Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

nicht geheitzt; ja eines derselben hat sogar, wie man schränkte Vollmacht, selbst Zu Belohnungen und zu mir sagte, nur eine halbe Decke: die andere Hälfte Strafen, außer in Criminalfällen: aber sie scheinen sie des Zimmers steht unter dem Dache. Ich fand daher mit großer Menschenliebe zu gebrauchen. Der Vor- verschiedene, vorzüglich Kinder, die an Händen und steher, der mich herum führte, Herr Grimm, wurde von Füßen offene Frostbheulen hatten. Die menschen- den Erwachsenen mit einem freudigen, zutraulichen: freundliche Sorgfalt der Vorsteher läßt indeß eine „Guten Morgen, lieber Herr!“ begrüßt, und die Aenderung hoffen, und auch hier hat sich eine Ge- Kinder sprangen herbei, ihm die Hände zu küssen. sellschaft junger Ärzte verbunden. die Kranken un- Kein feierliches Belobungsdekret, von allen Höfen des entgeldlich zu besuchen ' h. römischen Reichs unterzeichnet, hätte mir halb so Die Verwaltung des Hauses die mit der pünkt- viel Hochachtung gegen den edeln Biedermann ein- lichsten Sorgfalt geführt wird, ist in den Händen geflößt, als dieses unverdächtige Zeugniß der Dürtti- einiger dazu erwählten Bürger. Sie haben unber gen. Neuordnung im lübeckischen Bibliothekswelen Seit dem I. April dieses Jahres ist die Städtische Stadtstaaten alte wissenschaftliche Bibliotheken mit Bücherhalle auf Anordnung der Kultusverwaltung der Tradition von Staatsbibliotheken unterhielten. von der wissenschaftlichen Stadtbibliothek. mit der Diesen Bibliotheken hatte der Wiener Professor Reyer sie seit rund 30 Jahren durch Personalunion des bereits in den 90er Jahren prophezeit, dal sie ab- Direktors und hinsichtlich der Geschäftsführung ver- sterben würden, wenn sie nicht aufhörten zu sein, bunden war, abgelöst und bildet nunmehr eine selb- was sie bislang gewesen waren und statt dessen Volks- ständige Dienststelle innerhalb der Stadtverwaltung. büchereien würden. Damit präludierte er dem Ge- Damit ist eine Entscheidung getroffen, die ein danken der Einheitsbücherei, der unter dem Eindruck spezifisch deutsches Problem betrifft, ein Problem, der glänzenden Entfaltung des amerikanischen das darüber hinaus in den lübeckischen Verhält- Büchereiwesens bald auch in Deutschland weite Ver- nissen eine geradezu typische Ausprägung gefunden breitung fand. Und in der Tat schien der Erfolg hatte. zunächst für diesen Bibliothekstyp zu sprechen, ent- Als um die Jahrhundertwende neben das viel standen doch, vorwiegend im industriellen Westen, gestaltisge wissenschaftliche Bibliothekswesen in mehrere solche Rinheitsbüchereien, die eine zunächst Deutschland die junge Bücherhallenbewegung trat, glänzende Entwicklung nahmen. waren in dieser wissenschaftliche Bibliothekare an Es muß als weise und weitblickend bezeichnet führender Stelle beteiligt. Auch die bibliothekarische werden, wenn nach dem ersten Weltkrieg, als die Fachausbildung erhielten die jungen Volksbiblioo- Stadt Lübeck das Volksbüchereiwesen der Gesell- thekare lange Zeit gemeinsam mit den Kollegen vom schaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit in wissenschaftlichen Bibliotheksdienst. Bald aber wurde die öffentliche Hand nahm, der damalige Bibliotheks- offenbar, daß beide Bibliotheksgattungen wesentlich direktor Dr. Pieth nicht den Versuch machte, die verschiedenen Aufgaben dienten, daß die Verschieden- 300 Jahre alte wissenschaftliche Stadtbibliothek durch heit des Bestandes, mehr noch die Verschiedenheit Eingliederung der Volksbücherei zu einer Einheits- der Benutzerkreise nicht nur verschiedene Geschäfts- bibliothek umzugestalten. Schon wenig später erwies und Verwaltungsformen erforderte, sondern daß vor es sich, daß die Einheitsbücherei lediglich der Biblio- allem die bibliothekarische Tätigkeit selber in jeder thekstyp der Kleinstadt oder der Neugründung aul von beiden Bibliotheksgattungen auf einem so unter- unbebautem Boden ist. Zu einigem Umfang heran- schiedlichen Berufsethos beruhte, daß seine Träger gewachsen, spaltet sie sich zunächst innerhalb des sich selber bald als zwei verschiedene Typen des Berufs eigenen Betriebes in eine wissenschaftliche und eine erkannten. So konnten denn die Bestrebungen nicht volkstümliche Abteilung, um unter gegebenen Um- ausbleiben, die unter dem Schlagwort von der Autor ständen schließlich auch äußerlich auseinanderzu- nomie der Volksbücherei die völlige Lösung der Volks- brechen, wie es im Jahre 1929 in Wuppertal-Elberteld bücherei vom wissenschaftlichen Bibliothekswesen geschah. Als in demselben Jahr Georg Leyh sein sowie die selbständige berufliche Ausbildung der Volks- Gutachten über die Mannheimer Bibliotheksfragen bibliothekare verlangten. Es waren nicht nur führende veröffentlichte, konnte er bereits mitteilen, dals man Männer des wissenschaftlichen Bibliothekswesens, die auch in Amerika schon auf dem besten Wege sei, diese hiergegen ihre warnende Stimme erhoben, sondern als notwendig erkannte Trennung zu übernehmen. z. B. auch der bedeutende Schöpfer der Kruppschen So war es ein nach der damaligen Lage der Dinge Bücherhalle und Werkbibliothek, Paul Ladewig, der glücklicher Gedanke, Stadtbibliothek und Volks- in der Zeit von 1898—1910 an der Errichtung von bücherei einem gemeinsamen Direktor in gemein- rund 400 Büchereien beteiligt war. Mehr als die Ein- samer Geschäftsführung zu unterstellen, die räumliche heit des Berufsstandes stand auf dem Spiel, so meinte und verwaltungsmäßige Trennung aber bestehen zu man, nämlich die Einheit des deutschen Bibliotheks- lassen. Dieses System der Personalunion galt damals wesens und seine organische Ausgewogenheit. In der für Städte von mittlerer Größe ziemlich allgemein als Sphäre der Staats-, Landes- und Universitäts- zweckmäßig. Wenn es gleichwohl fast überall, wo es bibliotheken war das Problem nicht gerade brennend. angewandt wurde, nur eine Station auf dem Wege Der eigentliche Schauplatz der Auseinandersetzung zur vollen Ablösung der Volksbücherei blieb, so hat waren die Städte, und unter ihnen in erster Linie dieses seinen Grund wohl in erster Linie darin, dal diejenigen, die als ehemalige oder gar noch bestehende sich die gemeinsame Ausbildung von Voalkshbiblio- 1 28&
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