Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

thekaren und Anwärtern des gehobenen Dienstes an Amerika, und auch in England, ist die Zah] der rein wissenschaftlichen Bibliotheken als für beide Teile wissenschaftlichen Bibliotheken so gering, daß sie ungenügend erwies. Als man gegen Ende der 20er neben den zahlreichen public libraries kaum ins Ge- Jahre die Frage der getrennten Ausbildung ernstlich wicht fallen. In Frankreich wiederum gibt es kein aufwarf, war man sich über die Bedeutung dieses Volksbüchereiwesen. Es ist eine von den trostreichen Schrittes klar. „Die Brücke,“ schrieb damals Georg Erbschaften der in anderer Hinsicht beklagenswerten Leyh, „„welche die wissenschaftliche Staatsbibliothek territorial-fürstlichen deutschen Vergangenheit, daß mit der Volksbücherei verbindet, stürzt ein. Bald sie uns eine so große Mannigfaltigkeit wissenschaft- wird man sich hüben und drüben nicht mehr kennen.“ licher Staats-, Landes- und Universitätsbibliothelken Seitdem die Trennung der Ausbildung eine vollzogene hinterlassen hat. Nur hier, nur in Deutschland konnte Tatsache geworden war, war denn auch die Ent- deshalb und mußte es zu dieser Entwicklung kommen. wicklung, die auf völlige Trennung beider Bibliotheks- Darum betrachteten auch die Besatzungsmächte diese arten zielte, nicht mehr aufzuhalten, denn wer wollte von ihnen nach der Kapitulation hier vorgefundenen es einem von gesundem Selbstbewußtsein dureh- Verhältnisse im Bibliothekswesen zunächst mit Miß- drungenen Berufsstand zumuten, dauernd im Schatten trauen. Wahrscheinlich meinten sie es hier mit der eines anderen zu arbeiten. So mußte denn, ebenso wie ihnen so bedenklichen deutschen Bildungsaristokratie anderen Orts, das auch in Lübeck nicht ohne Glück zu tun zu haben, deren Demokratisierung ihre Pflicht angewandte System der getrennten Verbundenheit sei. Sie drängten deshalb auf eine einheitliche und fallen. Neue, \aus der getrennten Berufsausbildung unterschiedslose Organisation des ganzen hbiblio- hervorgegangene Menschen, die fast auf das Doppelte thekarischen Berufs, haben aber, wie es scheint, diese ihres früheren Bestandes angewachsene Bevölkerungs- Absicht mittlerweile aufgegeben und sich mit den zahl, die besonderen durch Kriegsverluste bedingten Tatsachen abgefunden. Es wird also bei der beruf- Aufgaben des Wiederaufbaus drängten ohnehin in lichen Trennung der Menschen und damit bei der diese Richtung, vor allem aber auch die unerwarteten organisatorischen Trennung der Institute bleiben neuen Aufgaben, die entgegen der Prophezeiung des müssen. Die trotz dieser Trennung bestehende weit- Wiener Professors heute der wissenschaftlichen Stadt- gehende Gemeinsamkeit der kulturellen Aufgaben, die bibliothek gestellt sind, nachdem die Wissenschaft. eine enge Zusammenarbeit, ein kollegiales Verhältnis damals noch eine Angelegenheit fast allein der Uni- heider Berufsstände zu einander verlangt, ist damit versitäten, in ungeahnter Weise in das praktische wohl weniger gefährdet als durch eine erzwungene Leben eingedrungen ist. Zusammenfassung. Innerhalb einer solchen unnatür- Wenn anfangs gesagt wurde, es handle sich hier um lichen Ordnung mülte das Bewulitsein des Trennenden ein spezifisch deutsches Problem, so hat dieses seinen sich stets störend in den Vordergrund drängen. Bei Grund darin, daß man weder in der angelsächsischen äußerer Trennung kann im Gegenteil das Gefühl der Welt noch in Frankreich oder Skandinavien diese Zusammengehörigkeit. viel leichter vorwalten. Zweiteilung des bibliothekarischen Berufes kennt. In Karstedt Die Zukunft der Landesmusikschule Zu dem sehr verdienstlichen Aufsatz von Prof. Dr. Tradition als freie Hansestadt die Sache der Musik- Stahl „Zur Geschichte unserer Landesmusikschule““ schule selbständig angreifen und auf diese Weise (Lüb. BI. Nr. 9, vom 7. Mai 1950), möchte ich be- zu einem neuen ,,Städtischen Konservatorium“ merken, dal ich das mir dort gespendete Lob nicht kommen ? Was vor Jahrzehnten zwei kunstsinnigen verdient habe. Das Lübecker Konservatorium ist von und fachkundigen Privatleuten möglich war, mul seiner Gründerin Fräulein Kaibel und von Herrn Prof. doch trotz der Not der Zeit eine Viertelmillionenstadt Hofmeier zu seiner überaus segensreichen Wirksam- zuwege bringen können, wenn sie nicht hoch hinaus keit und seinem großen Ansehen gebracht worden. will und nicht Schlösser baut, die, wie es in der Operette Als ich 1919 hier keine Tätigkeit mehr hatte, wünschte heißt, im Monde liegen. Fräulein Kaibel, daß ich durch Beaufsichtigung des Aus der Darstellung Prof. Dr. Stahls geht hervor, Unterrichts mitarbeitete. Ich konnte mich dabei gaß das 1933 von der Stadt gegründete Konserva- von der ernsten künstlerischen Arbeit überzeugen, torium nur deshalb zu einer Landesmusikschule die sie und Herr Prof. Hofmeier von jeher im Verein wurde, weil Lübeck seine staatliche Selbständigkeit mit den von ihnen gewonnenen Lehrkräften geleistet verlor. Die „Trägerschaft“ (!) ging auf Schleswig- hatten. Menn ich jetzt aufgefordert worden bin, Holstein über. Jetzt singt das Land: ., ff . und kann mich in den Lüb. Blättern zu der Musikschul-An- zje nicht tragen mehr“, und schließt den Betrieb gelegenheit ebenfalls zu äußern, so kann ich, abgesehen ohne nähere Begründung (Dr. Eisenbart-Kur!). Das davon, daß ich seit 35 Jahren meinen Wohnsitz in Institut existiert also überhaupt nicht mehr Lübeck habe, zu meiner Legitimation jene Tätigkeit und die Stadt Lübeck hat nicht nur das Recht, am ehemaligen Lübecker Konservatorium und weiter- sondern auch die Pflicht, das, was sie einst gegründet hin den Umstand anführen, daß ich keinerlei .„Pöst- hat, und was andere in einem mysteriösen Verfahren chen“ oder sonstige Vorteile erstrebe, vielmehr im zerstört haben, von sich aus neu aufzubauen. Gegenteil Nachteile riskiere wie stets, wenn es einem Ich habe nie in meinem Leben einer Partei angehört nur um die Sache zu tun ist. und verstehe nichts von politischen „Gepflogenheiten“. Ich frage: Warum soll, nachdem das Land versagt Aber ich glaube, daß alle Parteien in Lübeck sich einig hat, nicht die Stadt in Erinnerung an ihre große sein müssen und sich einig sein werden. wenn es gilt. 1 29
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