Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

Noch erkennen wir kaum die wirkliche Bedeutung der kulturellen Aufgabe auch wirtschaftliche Nachteile her- ö Aufgabe der Erhaltung der Altstadt Lübeck. Denken wir vorrufen. Esgilt deshalb, mit neuzeitlichen und vielleicht Vo doch an die weit größeren, oft fast vollständigen Zerstörun- auch manchem heute noch utopisch erscheinenden Mitteln gen anderer Städte Norddeutschlands! Dann wird uns der modernen Probleme der Verkehrs Herr zu werden, erst klar, welche bedeutende kulturelle und historische ohne die kulturellen Werte zu zerstören.. Aufgabe Lübeck für den deutschen Menschen und inter- Lassen wir uns deshalb nicht durch die Kritik an unse- nationalen Kunstfreund hat. Lübecks Innenstadtkern rem Bestreben beirren, handeln wir in der Erkenntnis der un als Ganzes wird ein bedeutendes Baudenkmal von höchstem MWMerte der Vergangenheit urfd unserer Vernunkt, in der Wert sein. Die Funktion Lübecks wird damit noch mehr Ehrfurcht vor. dem erhaltenen Guten und im Glauben an Tu wie bisher zur Fremdenstadt. Wollten wir den Innen- das Kommende, dann erfüllen wir unsere Pflicht gegen- aul stadtkern, als Ziel der Fremden, dem Verkehr opfern, über unserer Stadt! Halmuth Nhriek ' so würden wir mit dem Versagen gegenüber unserer Vors. d. BDA Liibeck ha] wei rux Lübecks Notzeit in Zahlen st Unter diesem Titel gibt das Statistische Amt der vier Jahre wesentlich beruhigt. Ist doch die Zahl der su Hansestadt Lübeck auf 125 Seiten ein eindrucksvolles zugezogenen Personen von 1945-1948 von 116257 auf 31 statistisches Material über Lübecks Notzeit, d. h. über 16174, die Zahl der fortgezogenen Personen in der ' Lübecks Entwicklung in den letzten vier Jahren. Noch gleichen Zeit von 39135 auf 12621 Personen zurück- ist die Notzeit nicht abgeschlossen; die Flüchtlinge, die gegangen. let Arbeitslosen, die Rentner, aber auch viele der in Lohn Die Flüchtlingszählung vom 31. Januar 1945 Gt und Brot Stehenden sind von einer menschenwürdigen J]äßt erkennen, daß zahlreiche Flüchtlinge Mangelberufen sck Existenz noch weit entfernt; die Wohnraumnot ist eine angehören, deren Auffüllung nach den schweren Ver- wahre Geissel fast für die gesamte Bevölkerung, auf der Justen der Kriegsjahre durchaus als Gewinn zu be- Wirtschaft lasten Kapitalknappheit, ruinöse Steuern, trachten ist. Für andere Berufsgruppen (5402 Flücht- Exportschwierigkeiten und vieles andere mehr. Die linge aus den kaufmännischen Berufen, 3482 aus Ver- öffentliche Verwaltung hat noch schwer zu kämpfen, um ywaltungs- und Büroberufen, 1639 aus den Berufen des der Not einigermaßen Herr zu werden. Bis die Notzeit Geistes- und Kunstlebens und 3966 Personen aus dem abgeschlossen, das Leben in Lübecks Mauern wieder Rereiche der häuslichen Dienste) bietet freilich der lie. normalisiert ist und die Einwohner wieder ihres Lebens Luüihecker Arbeitsmarkt nicht annähernd ausreichende 31. froh werden können, wird noch geraume Zeit vergehen. Aufnahmemöglichkeiten. Daß aber der Höhepunkt der Not überschritten, daß auf Ein interessantes Bild geben auch die Zahlen über We manchen Gebieten unverkennbar eine Besserung ein Gehurten, Todesfälle, Eheschließungen und Ehe- Be getreten ist und die aufsteigende Entwicklung eine zu J; ungen in Lübeck. Die Zahl der lebend Geborenen versichtliche Beurteilung der Zukunft rechfertigt, das hat in den Jahren 1945-1948 um fast. 10 v. H. zuge- B erhärtet die Schrift in ihrem reichen Zahlenmaterial r ommen. . bei einer nieht. wésentlich veränderten Be- SE Einige Beispiele mögen dies belegen. völkerungszahl. Die Zahl der unehelich Geborenen weist s Die Bevölkerung Lübecks ist von 38000 im Jahr eine sinkende Tendenz auf. Der Anteil der Fehlgeburten Pe 1845 auf 155000 im Jahre 1939 und + infolge des Zu- an den Schwangerschaften ist bei den Vnehelichen un- Lü stroms von 97 000 Flüchtlingen + auf rund 246000 im gleich größer als bei den Ehelichen. Stark ist der Rück- ' Jahre 1948 gestiegen. Auf 100 Männer entfielen 1946: gang der Sterbefälle. (1945: 4177, 1946: 2808, 1948: 124,4 Frauen, ein ; Ero; des weiblichen Geschlechts, 2187), ebenso der Rückgang der Selbstmorde (seit 1945 Wü das in den Altersgruppen, in denen der Krieg so vielen um fast die Hälfte, bei den Flüchtlingen um etwa drei 19 Männern das Leben gekostet hat, wesentlich ansteigt, Viertel). Nach zwei Jahren des Sterbeüberschusses ist und in den Altersgruppen von 20-25 Jahren auf 100 für die Jahre 1917 und 1948 wieder ein, wenn auch de Männer nicht weniger als 142,8 Frauen aufweist. Das zunächst nur noch bescheidener Geburtenüberschuß fest- mt führt den Bericht zu der Annahme, daß in den Jahren zustellen. Steigende Tendenz weisen die Ehescheidungen ha von 20 45 jede dritte Frau zum Ledigbleiben verurteilt auf. Sie sind von 578 im Jahre 1946 auf 774 im Jahre [ ist. Auch für die über 45 Jahre hinausgehenden Alters- 1947 und auf 865 im Jahre 1948 angewachsen. Für mt gruppen ist das Verhältnis weit entfernt, normal zu sein. Lübeck ist es nur ein schwacher Trost, daß andere Groß- Beachtlich ist, daß bei den Flüchtlingen der Frauen- städte noch verhältnismäßig höhere Scheidungsziffern überschuß nicht ganz so stark wie bei der ortseinger aufweisen. sessenen Bevölkerung ist. Der Bericht führt dies unter Erfreulich ist der starke Rückgang der bei der anderem auf den Zugang zahlreicher Männer der besten Kriminalpolizei gemeldeten Straftaten (imStadt- Jahrgänge zurück, die in der Ostzone einer etwaigen kreis Lübeck 1946: 15446, 1948: 8517). Insbesondere , Dienstverpflichtung entgehen wollten. sind Mord und Raub erheblich seltener geworden. . Für den gewaltigen Berölkerungszuwachs steht ein Die Zahl der Unterstützten und der Auf- Di Wohnraum zur Vertügung, der durch den Luftkrieg um wand an Unterstützungen seitens der öffentlichen Ki 3833 Wohnungen vermindert ist. Der Zuwachs wirkt Fürsorge weisen von 1947 bis 1948 einen wesentlichen fn sich in der von den Zerstörungen meist betroffenen Rückgang auf (1947: 27 000, 1948: 21 500 Personen). Die Innenstadt nicht aus, belastet aber die drei Vorstädte Fürsorgekosten bezifferten sich auf und eine Reihe von AnßBenbezirken, z. B. Travemünde, 13,5 Mill. RM im Jahre 1947, ge Kücknitz-Herrenwyk, Schlutup und Wesloe schwer. 5,6 Mill. RM in der Zeit vom I1. 1.20. 2. 48, .:! Die Bevölkerungsbewegung hat sich im Laufe der letzten 4,5 Mill. DM. in der Zeit vom 21. 2.231. 12. 48. f ] A
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