Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

Uber den Bernstein und leine kunstgewerbliche Bearbeitung in Lübeck Der Bernstein ist eines der ältesten, einst über bestraft. ~ Die Bernsteinmeister wiederum sandter uropa hinaus verbreiteten und ein dennoch nahezu jhhre kostbare Ware an die Ordens-Großschäfferei jr in Vergessenheit geratenes Schmuck- und Kunst- K önigsberg weiter. Ferner lieferten die Stadt Danzjo gewerbematerial, das im Mittelalter wegen seiner und der Bischof von Samland in großen Mengen hönheit und seines im Verhältnis zu anderem HBernstein nach Königsberg, von wo aus die Ver hmuck niedrigen Preises sehr beliebt war und damals frachtung an die Abnehmer erfolgte, und zwar u. a eines der wichtigsten Handels- und Ausfuhrobjekte Sogar nach Rußland. Armenien, Polen und auch Nord ommerns und Ostpreußens – und damit Deutsch- italien. Der Bernsteinverkauf bewährte sich. für den ands überhaupt — darstellte. Mit dem Ende dess) Orden als eine reiche Geldquelle, und die Groß 8. Jahrhunderts kam Bernstein dann völlig aus schäfferei achtete deshalb auf restlose Erfassung alle der Mode, und heute findet man kunstgewerblichen Funde. Um wirklich die Gewähr zu haben, daß aller Bernsteinschmuck nur noch selten, abgesehen von Bernstein durch ihre Hand ging, verbot die Groß fabrikmäßig hergestellter Ware, die meist nicht gerade schäfferei den Bernsteinarbeitern, sich im Ordens geschmackvoll ist und zudem aft aus Ersatzstoffen gebiet niederzulassen. Lediglich für den eigenen Be oder Preßbernstein hergestellt wird. – Da im wirt darf lieb der Orden einen Bernsteindreher in schaftlichen Leben Lübecks im Mittelalter der Bern- Königsberg arbeiten. Bernstein war bei der Lieferung stein eine wichtige Rolle spielte, scheint es mir ger ins Ausland eines der höchstverzollten Güter. Jedoch echtfertigt, einmal ganz kurz auf seine Bedeutung. waren die Hauptabnehmer die Bernsteindreherämte chichte und Verarbeitungsweise einzugehen, zumal) in Brügge + das, obwohl es Bernstein auch an der a leider verhältnismäßig wenig Schrifttum dar niederländischen Küste gibt, ihn vom Deutschen Orden iber existiert. Ich will dabei ganz besonders Bern- bezog , in Stolp, Kolberg und vor allem in Lübeck inhandel und -gewerbe in Lübeck berücksichn Mit dem Niedergang des Ordens bildete sich um I480 igen. auch in dem dem Orden gehörigen Danzig, trotz des Nach neueren Forschungsergebnissen hat sich der” Verbotes der Großschäfferei, eine Bernsteindreher Bernstein aus dem Harz und Holz des Bernstein- nf, die später große Bedeutung gewann. + Iy baumes, einer Tertiär-Kiefer, auf dem heute von der Lübeck bestand das Bernsteindreheramt um 1400 ays südöstlichen Ostsee bedeckten tertiären Festlande ger setwa 40 Meistern, einer unwahrscheinlich hohen Zahl bildet. Der wichtigste Bernsteinfundort ist die Küstel an der man die damalige Bedeutung dieses Gewerbes Ostpommerns und vor allem Samlands, wo er in der jsermessen kann. sogenannten „„Blauen Erde‘ nahe unter dem Meeres- Die Bernsteindreherämter kauften gemeinsam ein spiegel lagert. Der Sturm wühlt die Oberfläche der und verteilten das Material an die Meister, die dann Blauen Erde, einer körnigen, bläulich gefärbten, die Verarbeitung zum Schmuckstück übernahmen bis zu 7 m mächtigen Erdschicht der unteroligozäznen] Nach den Bestimmungen der Amtsrolle durfte kein laukonitformation (Tertiär). auf und schwemmt den Zunftmitglied selbständig und für den eigenen Bedart gewichtsmäßig ziemlich leichten Bernstein an den Rohbernstein einkaufen, wie auch der Absatz kollektiv Strand. Man kann ihn dort auflesen und mit Netzen! durch die Zunft erfolgte. Leider läßt sich dadurch fischen. ~ Auch an der afrikanischen Mittelmeerküste auch bei künstlerisch wertvolleren Arbeiten Lübecker sowie an der Atlantikküste in Portugal, Frankreichh Bernsteindreher meist der Künstler nicht mehr e und in den Niederlanden und in Nordfriesland gibt mitteln: es Bernstein, jedoch war er für diese Länder wirt- Bis zur Reformation wurden in erster Linie Rosen schaftlich und kulturgeschichtlich von geringerer Ber kränze hergestellt, weshalb man in Lübeck die Bern deutung. Allerdings bezogen die Lübecker Bernstein steindreher auch ,Paternostermacher“ nannte. Die dreher im 16. und 17. Jahrhundert hin und wieder Rosenkränze wurden in alle Teile Deutschlands und auch aus Nordfriesland Bernstein. uropas und in großen Mengen wieder an den De Schon den Menschen der Steinzeit war der Bernstein schen Orden verkauft. Die Bearbeitung erfolgte in bekannt, wurde dann besonders in der Bronzezeit als) diesem Falle durch Zersägen der großen unkörmigen Schmuck und zur Verzierung metallenen Schmuckes| Bernsteinstücke zu langen Stäben, die dann zer- verwendet und begann sich schon damals als Handels kleinert und zu Perlen gedrechselt wurden. Die nd Tauschobjekt die Welt zu erobern. Die Griechen Reformation brachte zunächst eine Absatzkrise für kannten ihn als „Elektron“, und den Arabern und Rosenkränze und damit überhaupt für die Bernstein. Persern war der Bernsteinschmuck schon damals industrie. Dann kamen andere Schmuck- und Ge keineswegs unbekannt. – Über die Bearbeitungs-| brauchsgegenstände hinzu, wie Perlenketten, Medaillen methoden dieser Zeit läßt sich natürlich nichts Ges Ebgeräte, Teller, Schalen, Amulette und schließlich naueres feststellen. – Ganz besondere Bedeutung ger sogar Pfeifenmundstücke, Dosen, Leuchter, kleine wann der Bernstein dann nach der Eroberung der! Laden u. dgl., wie man sie heute noch im Lübecke Hauptfundgebiete Samland und Hinterpommern durch] St.- Annen-Museum, in der Stockholmer Schatz den Deutschen Orden um 1260. Der Orden erkannte kammersammlung und vereinzelt in vielen anderen seinen großen Wert als Handelsobjekt und sicherte Museen sehen kann. — Als neue Bearbeitungsmethode sich die alleinige Bernsteingewinnung als Regal. Der! führte in Lübeck um die Mitte des 17. Jahrhunderts Bernstein durfte nur im Auftrage des Ordens von den] fein Bernsteindreher + angeblich Berend Turauw ischern der preußischen und samländischen Küste! das Schleifen ein. –~ Die Lübecker waren verständ gesammelt werden und mußte an vom Orden beamtete licherweise ängstlich darauf bedacht, ,ihre‘“ Kuns „Bernsteinmeister“ abgeliefert werden, und zwar gegen nicht über die Mauern der Stadt hinausdringen eine äußerst dürftige Bezahlung. Unbefugtes Sammeln] I]assen und verboten es den Lübecker Bernstein nnd Besitzen unhearbeiteten Bernsteins wurden harte drehern. außerhalb der Stadt ihr Gewerbe auszuüben INN
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