Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

Wege zur Verlöhnung von Kapital und Arbeit Wir bringen den nachfolgenden Artikel als Beitrag über das heute viel erörterte Thema. Die Schriftleitung. Ebenso bedentsam wie das Mitbestimmungsrecht Zinsen erhalten haben, bleibt als Rest ein Betrag von ist die Beteiligung der Arbeitnehmer am Ertrag der 2 Mill. DM, der als Gemeinschaftslohn oder verteil- Wirtschaft. Wenn das Mitbestimmungsrecht auf dem bares Ergebnis gilt und nach dem oben angegebenen Grundsatz beruht, daß Kapital und Arbeit als gleich- Schlüssel aufzuteilen ist. Da das betriebsnotwendige berechtigte und gleichwiehtige Faktoren in der Wirt- Kapital 40 Mill. DV, der Umsatz 60 Mill. DM beträgt, schaft anzusprechen sind, muß neben dem Kapital ist das Schliisselverhältnis 40 : 60 oder 2 : 3, d. h. von auch der Arbeit ein gerechter Anteil am Ertrag zu- den 2 Mill. DM Gemeinschattslohn entfallen auf das gebilligt werden. Die Leistung eines Betriebes ist eine Kapital als Gewinn 800000,~ DM, auf die Arbeit als Gemeinschaftsleistung von Kapital und Arbeit, also Ergebnislohn 1,2 Mill. DM. ö eine Leistungseinheit, die weder vom Kapital noch Als Grundlage für die Verteilung des Ergebnis- von der Arbeit allein hervorgebracht werden kann. lohnes auf die einzelnen Belegschaftsmitglieder dient Es ist daher ein Erfordernis sozialer Gerechtigkeit, der Tariflohn und die Dauer der Werkzugehörigkeit. daß der Gemeinschaftsertrag auf die beiden Gemein- Der Tariflohn richtet sich nach der Arbeitsleistung. schaftsträger Kapital und Arbeit gerecht verteilt wird Er wird als Leistungsmaßstab des einzelnen Beleg. und jeder das erhält, was seiner Leistung entspricht. schaftsmitgliedes bei der Errechnung des Ergebnis- Ohne soziale Gerechtigkeit ist eine echte Betriebs- lohnes zugrundegelegt. Zu diesem Zweck wurde ent- gemeinschaft und damit eine Versöhnung von Kapital sprechend der tariflichen Einstufung für jede Arbeit und Arbeit unmöglich. Auf diese Versöhnung aber eine Punktzahl errechnet. Die Dauer der Betriebs- kommt es an, weil von ihr die politische, wirtschaft- zugehörigkeit wird so bewertet, daß für jedes Dienst- liche und kulturelle Zukunft unseres Volkes abhängt. jahr 1 % der Lohnpunkte in Ansatz gebracht werden. Jedes gute Beispiel und jeder ernste Vorschlag, Die Verteilung des beispielsweise mitgeteilten Er- der diesem Ziele dient, ist daher dankbar zu begrüßen. gebnislohnes in Höhe von 1,2 Mill. DM aut die ein- Aus diesem Grunde sei nachstehend über ein Beispiel zelnen Belegschaftsmitglieder wird an folgendem Bei- für „„den gerechten Lohn“ bericktet, wie er bei der spiel demonstriert: Duisburger Kupterhütte (irektor Dr. Kuß) ein- Der Vorarbeiter A ist 20 Jahre im Werk. Sein geführt wurde und über einen ..Gewinnbeteiligungs- tariflicher Monatslohn beträgt durchschnittlich vorschlag‘ nach dem ..Berkenkoptf-Fels-Plan“ der 300,~ DAM, hierfür werden ihm 300 TPunkte gut- „Studiengemeinschaft für die Erweiterung der sozialen geschrieben. Je Dienstjahr 1 % der Lohnpunkte, das Arbeiterfürsorge auf privatrechtlicher Grundlage“ sind bei 20 Dienstjahren 60 Punkte. Zusammen er- (Geschäftsstelle Köln, Kaiser-Friedrich-Ufer 67), der gibt das 360 Punkte. In gleicher Weise wird die eine Ertragsbeteiligung mit einer Sicherung des Gesamtpunktzahl aller Belegschaftsmitglieder fest- Lebensabends sowie der Familie für den Fall des vor- gestellt. Sie soll mit 800000 angenommen werden. zeitigen Todes verbindet. Der oben ermittelte Anteil der Arbeit in Höhe von 1,2 Mill. DM wird nun durch die Summe aller Werks- , punkte dividiert, wodureh man den Wert eines E Punktes erhält. Er beträgt hier 1,50 DM. Der Vor- Der gerechte Lohn arbeiter A erhält also 360 X 1,50 = 540,9 DM Er- bei der Duisburger Kupkerhütte gebnislohn. Ysr gssoohts Lohn, der sich aus Tarif- Der Einführung des gerechten Lohns bei dem ge- oh. “ Ergep "ihn. zumus tt. hotesgt Um; nannten Unternehmen liegt die Erkenntnis zugrunde: Die Auszahlung des Ergebnislohnes, in ctigsem Falls 1. daß Kapital und Arbeit in einer geordneten, am also 540,2 DA, erfolgt am 15. Dezember. Grundsatz der Gerechtigkeit ausgerichteten Wirt- Über die Auswirkungen des gerechten Lohnes sagt schaft gleichberechtigte Partner sind und sie daher die Kupkerhütte noch folgendes: nu in gleicher Weise Anspruch auf eine ihren betrieb- „Die mit dem gerechten Lohn verbundene Urhöhung lichen Leistungen entsprechende Entlohnung haben; des Arbeitereinkommens bedeutet keineswegs einen 2. daß dem Anspruch der Aktionäre auf eine an- h zzu start zur dei str: ou . gemessene Verzinsung des investierten Kapitals der fÿhrt zu einer Aufteilung des Gesamtlohnes in zwei Tariflohn, dem Gewinnanteil des Kapitals am Be- Teile, den Tariflohn, der selbstverständlich gegebenen- triebsergebnis der Ergebnislohn-Anteil der Beleg. falls ‘auch ein Akkordlohn sein kann, und den Er- schaft zu entsprechen habe. gebnislohn. Von diesen geht jedoch nur der Tarik- Wie die Kupterhütte den gerechten Lohn ermittelt, lohn, also der allgemein übliche Lohn, in die Kalku- soll an ihrem in der Schrift „Ein neuer Weg“ mit- lation der Produkte ein. Infolgedessen ist eine Preis- geteilten Beispiel erläutert werden. Es werden steigerung auf Grund des Ergebnislohnes ausge- folgende Annahmen gemacht: schlossen. Die Dinge liegen vielmehr so, daß das durch Aktienkapital 20 Mill. DM, betriebsnotwendiges das Prinzip des gerechten Lohnes geweckte Arbeits- Kapital 40 Mill. DD, Umsatzsumme 60 Mill. DM, ethos zu einer Leistungssteigerung des einzelnen und Werksergebnis 4 Mill. DM, Zinssatz 5 %. Von dem damit zu einer Produktionssteigerung führt. Aus einer Werksergebnis in Höhe von 4 Mill. DM werden zu- Produktionssteigerung folgt aber keine Preiserhöhung, nächst 5 % Zinsen für 40 Mill. DM betriebsnotwen- sondern eine Preissenkung. Der gerechte Lohn hat diges Kapital, d. h. 2 Mill. DM abgezogen. Nachdem also keine preissteigernde, sondern eine preissenkende nunmehr Arbeit und Kapital vorweg Tariflohn bzw. Tendenz.“ ] KK
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.