Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

künstlerische Gestalt der Möbel wäre manches Grund- methoden der Lübeckischen Staatsverwaltung ein sätzliche zu sagen. Die Verwendung von Schmuck, der und machte sich dadurch besonders verdient. - nicht aus der Zweckform entwickelt ist, wirkt immer Die Zeit seiner Tätigkeit als Lübecker Ratsherr und leicht romantisierend. Bei dem Schreibtisch dagegen, Bürgermeister fiel in die Epoche der Französischen der zugleich als Zeichentisch dienen soll, sah man, wie Revolution und ihrer Nachwirkungen in Deutschland auch der Gedanke des Zweckes überspannt werden bis zu. den Freiheitskriegen, und die Anforderungen kann. an die führenden Männer des Lübeckischen Staates Ausgezeichnete Buchbinderarbeiten hatten Wilhelm waren darum besonders grol) + es galt, die revolutio- Timmermann und Jürgen Groth ausgestellt. nären Bestrebungen des Volkes in eine gemäßigte Die Kunsthandwerker hatten auf ihrer Verkaufs-. Bahn zu lenken, wirklich Veraltetes zu verbessern oder messe im Laufe einer Woche an tausend Besucher, [' beseitigen und die bewährten Traditionen xu. o: ein Zeichen dafür, welcher Anteilnahme sie sich wirk- alten. — Ende 1806 wurde Lübeck von den im Rück- : ): te rr! vu. hineingezogen, und im November 1806 wechselte § nach einem Gefecht am Burgtor die Besatzung: Johann Matthäus Tesdorpt Lübeck wurde französisch besetzt. Erst Ende 1810 § S.: ; r ie endgültige Einverleibung Lü s j Am 50. November 1949 jührts sieh xum 200 Ms! I s ! Ge rst er Lwszeihuns g ir 955 der Geburtstag des Bürgermeisters Johann Matthäus kritischen Jahren - regierender Bürgermeister und Mesdorpt, eines der bedeutendsten Persönlichkeiten svurde nach dEr esrerenu n ueger der Stadt der politischen und geistigen Geschichte Lübecks Lübeck. Das besondere Uns dcr gung 6ljäh. um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts. z rigen Tesdorpf war es, dal er mit bewundernswürdi- Tesdorpf wurde am 30. November 1749 in Lübeck gem diplomatischem Geschick die wirtschaftlichen geboren-alselfktes Kind des Weinhändlers Johann Hin- Interessen Lübecks – die Hansestadt befand sich rich Tesdorpf und Enkel des Bürgermeisters Peter Hin- dureh dasz völlige Lahmliegen des Handels mit den rich Tesdorpt, dessen Geburtstag im November vorigen Ostseeländern und dem deutschen Hinterland in Jahres zum 300. Male wiederkehrte. . Nach Beendi- gciner schweren finanziellen und wirtschaftlichen Krise gung seiner juristischen Studienzeit in Göttingee — hei der französischen Verwaltung zu vertreten kehrte er, nach Promotion zum Lizenziaten der Rechte, wulite, ohne dabei die Würde von Senat und Bürger- 1773 nach Lübeck zurück, um einer Berufung des g«chatt preiszugeben. – Rin schwerer Schicksalsschlag, Lübecker Senats Volge zu leisten, und übernahm das der Tod seiner Frau, die im Mai 1811 verhältnismäßig Amt des Senatssekretärs, das durch den Tod Hermann jung starb, veranlaßte ihn zur Niederlegung seines Richard Krohns verwaist war. Erst fast zwanzig Maireamtes. Erst nach dem Abzug der napoleonischen Jahre später, 1794, wurde er zum Senator, und nach Truppen im Dezember 1813 übernahm er wieder den weiteren 12 Jahren, 1806, zum Bürgermeister der Posten des regierenden Bürgermeisters und damit die Freien und Hansestadt Lübeck gewählt. Bis zu schwere Aufgabe, die schweren wirtschaftlichen Schä- seinem Tode am 25. Januar 1824 leitete er die Lü- den, die durch die lange Besatzungszeit noch wesent- beckischen Staatsgeschäfte + mit Ausnahme der jich vergrößert worden waren, zu beseitigen. Diese französischen Besetzungszeit — zeitweise als regieren- Aufgabe hat er in den folgenden zehn Jahren mit der Bürgermeister. grolier Umsicht und zäher Ausdauer bewältigt, wobei Tesdorpk war sowohl als Staatsmann als auch in sich die großen staatsmännischen Fähigkeiten Tes- Hinsicht auf das damalige kulturelle Geschehen in dorpfs zeigten. Er wußte den Verwaltungsapparat, Lübeck ein Mann, dessen Andenken wir als Lübecker erheblich zu vereinfachen und ging schließlich mit bewahren und in Ehren halten sollten. Schon als Hülfe des Senatssekretärs Curtius an eine gründliche dreiundzwanzigjähriger Göttinger Student – er Revision der Verfassung heran, die aber scheiterte, stand dem gerade eben gegründeten Hainbund nahe weil die Zeit noch nicht reif für derartige Erneuerun- und war eng befreundet mit Gottfried August Bürger gen war. Über den Rahmen seiner politischen Arbeit — begann er, neben seinen juristischen Studien, sich hinaus war er ein guter Kenner der lateinischen Klassi- auch intensiv mit Geschichte und Staatswissenschaften ker und stand Zeit seines Lebens mit seinen Göttinger zu befassen. Der Göttinger Historiker August Ludwig Freunden vom Hainbund, besonders Bürger, in Ver- von Schlözer, mit dem er auch in engem persönlichem bindung. Als Bürgermeister war er ein verständnis- Verkehr stand, beeinflußte ihn dabei mit seiner fort- voller Protektor der geistigen Bestrebungen seiner schrittlich-rekormerischen Auffassung von Staats- Vaterstadt. Im Oktober 1823 ernannte ihn anläßlich geschichte und -verkassung, und dieser Einfluß kenn- des 50jährigen Jubiläums seiner Tätigkeit im Dienste zeichnete Tesdorpts ganze politische Tätigkeit als des Lübeckischen Staates die Göttinger Universität Lübeckischer Staatsmann. zum ERhrendoktor der Rechte, und der Lübecker Die Zeit seiner Arbeit als Senatssekretär war, jeden- Senat stiftete eine Gedenkmünze mit dem Bildnis des falls anfangs, eine Zeit weiterer umfangreicher Studien, grolen Bürgermeisters, anläßlich der Jubiläumsfeier, die er auf Urlaubs- und dienstlichen Reisen beim die in seinem Hause, dem jetzigen Behnhaus, stattfand, Reichskammergerieht in Wetzlar, in Wien, Regens- wurde auch die Marmorbüste Tesdorpks von Schadow burg und Frankfurt vornahm, und auf denen er be- enthüllt. Sie wurde später in der Tesdorptschen deutende Persönlichkeiten des damaligen deutschen Kapelle .in St. Marien aufgestellt und fiel dem Bom- Geisteslebens kennenternte, u. a. auch Goethe, den er benangriff von 1942 zum Opler. G 1774 in Frankfurt besuchte, und Klopstock. – Später Tesdorpt starb am 25. Januar 1824. Sein Tod setzte er sich als Senatssekretär für die Beseitigung der wurde — nicht nur in Lüheck tief betravert. teilweise recht schwerfälligen und verstaubten Arbeits- Michael Havemann 14]
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.