Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

mabenzunftgerecht bei,, geöfkfneterLade‘“ würdig dureh- den Grundstock für eine gediegene Bücherei in einem geführt werden ? Es fehlt dazu an passendem Platz. oben näher beschriebenen ,„Fischeramtshaus“ (Mu- Das alte Schlutuper Fischerhaus, wie ich es in dem seumsbau) an. Diese Bücherei sollte alle Literatur für Buch , Schlutup“ vor nahezu einem halben Jahr- Vischerei, Fischereirecht, Fischarten, Fangarten, Be- hundert beschrieben habe, stirbt immer mehr aus. handlung, Fischindustrie, Fischereiwesen (grundsätz- Noch aber sind einige typische Fischerhäuser in lich), Konservierung, Fanggründe, Wasserverhält- Schlutup vorhanden. Wenigstens eines von ihnen nisse, Auswirkung der Flußverschmutzung, Lebens- mülte im alten Stil wieder hergerichtet, erhalten und verhältnisse der Fischarten usw. umfassen. Mein im Geist des alten „Schlutuper Fischeramts“ verwendet Angebot war an die Errichtung eines ,„Fischeramts- werden. hauses“ gebunden. Das Hinauswachsen des Fischereigewerbes zu einer Auf der Diele des ,Fischeramtshauses“ oder in weithin beachtlichen Fischindustrie sollte in einem einem „„Sonderbau‘‘ sollte neben dem alten Dorfkern dem künftigen Fischeramtshaus benachbarten, eben- und seinem heutigen Ausmaß u. a. eine bildliche Dar- falls würdig zu restaurierenden alten Fischerhause stellung der Fischfangzüge in der Trave sowie an der Veranlassung geben, den Übergang vom Fischerei Lübecker Bucht großflächig in neuzeitlicher Art gewerbe zur Fischindustrie für alle Zeiten m Zeug- ([an der Wand ?) angebracht werden. Die für Schlutup nissen festzuhalten und auch das Nebengewerbe des allein in Betracht kommenden Fischzugstellen usw. Netzestrickens, des Handels, der Nebenindustrie usw. hahe ich zusammen mit den Schlutuper Flurnamen in zur Erscheinung bringen. Die moderne Fischindustrie meinem Buch ,,Schlutup“ angegeben und erklärt. sollte in all ihren Zweigen mindestens in Beispielan- Die übrigen Fischzugnamen der Trave hat Rat Linde lagen zur Darstellung gebracht werden. Darüber später besonders veröffentlicht. Die Namen der hinaus gäbe es auch Gelegenheit, die Auswirkung der Fischzüge an der Lübecker Bueht wären noch zu modernen Fischindustrie mit ihren Nebenindustrien ermitteln. Auf diese Weise würde nicht nur für die (chemische Fabrik, Fischkistenfabrik, Dosenfabri- Fischerei, sondern auch für die gesamte Heimatkunde kation, Essigfabrik, Ol. Salz usw.) gediegen darzu- ein Anschauungsbeispiel von unschätzbarem Wert – stellen, und das Anwachsen der industriellen Erzeu- auch für die Schulen + geschaffen werden können. gung, den Absatzbereich usw., den Personalbestand, Im Anschluß an die zu errichtende Bücherei des die Größe der Gesamtanlagen usw. aufzuzeigen in ,Fischeramtshauses‘“ könnten und sollten auch häufi- graphischen Darstellungen und Nachbildungen. ger Vorträge aller Art aus dem Gebiet der Fischerei, Die Schlutuper Fischer und Fischerfrauen haben der Fischindustrie, des Nebengewerbes usw., aber bis in das 20. Jahrhundert hinein eine eigene Tracht auch der Heimat- und Volkskunde veranstaltet wer- gehabt. Früher schon war es mir gelungen, die Kopf- den. Hier wäre schließlich auch der Ort, um in Vor- tracht der Fischerfrauen neu zu beleben, eine Werk- trägen und Beratungen Einfluß zu gewinnen auf den statt zur Anfertigung von den alten, eigenartig festen Vischereivorort „„ Schlutup“’, auf seinen Ausbau, auf die Strohgeflechthüten der Schlutuper Fischerfrauen zu Gestaltung des Travelautes, der Fischgründe, auch auf veranlassen usw. Auf die Dauer hat das keinen Er- dieReinheit und die biologische Entwicklung des Trave- folg gehabt. Der Schlutuper Fischerverein sollte es als wassers, auf Beseitigung von Schäden und Ausglei- seine Aufgabe ansehen, diese Trachten (auch Sommer- chung vonFehlentwicklungen, nichtzuletztaberschließ- und Wintertracht der Fischer usw.) neu zu beleben. lich aufdie gesamte kulturelle Entwicklung in Schlutup. Sollten solche Bestrebungen endgültig als gescheitert Sehen wir neben alten und schlecht umgebauten angesehen werden müssen, so wäre das obengenannte Vischerhäusern jetzt nicht oft neue Häuser, die sich restaurierte alte Vischeramtshaus noch in besonderem zu keiner Harmonie zusammenfügen wollen ? Maße als Museum auszustatten, in dem alle bemer- In guter, vorbildlicher Form gilt es also, das vor- kenswerten Gegenstände und Nachbildungen unter- geschlagene ,. Fischeramtshaus“ und das „Haus der zubringen wären. Vischindustrie‘“ nicht allein zu errichten, sondern Der Begriff Museum darf aber nicht als ein Begriff auch durch einen ,„Sonderbau‘’ für neue Zwecke zu des „Toten“ angesehen werden, sondern es soll zur verbinden. Dieser ,„Sonderbau‘’ kann und soll in gleich eine Stätte werden, aus der heraus neues Leben hester Weise durch den vorgetragenen Gedanken die hervorquellen muß, zum Segen Schlutups und Lübecks. passende Atmosphäre schaffen und zugleich helfen, Viele alte Gebräuche müssen neu belebt werden. die geldlichen Mittel für die Erhaltung und den ge- Die Bindung an das gute Alte kann gerade in unserer sunden Ausbau des ganzen Unternehmens sicherzu- Zeit der Wirrnis uns allen menschlich zum Segen stellen. Dieser „Sonderbau“ kann die „Lade“, die werden. Ohne feste Bindungen besteht die Gefahr des Fahnen, Embleme und Zinngeräte des Schlutuper Absinkens vieler Werte, deren wir uns bis heute noch Vischervereins in sicherer Weise und doch wirkungs- erfreuen durften. voll zur Geltung bringen, die Bücherei mit Lese- Wichtig ist auch eine Darlegung und Belebung der gelegenheit, Vortragspult und Bildwand aufnehmen Bindungen zwischen dem Fischervolk und der Orts- und auch der Fischindustrie Gelegenheit geben, Doku- kirche. Soweit Feiern oder feierliche Veranstaltungen mente ihres Werdens und Wachsens herauszustellen. nicht im alten „Fischeramtshaus“ – dem ,lebendi- Alles was in anderer Weise nicht gut untergebracht gen“ Museum ~ stattfinden können, wären sie in den werden kann, soll hier praktisch seinen ,, guten“ Raum der alten Ortskirche zu verlegen. In früheren Platz finden. Ein oder zwei Wärter sollen im , Fischer- Jahrhunderten wurden derartige Veranstaltungen amtshaus“ und im , Haus der Fischindustrie“’ ihre immer in die Kirche gelegt. Wohnung haben, so daß auch für den „Sonderbau Als Nachkomme eines Schlutuper Fischer-Alter- eingeschossig mit Heizung und Glasdach + die not- mannes (Ollermann Jochim Westphal, 6. März 1826 wendige Sicherheit gegeben ist. bis 1. Mai 1900) bot ich am 19. August 1949, aut der Was soll nun der „Sonderbau“ im Besonderen auf- 50-Jahr-Feier des Schlutuper Fischervereins, diesem nehmen zur Herbeiführung der Fisch-Atmosphäre,
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