Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

bogen der Marienkirche erblicken können, da die First. und in fremdem Takte, man verkürze willkürlich Jinieniedrigergehaltenist,als die früherenHäuser waren. t § L Ycäieht „zn der Mong:.: Jon skunenrguri fler Die unumgängliche Verkleinerung des Marktes ist arte ö ltraghar. Das Rathaus wird sogar im Verhältnis Unter welchen Gesetzen steht denn der Zusammen- Lorößer und mächtiger erscheinen. Aber das Schicksal klang von St.-Marien und Rathaus auf dem Markt, es vorm Lübecker Marktbild unzertrennlichen Kaaks was gilt denn für die Form des Resonanzbodens ? ist ungewiß geworden. Gegen ein Verbleiben an Nur über unsere Sinne gelangt ein Kunstwerk in sciner Stelle. das nur durch eine beträchtliche Aus- yyser Inneres. Deshalb muß es natürlich eine Sprache klinkung im Südriegelbzu möglich wäre, wird geltend ,prechen, die unsere Sinne verstehen. Kein Lied gemacht, daß er dann allzusehr einen Denkmals gichten wir in Tönen, deren Wellen unserem Ohr charakter bekäme. auch steht er schief zu der neuen yzjcht vernehmbar sind. Die Form eines Vortrags- Fluchtlinie. So ist beschlossen, ihn abzutragen und raums bestimmt die Leistung unseres Ohres. Von die Steine numeriert zu verwahren; nach Umbauung des einem Bilde nehmen wir den Abstand, den unser Platzes soll dann an der Hand eines transportablen Mo- Auge braucht, es zu überschauen. Probieren wir dells der geeignete Platz ausfindig gemacht werden. Ein gjJso mit Überlegung, wie es wohl die alten Baumeister feierliches Versprechen der Wiedererrichtung liegt vor.. guch taten, welchen Abstand wir von St.-Marien und Eine Einfahrt in den Markt wird künftig, wie Rathaus haben müssen, damit sich die Dinge in historisch bis 1880. nur durch die Markttwiete möglich unserem Auge zum Bilde fügen. sein und wahrscheinlich nur für eine Straßenbreite Vom Kohlmarkt aus erscheinen sie uns spannungs- vor der Post. Da die Hüxstraße ohnehin für den Fuhr 10s und gleichgültig untereinander, das Detail des verkehr gesperrt wird, so entfällt die Durchfahrt Renaissancebaus wird undeutlich. Von der neuen durch den Nädlerschwibbogen. Aber auch der Zu- güdwand aus, am südöstlichen Markteingang, ge- gang von der Holstenstraße, der im Blickwinkel die jahren wir merkwürdige Unordnung. Die Kriegs- gleiche Öffnung zeigen wird wie früher, soll nur den ¿tube drängt sich so sehr in den Vordergrund, daß wir | Fußgängern geöffnet sein, die dann in voller Ruhe gJlein schon 2 Augen-Blicke brauchen, sie zu über- Schönheit und Größe des Nord- und Nordostblicks ;chauen. Ohne Zusammenhang erscheint uns die auf sich wirken lassen können. Nordwand. Unbemerkt versinkt dahinter der First Johannes Klöcking dier Marienkirche. Und der Kaak ? Auch das ist kein Bild. das uns befriedigt. Und nun stellen wir uns in reaktionärer Weise vor die frühere Südwand des C IN. u ... Fine städtebauliche Untersuchung von Dipl.-Ing. sci Die Nordwand im Mittelgrund sehen wir in Wolfgang Vogt allen baukörperlichen Zusammenhängen, selbst das Detail des Renaissancebaus ist deutlich genug. Als Die ausgezeichneten Graphiken im Börsensaal und gjlhouette erscheint im Hintergrund die Baumasse lie Absteckung der Fluchten und Baumassen auf der Marienkirche. (Hier stört eigentlich nur die Un- dem Markt geben unseren Vorstellungen viel An geutlichkeit der Einzelheiten, aber die alte Nord- schauungsmaterial. Aber die Grundfrage wurde nicht wand hätte sie verdeckt.) Ihre Türme aber – und gestellt : Solldas Marktproblem, wie vielleicht in irgend- Jas kommt ihnen wohl zu + verlangen zusätzlich einer andern Stadt, nach verkehrstechnischen und cinen Augen-Blick über das Bild hinaus. So ist wohl wirtschaftlichen Gesichtspunkten gelöst werden, oder gzuch das Erhabene des Bildes erklärlich. ist das Ziel die Gestaltung des Marktes ! Ist dies nun wieder eine Geschmackssache ? Für den ersten Fall sollte der Verkehr schräge über Nein. Denn v. Helmholtz hat in seinem „Handbuch den Markt geleitet werden, damit wenigstens die un Jer optischen Physiologie‘ für die Sehschärfe des glückliche Kreuzung KohlmarktBreite Straße ver- Auges und seine Aufnahmefähigkeit in verschieden mieden werden könnte. Dann müßte der Markt nütz- großen Winkeln des Blickfkeldes eine fast völlig all- lich mit Geschäftshäusern vollgebaut werden. gemein gleiche Leistung erwiesen. Baumeister Maer- Für eine Entscheidung der Frage in anderem Sinne tens hat in seinem „Optischen Maßstab“ in Hunderten bestünde unerbittlich die Forderung: Der Markt muß von Messungen an fast allen bedeutenden europäi- wieder der wohlabgemessene Resonanzboden für den schen Räumen und Bauwerken des Altertums, des Zusammenklang von St.-Marien und Rathaus werden. Mittelalters und der damaligen Neuzeit gezeigt, wie Denn dies ist doch das Köstlichste, die Seele der Stadt die Beziehungen dieser Räume und Baukörper aut Lübeck, das einzigartige Erlebnis für uns alle: eben diese Augenleistungsfähigkeit abgestimmt sind. Mit dieser Zusammenklang von St.-Marien und Rathaus Hülfe dieser ganz einfachen, zum städtebaulichen auf dem Markte! Wir können gar nicht von städte- Geistwerkzeug gehörenden Kontrolle läßt sich die baulicher Gestaltung des Marktes sprechen, wenn Richtigkeit unserer Ergebnisse zeigen. Vielleicht diese Forderung nicht erfüllt wird, wenn wir sie ergibt sich auch noch mehr: hinter irgendeine der andern, auch anders zu Iösenden Der geringste Abstand, in dem ein Gegenstand für Fragen stellen. unser Auge noch überschaubar bleibt, beträgt seine Jedes Kunstwerk hat sein Gesetz. Wir müssen es doppelte Höhe oder einen Winkel von etwa 27° im Blick: Erkennen 1md ihm dienen, sonst zerstören. wir alle bild. Diese Fordernng erfüllt unser Standort für den seine inneren Beziehungen, seine Logik: Man lege doch Vordergrund: Kaak und Kriegsstuben. der sixtinischen Madonna das Kind in den linken Der geringste Abstand, in dem ein Gegenstand Arm! Man begleite ein Lied in einer fremden Tonart unserem Auge im Zusammenhang mit anderen Gegen- | GB2
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