Full text: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

war ein zweites Licht neben dem ersten vor ihm. In den Ruf: „„Ich bin das Licht der Welt! Wer mir nach- .llem Sturm und Schneetreiben zogen im Nunkel die folgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern beiden Lichter vor ihm her. Und er folgte und stapfte wird das Lieht des Lebens haben.“ Das Licht war lurch die Tiefe der winterlichen Nacht. mehr in ihnen selber als außerhalb, und doch war es Weiter wütete der Sturm, und tiefer drang der ihr Richtpunkt auf dem Wege. Sie hatten dieses Schnee durch die Kleider. Die Kälte erfaßte den Mort schon einmal gehört, aber gewil) kaum aufgenom- Körper, und die Verlorenheit und Einsamkeit drangen men. Jetzt, inmitten der Finsternis, war es den irren- erneut in ihn. Ja, der Weg war nicht bequem. Aber den Wanderern die Frohbotschakt der Weihnacht und war er vielleicht gerade deshalb der richtige: Und das Band zu allen liebenden und einsamen Manderern wieder wurde das Sinnen und Zweiteln unterbrochen in der Welt. Jetzt wußten sie, daß sie einen Zielpunkt Jurch einen Engel, der dem Wanderer entgegentrat hatten, daß Glaube, Hoffnung und Liebe nicht irgend- und zu ihm sagte: „„Ich bin die Liebe! So du Glauben welche Gefühle, auch nicht irgendwelche Forderungen hast und dich an der Hoffnung hältst, aber mich nicht oder Parolen‘ waren, sondern daß sie uns auf einen hast. wirst du dennoch müde und strauchelst. Halte Weg ziehen. Einen Weg der Nachfolge, der dureh die Jich fest an mir und übe selbst mit anderen, was du Finsternis hindurchgeht, aber um das Ziel der wahren von mir hast an Kraft der Liebe. Jeden, der dir be- Heimkehr weiß! Das Licht kam aus der Zukunkt, Es Ut bs. tr Ul E h hc nt d rut zzt. c.! begegnen. Sie sind die nächsten, die du lieben sollst. erschließendes Lieht.“ Gib dich ihnen hin, hilf ihnen, nicht mit leeren Worten, Dies etwa die Worte des Sprechers. ~ sondern indem ihr mit-teilend den Weg gemeinsam Das alte Lied „„O du fröhliche, o du selige, gnaden- wandert. So dir die Liebe schwer wird, ja dieh hringende Weihnachtszeit“ wurde angestimmt. Unsere schmerzt und dir ein rechtes Opter ist, gerade dann Stimmen waren nicht kräftig; die „Fröhlichkeit“ saß ist sie echtes liebendes Tragen und wirkt Freiheit. gu tief, um laut sein zu können. Eine Fröhlichkeit auf Wandere nie allein, wandere mit deinem Nächsten. dem Grunde tiefer Kinsamkeit und Traurigkeit. Ihr seid beide und alle arm und in Not, seid alle ein- Wir saßen und lagen still auf den Pritschen, wir sam und in der Welt vorlorsn, darum gehört ihr in gjachten in die Ferne jenseits der hohen trennenden [iebe zusammen und müßt unserm Licht nachfolgen! Mauer des Hasses. Wir. dachten an unsern Wes Der Engel verschwand, und wieder blieb sein Licht Jorthin und umschlossen das Lieht das uns zu führen furück. Nun yaren os dre: strahlende und glänzende versprach. Mit Geschenken konnten wir uns den Punkte, die vor d em anderer herzogen. . Und bald ä4hend nicht bereichern. Aber vielleicht auch wäre scamen aus dem nächtlich verschneiten Dickicht andere jjese Bereicherung eine Verarmung gewesen Rück- Einsarve herbei, die hatten die gleichen Stimmen ge- g«¿chauend empfindet man jenes “z Weihnachten hört; die gleichen Lichter gesehen und vereinten im hinterm Stacheldraht als das letztlich doch echteste, Nach-folgen ihre Megs. Hieso sher waren weiter yeil es inmitten der Finsternis in einem armen Stall mühsam und uneben, und auch die Lichter vermochten die Gleichzeitigkeit des Geschehens uns aufgehen nicht, die Welt umher zu erhellen. Ihre Strahlen so hier hieß, weil kein äußerer Glanz, kein Festbetrieb, keine nen ins Herz und erleuchteten es. Noch viele Stürme hGeschenkkonvention und -inflation vom Eigentliehen komen. und es wollte und wollte nicht Tag werden. g„hzogen. Die Frohbotschaft war trotz aller märchen- Wie lange aber der I eg schon dauerte — das wußten haften Formgebung nicht Betrachtung, sondern wirk- und merkten sie nicht. :: 5 L lieh ein Lieht für den Weg in die Heimat und es wird Es geschah nichts W elterschütterndes, kein Paradies gen letztlich doch heimatlos Heimgekehrten arch zffnete sich vor ihnen, die Welt blieb dunkel und kalt. pjeih § Und dennoch gesch ah plötzlich eta; Vnerhörtes: Die Lu "Prangolis es Weihnacht, Kirche und Welt drei Lichter vereinten sich zu einem emzigen, hell- hunter der Botschaft des Christentums, 6. Volge. Im Furche- erstrahlend. und dazu hörten alle von irgendwoher Verlag, Tübingen) Stellt das Licht höher Von Friedrich Griese Das Erlebnis jenes Abends liegt fast ein Menschen- einem solchen Abend, hinter einem der Kinderbücher alter zurück; ich weiß aber noch sehr gut, wie es da- jener Zeit und las sich laut vor. während ich versuchte, mals war. Es handelt sich um eins jener Erlebnisse, ihm zuzuhören. die mir später die Gewißheit gegeben haben, daß man Vielleicht hatten wir an dem Tage etwas gehört, ¿chon im frühen Kindesalter alles Wichtige und was uns bis dahin unbekannt geblieben und also vor- (Große und Bleibende aufnimmt, und daß alles, was das läufig von uns vergessen worden war, nun durch das Leben weiter an Erfahrungen hinzufügt, nur eine Ab- Buch wieder in Erinnerung gebracht wurde; jedenfalls wandlung und ein Beweis des Erlebten ist. hielt mein Bruder mit seinem Vorlesen inne und sah Ich war an diesem Abend vorwinterlicher Jahreszeit mich an, und weil er sich dann in der Stube umsah, mit meinem um wenige Jahre älteren Bruder allein tat aueh ich es. Wir dachten das gleiche. in der Stube, und beide waren wir noch in dem Alter, Das Licht auf dem Tisch war nur klein. Den Raum daß uns gruselige Gedanken bis dahin nicht hatten um uns herum kannten wir ja, aber nun wurde er uns plagen brauchen. Die Eltern schlossen ihr Tagewerk fremd. Es war so eng um uns, die Decke hing viel damit ab, daß sie die letzten Arbeiten in Scheune und niedriger als sonst auf uns herunter, die Tür zur Stall verrichteten: mein Bruder saß. wie jedesmal an Küche stand schwer und ungewmiß in ihrem Rahmen, | Z32
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