinnere an die dureh Flammenwerfer beseitigten werden, nicht bleiben, Verträge, die ohne Gott ge- B. Leichenberge in Hamburg und Dresden. Haben wir schlossen werden, fallen müssen. Wer als Politiker, als ] sie nicht allzuschnell wieder vergessen ? Ich erinnere an Missenschaftler, als Wirtschaftler, als Techniker | die Millionen, die in Rußland verkommen. Ich erinnere realistisch denken will, muß zuallererst mit der t an unsere Kirchen in Ostpreußen, Westpreußen, Priorität, mit dem Anspruch Gottes rechnen. Ge- Schlesien und Pommern, die langsam verfallen in den schieht dies nicht, dann ist alles Tun fragwürdig, ja ; versteppten Dörfern und verwilderten Städten. Wenn gefährlich. Dies zu sagen ist Aufgabe der Predigt. Es U wir Kirchen bauen, dann lastet die menschliche Sühne ist nicht nur eine schwere, sondern in der Gegenwart ' auf jedem Stein, die Klage an jeder Tür, die Sühne 4am die bedeutsamste Aufgabe vor allen politischen, n jedem Altar, die Not an jener Kanzel. „„Ich aber bin menschlichen, wissenschaftlichen Erwägungen. Die N gewiß“, schrieb Paulus an die Römer, „daß weder Kanzeln in den christlichen Kirchen in Europa sind die [ Tod noch Leben, weder Engel noch irdische Gewalten, große, vielleicht die letzte Hoffnung der Völker. ü weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes Die Kirche in der Gegenwart, ihre Rinordnung in die E noch Tiefes, noch keine andere Kreatur mag uns Umweelt der Gegenwart, ist keine innerkirchliche An- B. scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist.“ gelegenheit mehr. Wenn die Kirche recht handelt, t Wie soll die Kirche aussehen, die wir bauen? Von dann bedeutet sie eine Revolutionierung des gesamten ?; den evangelischen Christen kommen I 4 v. H. zum öffentlichen Lebens. Die Machtergreifung durch die § Gottesdienst. Was geschieht mit den 96 v. H., die Menschen hat ihren baulichen Ausdruck gefunden in I nicht kommen ? Es ist die große Schar der unkireh- den immer höher wachsenden Geschäfts- und Wohn- lich gewordenen Christen, die nur deshalb als Christen türmen, wie die irrende Kirche des letzten Jahrhun- in leben können, weil neben ihnen die Kirchen das Leben derts in den falsch verstandenen Architekturen. Es § ttj slit: pie Kirchs: sr ô. h H. müssen Usleickt ird Ku!gsb; httzzrsr. Eoneration sein, eine notwendige . ahrende Kirchen sein, Zeltkirchen. improvisierte im Wandlung vorzubereiten. n- ar 1e n- Vom Wiirken christlicher Kultur in Lübeck F Katholische Kulturwoche und Norddeutscher Katholikentag in unserer Stadt zn Die Tiefe und innere Geschlossenheit katholischer woche‘ auserwählt worden, die gleichsam als äußer- ts Weltanschauung, aber auch die aktive Bereitschaft, ster letzter Vorposten im Norden Deutschlands abend- [ sieh praktisch mit den Forderungen der Welt ausein- ländische Kultur verkörpert und verteidigen will, so d: anderzusetzen, wurden anläßlich der vom 22. bis 28. daß mit der Blickrichtung nach dem Osten die The- s August 1949 in Lübeck durchgeführten und am 28. menstellung „Der Mensch in der Ordnung“ besonders f: tt E Eo EE is E E t. § î har. Der Lübecker „Katharinenkreis“ als Träger und vielen Heimatvertriebenen in Lübeck und dem nord- Vorbereiter dieser Tagung hatte bedeutende Ver- deutschen Raum, ,Die Kirche als Heimat“ zu sehen, treter katholischen Geisteslebens in unsere Stadt ein. nachdem sie die unbarmherzige Feindschaft einer en geladen, um zu den Problemen einer Zeit Stellung zu chaotischen Welt im Osten entwurzelt und in unsere Er nehmen, deren Hauptaugenmerk nach einem verlorer Gemeinschaft verpflanzt hat, wo sie es oft schwer ne nen Krieg und unter den Nachwehen eines freiheit- finden, neue Warzeln zu schlagen. Aus höherer Schau n, unterdrückenden Systems sehr wenig dem Geistigen neue Wege zu weisen, aus ältesten Erfahrungen und hr zugewandt scheint, ~ soweit wenigstens, als die so- Kräften gespeist, und Befriedigung zu geben allen m genannte „Öffentliche Meinung“, ein gewisser Denk- Zagenden, dies war die Absicht dieser Zusammen- N- Kollektivismus zu solcher Beurteilung zwingt. Nicht künfte, für die der sichtbare und geistige Raum 1]s zufällig war die auch heute noch kunstreiche „Stadt Lübecks einen wertvollen. transparenten Hintergrund GV der goldenen Türme‘ für die „Katholische Kultur- gab. 57
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