Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

ZEITSCHRIFT DER GESELLSCHAFT ZUR BEFORDERUNG GEMEINNUTZIGER TATIGKEIT LÜBECK, DEN T, MAI 1950 B E CHS U N D A CH T Z1 GS TER IA HR G A N G / NU M MER + D.BE VT Ss C H E S P RA C H E Mein Volk, wo könnt’ ich je dir entsunken sein ! Und herrlich wachsend spület des Wohllauts Macht Sieh her! Nicht, was am Rande der Tag dir baut wie Unrat lauter Krämer Gerzänk beiseit, und achtlos stürzt, macht mich dir eigen. und, heimgegeben seiner Würde, Aus deiner innersten Mitte leb’ ich. wird neu der Tempel der Andacht Hüter. Das größte deiner Werke steht dort getürmt. Wenn ich, in Ehrfurcht bebend, dir mitternachts Der nur erahnte Atem aus Gottes Mund die Tasten leis berühre, o, dulde mich, wird holder Klang den tauben Menschen, vergönn’ es mir, du heilig-große waltet die kundige Hand des Werkes. Orgel im Raume der Volkheit : îSprache! ] Friedrich Ernst Peters n 't B UC H ZUR NAC H PT t Nun schließ das Herz den Sorgen. Und bis der Schlaf gekommen, . Vertrau dem neuen Morgen. Laß dir zum Frieden frommen, Nun wiill ihr Recht die Nacht. Was gute Geister vorgedacht. Paul Brockhaus .» [ Bucher sind Schicksale. Wer schlechte Bücher liest, verr Es wird eine Zeit kommen, da wird man Geschichten ,,von dirbt sich von vornherein sein Leben; gute Bücher sind wie außen her‘’ schreiben, ich meine Geschichten, in denen wohl treue Freunde, die uns auch vor Unglück nicht bewahren Ähnliches erzählt wird wie heute, aber deren eigentlicher können, aber zu uns stehen und auch das Leid noch mit einem Reiz darin besteht, daß die geschilderten Menschen durch- Schimmer des Glücks verklären. Auch ist Schicksal wohl, sichtig gemacht sind gegen das Mysterium hin. Sie wer- was uns geschickt wird. Dennoch soll der tapfere Mensch den charakterisiert werden mit allem Glauben an ihre Wirk- nicht den Kopf ducken, damit das Schicksal über ihn komme. lichkeit und doch zugleich wie Halluzinationen wirken, sie 1 Suchen soll man sein Schicksal. Wie man einen Menschen werden uns fesseln wie irgendwelche Gegenstände der bis- wählt, damit sie einem helfen, das Leben zu gestalten . so herigen Poesie, aber der Schauder dessen, für den die alte wählt der kluge Mensch auch seine Bücher. Und wählt sich Welt zusammengebrochen ist, wird auch ihrem Bilde mit- damit die Gestalt, die seinem Leben gegeben wird. Denn geteilt sein, so daß sie im selben ergötren und ein tiefes r dies und nichts anderes ist jedes Dichters Absicht, bewußt unheimliches Wundern erregen 1906 i oder unbewußt, aus dem wirren Vielerlei des Lebens eine Christian Morgenstern 1 Etz tazhtrit, zus der vnssbeuten Obertälie sc. Gsttaiw: . Ñ ' 'VeGcssezths Auswahl zu schaffen, daß heißt: das Leben zu Ohe: fegen Fz]tn uche us dsr reich: és U9rer ) ä gestalten. Und jeder Leser, der mit Herz und Sinnen liest, tich zuweilen von Soc’ 2U Secle grülien., dann irt zuckt LH L tut wiederum nichts anderes, als daß er dem Dichter nach- schwierigsten Falle vieles in. Or. dun. gestaltet, was dieser vorgeformt hat, und so auch seines . Lebens Form und Gestalt findet. Das heißt: Aus einem Christian Morgenstern Überwältigten ein Überwältiger wird. Das heißt: ein Herr ö wird seines Lebens und damit so glücklich, wie er im trüben Es geht den Büchern wie den Jungfrauen. Gerade die Nebel dieses Daseins nur werden kann. Orto Anthes tt. e. vrdtez icih.r g z Zuuerren irres. dem Dunkel Jer Verborgenheit an das Licht eines schönen t. 1,1: q T Wirkungskreises zicehr- Ludwig Feuerbach Es kommt für den wirklichen Menschen die Zeit, wo er in den Werken der Autoren nicht mehr die Kunst, das RA TS EL Ästhetische sucht, um sich selber Ruhe zu schaffen im Sturm . : ä N des Lebens, sondern die Fingerzeige, wie jene sich in dem Es hat der Blätter viel und ist kein Strauch, kein Baum, großen Kampfe zurechtgefunden haben. Wilhelm Raabe Y:: Uhr Zcieten viel. viel msn. zj 1e Euuu, In Freiheit nur gedeiht's "und ist doch meist gebunden. Erzählt Geschichten dir und ist doch gänzlich stumm, Bücher fressen und nicht kauen, macht ungesund. Wer seine Sprache lernt, wird klug und bleibt nicht dumm. Das buch ist mir lip, er sey ryter oder knechrt, wer mir's stihlt ist ein dip; so ist her an den galgen Lerechrt.
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