Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

Allee liegenden Wirtshaus „Der Schwan“ einzufinden, werden. Am nächsten Morgen galt es jedoch, ziemlich und mit großem Hallo begann die Fahrt. um jedoch früh aufzustehen, denn um 9 Uhr war die Besichti- schon im Krummesser Krug durch ein kräftiges gung der noch heute in ziemlichem Umfange erhalte- „Frühstück“ unterbrochen zu werden. Da damals die nen Palmschleuse. In ihrem Schleusenmeisterhause erste Schleuse in Berkenthin lag, so brauchte man also wurde ein Protokoll unterzeichnet, das alle für das nicht mit nüchternem Magen an die Arbeit zu gehen. neue Jahr als notwendig angesehenen Ausbesserungs- Um sich jedoch nicht zu überanstrengen, ließ man es arbeiten an dem Kanal aufzählte, und dessen Unter- bei dieser einen Schleuse bewenden und fuhr gleich zeichnung der offizielle Schluß der Schleusenfahrt war. nach Ritzerau. wo die Gesellschaft gegen 2 Uhr an- Es folgte jedoch noch ein Abschiedsessen in Lauen- langte. In dem leider im vorigen Jahrhundert ab burg, zu dem etwa 100 Personen erschienen, und das zu gebrochenen Schloß fanden Senatoren und Depu- einem wahren Volksfest ausgestaltet wurde. Denn tierte ihre Quartiere. während die übrige Gesellschaft nicht nur, daß von den Resten der Tafel an Arme aus- bei dem Amtmann Unterkunft bekam. Die Bewälti- geteilt wurde, sondern es wurden gleich nach dem gung des Mittag- und Abendessens wurde als ger Essen und kurz vor der Abfahrt 10 Taler in Schillingen nügende Arbeitsleistung für den Rest des Tages anger und Sechslingen an das Volk ausgeteilt, oder gar von sehen, worauf am Dienstag früh 7 Uhr alles wieder Zeit zu Zeit aus dem Fenster geworfen. Wenn dann reisefertig war. Jetzt galt es dem wichtigsten Bau am Nachmittag gegen 5 Uhr die Abfahrt erfolgte, so werk des Kanals, den Treppenschleusen zur Hanen- hatten sich wohl alle mit den berühmten Lauenburger burg bei Mölln. Da aber von hier ab bis Lauenburg der Töpferwaren eingedeckt, die auf den Wagen vorsichtig Kanal auf germeinschaftliche Kosten unterhalten verstaut wurden. 60 bis 70 Pferde zogen die Wagen, wurde. so kam noch eine hannoversche Kommission trotzdem aber war man erst um Mitternacht in dazu, das sogenannte .Elbgeleite‘. Auch sie war nicht Ritzerau; denn die Wege waren so schlecht, daß ein gerade klein. Trotzdem dauerte die gemeinsame Be- Schleusenzimmergeselle extra für etwa nötige Wagen- sichtigung nur eine Stunde, eben ein Beweis dafür, daß reparaturen mitfahren mußte, während Banern mit die eigentliche Arbeit schon vorher geleistet war. Fackeln und Laternen nebenherritten. Rin gutes Ebenso schnell erledigte sich die Besichtigung der Nachtmahl und ein Ruhetag winkten; nur der Magen kolgenden 4 Schleusen, die die Lübecker allein ber- bekam wieder keine Pause; denn auch am Donnerstag sorgten, um zu Mittag mit den Lauenburgern in Büchen in Ritzeran war große Tafel, zu der der Amtmann und sieh wieder zu vereinen. Dort hatte der Postmeister der Pastor eingeladen wurden, ebenfalls der Lauen- kür den nicht geringen Betrag von 50 Talern das burgische Oberförster von der Hanenburg. Am Mittagessen zu licfern, an dem die bis hierher ent- Donnerstag bekamen übrigens auch die Bauern etwas gegengereisten Bekannten und Verwandten der ab, denn sie durften sich am Tanze beteiligen und Lauenburg- Hannoverschen Kommission sich beteir außerdem hatten sie am Abend den Genuß des Feuer- ligten; denn die Kosten trugen beide Staaten je zur werks, das hier abgebrannt wurde. Es muß wohl Hälfte. Es lohnte sich aber auch, dieses Essens wegen meist sehr spät bei diesem „Ruhetag“ geworden sein; Jie Reise zu machen. denn es gab an Speisen: Ham denn erst um 10 Uhr morgens ward am Freitag die burger Rauchfleisch, Lachs, Forellen, Zungen, Stein- Rückreise angetreten, die mit Pausen an der Donner- butt und Hummer im Überfluß. Und für die durstigen sechleuse und in Behlendort die umfangreiche Gesell: Kehlen brachten die Hannoveraner guten Rotwein &échaft nach der alten Hansestadt zurückhbrachte. und englischen Porter mit, dem die Lübecker alten Leider ist uns nicht überliefert, um wieviel bei dieser Mosel- und Rheinwein aus ihrem Ratskeller und Schleusenfahrt das Gewicht der teilnehmenden Be- (Champagner entgegenstellten. Musik und Tanz um- teiligten und Unbeteiligten zunahm, wir wissen nur, rahmten das Ganze und vertrieben den völig Un- daß die Fahrt 1200 bis 1400 Mark kostete, ohne die beteiligten auch diejenige Zeit, die die eigentlichen Fuhrwerke, die ja umsonst gestellt werden mußten. Deputierten an die Schleusenbesichtigung wenden Alber wir wissen auch, daß bald der gesunde Bürger- mußten. — sinn diesem Auswachsen der Schleusenfahrten ein _ Am Abend um 6 Uhr fand sich alles zur Weiterkahrt Ende setzte, und daß von 1787 an nur noch die nach Lauenburg wieder zusammen, wo man abends 2 Senatoren, die 4 Deputierten und der Stadtbau- durch festlich erleuchtete Straßen fuhr, denn in allen meister die Reise unternahmen, bis dann die Notzeit Durchfahrtsstraßen standen Lichter an den Fenstern. der Franzosenherrschaft jeder unnötigen Ausgabe Daß ein reichlich bemessenes Nachtmahl für die nötige ein Ende bereitete. W Stier Bettschwere sorgte. braucht wohl kaum erwähnt zu . Thomas Mann 75 Jahre alt Das Werk des in Lübeck nicht nur geborenen, Thomas Mann stammt aus Lübeck, das zeigen nicht sondern wirklich aus Lübeck stammenden Thomas nur die „Buddenbrooks“, das zeigt auch noch Adrian Mann ist in diesen Blättern in früheren Jahren von Leverkühns Heimatstadt Kaisersaschern. Die Sechilde- dem uns unvergessenen Fritz Endres häufiger ger rung dieser Stadt ist wohl kennzeichnend für Thomas würdigt worden. Heute, da Thomas Mann sein Manns innere Haltung seiner Vaterstadt gegenüber: T5. Lebensjahr vollendet, ziemt einer Zeitschrift, die Eine Zuneigung nicht ohne Widerstände und eine Ab- so mit dem geistigen Leben unserer Stadt verbunden lehnung, ein Sichfremdfühlen nicht ohne Bedauern; ist wie die „Lübeckischen Blätter“, wohl ein Blick auf sollte nicht in diesem seelischen Sichverhalten eine Werk und Person dieses Mannes, die in seltenem Maße Facette des eigentümlich funkelnden Steines sich eines sind. spiegeln. die Thomas Mann heißt ? Ihm eigen ist dié | AB
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