Volltext: Lübeckische Blätter. 1949-50 (85/86)

Vertretern seines Wortes auf Erden für ihr tapferes in der Philosophie herrscht Auflösung oder zuming Ausharren im Kampfe gegen modernes Götzentum. Abkehr von den alten Formen, ja auf manchen Und jetzt, meine Damen und Herren, geschah ein bieten mensehlichen Schaffens und Denkens, yt Wunder, nichts weniger als das ist es wenigstens in Ratlosigkeit. _ meinen Augen: In den Jahren der Hitlerherrschaft Nach einem Ausweg aus dieser Wirrnis suchen hatten protestantische und katholische Priester zur fragen wir uns doch einmal sehlieht: Zu wele gz! sammengestanden in ihrem Widerstand gegen den Zwecke leben wir ? Was unterscheidet uns vom Tier Staatsterror –~ hier in Lübeck wurden wie auch „Mensch sein heißt Verantwortung trage, anderswo, Sie wissen es alle, katholische und proter sich schämen beim Anblick einer Not, zu tasntische Pfarrer als Gegner des Regimes hingerichtet wenn man offenbar keine Mitsehuld an jh , diese furchtbaren Erfahrungen, dies gemeinsame hat, seinen Stein beitragen im Bewußtsej, Kämpfen zeigte immer deutlicher, worum es ging:. am Bau der Welt mitzuwirken“, so sagt Ie Nämlich nicht mehr um Protestantismus und Katho- Flieger-Dichter Saint Exupéry. Mitwirken am Ba lizismus, sondern um die Grundlage unserer Zivil: der Welt, auch wenn wir nicht wissen wie der Bz, sation, ums Ohristentum! Der jahrhundertealte aussehen wird, aber wirken, arbeiten! Hören ' Kampk zwischen Luther und Papst, der sich gerade nicht dabei ganz in der Ferne das Mort unser, auf unserem deutschen Boden in so verheerender Unsterblichen: „„Wer immer strebend sich bemüht Weise ausgetobt hatte und der nie aufhören wollte, den können wir erlösen ?“’ Und noch eins: Sind y; er war ganz plötzlich beendet! Wollen wir doch, nicht seelisch reicher geworden, gerade urek. q] meine Damen und Herren, für dies Faktum dankbar das Grauen, durch das wir gegangen sind, ist nich sein, und wollen wir doch, jeder an seiner Stelle, unser Menschentum nach der Tiefe ausgeweitet alles dazu tun, daß er nie wieder aufflamme! Ich tiefer als bei den Generationen vor uns, die eine g, kann verstehen, daß gerade in unserer Vaterstadt, ruhige, satte Existenz führen konnten, wo sich ei die noch vor wenigen Jahren eine überwältigend Tag abhaspelte wie der eben vergangene, gewiß nich protestantische Bevölkerung hatte, manch einer sich frei von immer wieder in Erscheinung tretendem Ay befremdet fühlt, wenn er étwa, wie es ja in diesem und Ab, von Not und Sorge des Menschenleb § Jahre geschehen ist und wie es zweifellos sich jetzt aber doch weit, weit entfernt von seelischen ur öfters wiederholen wird, wenn er, sage ich, an einem körperlichen Qualen, wie sie in unserer Zeit zum gf besonderen Festtag eine feierliche Prozession dureh täglichen Erlebnis von Millionen gehörten und noch unsere Straßen ziehen, oder ein Hochamt auf dem gehören. Nur der ist empfänglich für. höchste, Markte zelebrieren sieht. Nun, – ist. es nicht vor Glück, der auch tiefstes Leid erfahren ha. einigen Hundert Jahren, vor dem Übertritt unserer Mitwirken, Helfen! Wann in unserer ganzey Vorväter zum lutherischen Glauben, auch so ge- Geschichte war wohl das Helfen nötiger, war es s. wesen, und sind die Menschen, die gläubigen Herzens glückender, als gerade in diesen Jahren!? Dey an solchen Gottesdienst teilnahmen, die unsere herr- Andern, dem Nächsten helfen, nicht nur für sic lichen Dome gebaut haben, schlechtere Christen selhst und die Seinen, nein, für den , G emeiney gewesen als wir? Wie froh und dankbar wollen wir Nutz“ arbeiten. Stolz nennen wir uns „Gemeinnützigg sein, daß hüben wie drüben man sich darauf be- Gesellschaft“. Meine Damen und Herren, wir ver. besonnen hat, endlich besonnen hat, das Christen- dienen diesen Namen nur, wenn wir trotz unserer tum über Konfession steht. Wie schön, daß etwa 160 Jahre, heute und in Zukunkt jung sind wie J die Katharinenkirche, ihrer alten frommen Bestimmung ersten Tage, wenn wir, jeder von uns, unser Steinchen wieder zugeführt, nun für Gottesdienste beider beitragen, um seelische und körperliche Not zu lindern Richtungen offensteht, wie schön, daß in der großen wo nur immer wir können. Wenn wir mit diesem Partei der CDV Katholiken und Protestanten sich Wollen unseren Geburtstag, unser Stiftungsfest keiern, auch in politischen Fragen gefunden haben. All das dann wird es uns am Segen von Oben nicht fehlen! j sind unbestreitbar positive Zeichen der Zeit, die Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, mei nur augenblicklich noeh nicht überall in ihrer Ausführungen schließen mit denselben Morten, die vollen Bedeutung erkannt werden, weil wirtschaftliche vor 160 Jahren im Kreise unserer Gesellschaft vo Sorgen und Nöte im Vordergrund des öffentlichen dem Domsyndikus Adolf Friedrich Overbecl vor- Interesses stehen. getragen wurden: Wenn ich vorher von einer seelischen, einer geistigen ,„Vurehtbar woget der Zeiten Strom! Krise der Zeit sprach, so ist damit natürlich nicht In ihren Abgrund stürzt die Vergessenheit nur die unseres religiösen Lebens gemeint. Wohin der Tugend Denkmal! Nur sie selbst kann wir blicken, fast auf allen Gebieten der Kunst, ja, über das Schicksal hinaus sich heben.“ Aus dem Jahresbericht der Gelellschaft und ihrer Tochtergelellschaften über das Jahr 1948/49 Auch für unsere Gesellschaft ist das Jahr, über das wendungen der Spar- und Anleihe-Kasse waren schon hier berichtet werden soll, ein Jahr der Krisis gewesen. seit 1945 eingestellt worden, so daß sich die Gesell- Die Währungsreform ließ uns nur einen ganz ber- schaft auf die dringendsten Aufgaben beschränkt sah. scheidenen Teil unseres Vermögens, und die Zu- So mußten die Zuschüsse an die Tochktergesellschaften 104
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.