Full text: Lübeckische Blätter. 1942-44 (84/85)

( aus nach sem Gesset der Polarität, das immer Jnein- in dem die schaffenden Kräfte des geistigen Lebens s anderbildung, d. h. Einstimmung, und zugleich Aus- sprudeln. Und jedes geistig-kulturelle Schöpfertum fi einandersezung, d. h. Widerstreit, der Pole bedeutet. holt sich aus ihm Zielseßzung und Schwungkraft. Aber wichtiger als die Ausgliederung der einzelnen Darum muß auch die Erziehung bei der Vermittlung J Gestaltungsformen ist der Ganzheitsphilosophie ihre der Kulturgüter an den Nachwuchs immer bis zu den d. Eingliederung in die Einheitlichkeit des Lebens und Jdeen des Mythus vorstoßen, in dem alle Kultur- h. damit zugleich in die Ganzheitlichkeit des Mythus. gebiete ihre ganzheitliche Vereinigung finden. Hier u Und sie legt den größten Nachdruck darauf, die grund- liegen die Kräfte, die den objektiven Geist gestalten. n liegende Bedeutung des Mythus für die Kultur ins Hier springt der Sinnauell des geistigen Leben. € hellste Licht zu stellen. Er bleibt der unversiegliche Quell, Döring | I 1 ju Don der Fahrt zur Timmermans-Ehrung in Antwerpen i Donnerstag, 26. Juni 1942. Nach Hause, nach auszusaugen, Brüssel, einst Flanderns stolze, treue s. Flandern! Das bedeutet nicht nur. zu den Eltern, Hauptstadt, jest Zentrum seiner Französisierung, da Geschwistern, Freunden, nicht nur nach der Heimat belgischer Residenzort. | im allgemeinen Sinne, sondern viel, viel mehr! Denn Die Altstadt. Von dem Riesen- Gerichtshof sieht man § Flandern, das Flandern von damals, das Frankreich hinab auf das „Marollen-kwartier“ wo viele Gassen sp zerschlug - nicht weniger als 122 Invasionen Frank- so schmal sind, daß man beide Seiten zu selber Zeit ut reichs hatte Flandern abzuwehren — und das Kunst- anfassen kann und wo die meisten Räume nie Sonne V werke schuf, die jezt noch zeugen von seiner Größe und sehen. Welcher Kontrast mit dem Lädenviertel der ze seinem Stolz, von seinem Freiheits- und Gemeinschafts- Großstadt, seinen langen, breiten Alleen, seinem Luxus § jinn, Flandern ist jeßt ein Sorgenkind der Besten und seiner Verschwendung, wo „Schwarzer Markt“ ! seines Volkes, für dessen Leben und Erhebung sie öffentlich auf den Straßen getrieben wird, und die h! tämpfen und sich opfern. Die Timmermans-Feier belgische Polizei steht daneben .! se in Antwerpen, zu welcher ich zunächst fahre, ist für Auf dem,, Großen Platz‘‘vergißtmandiesenpeinlichen L mich das Wiedersehen mit diesem „kämpfenden geontrast, man sinkt zurück in eine große Vergangenheit, di Flandern“. . abgeschlossen von der übrigen Welt. Der Brüsseler a Das erste Wiedersehen feiere ich mit der flandrischen Markt, von wo nur schmale Straßen ausgehen, ist wie- S Landschaft. Gegen Mittag fahren wir durch das ein großer, großer Saal. se Brabanter Hügelland. Der Verleger Westphal auas Das Rathaus mit seiner Freitreppe und seinen Ar Scharbeuy, mit dem ich seit Köln zusammenreise, kaden spricht von Stolz und Können. Der gotische fl scheint enttäuscht, daß ich nicht überströme von Be- Turm ragt hoch zum Himmel, auf seiner Spitze der N geisterung, nach einem Jahr die Heimat wiederzu- goldene Sankt Michael, der über die Stadt wacht. N erblicken. Er merkt wohl nicht, wie ich mich satttrinke Die Zunfthäuser der Schiffer, der Tischler, der Bäcker, in an dem saftigen Grün der Wiesen, wie Breughel sie der Bogenschütßzen.. . blitzen alle golden in der Sonne. je uns so herrlich gemalt hat, mit den schiefgewachsenen Vor dem Vrothause wurden Egmont und Hoorn, an Bäumen und fetten Kühen, mit den kleinen Dörfern, diese zwei niederländischen Freiheitshelden gegen Spa- T deren Kirchtürme sich in der Ferne gegen den Horizont nien, Kampfgenossen Wilhelm van Oraniens, ent- si abheben ~ denn auch die Brabanter Hügel sind nicht haguptet. He so hoch, daß sie den Blick abschneiden , flaches Land, : c : f 25 weiter Horizont, hoher Himmel bestimmen den Cha- Ich lieb und haß dich, Stadt, 1- rakter von Flanderns Landschaft und den Charakter du meines Blutes Y des flämischen Volkes: Lebensbejahung und Tiefssinn, verlorenste und fernste, at Lebensfreude und Mystik in Einem. dennoch einst aus uns geboren, S' Und wie jeder Ortsname, den die Schnelligkeit des eh die fremde Schminke Zuges kurz zu lesen erlaubt, mir etwas zuflüstert. dein Antlitz zeichnete .. sp Brüssel! Wir haben nur die Zeit umzusteigen (Hans Friedr. Blunck) E' zur Weiterfahrt nach Antwerpen. Aber zwei Tage , J S später werde ich auf dem Brüsseler Markt stehen und Antwerpen ! Man atmet auf! Man fühlt jich fü jeine harmonische, großartige Schönheit auf mich ein zu Hause. Die Stadt ist gastfrei. Daß Antwerpen eine ste ivirken lassen. Und doch ist Brüssel die Zelle von Welt-Hafenstadt ist, drückt seinen Stempel auf alles: Flanderns Entartung. Ich möchte nicht leben in Menschen, Häuser, Straßen. A seiner Beulemans-Atmosphäre. Man muß zu viel auf Zu spät angekommen für den Empfang im Ratha fei seiner Hut sein. Es ist unangenehm, immer wieder und die Eröffnung der Bücherausstellung im Tier darauf bestehen zu müssen, daß man in seiner eigenen garten, wohnen wir als erster Feierlichkeit zu Ehret wr Sprache – Brüssel ist flämischer Grund ~ bedient von Felix Timmermans der Aufführung seines Sing flä wird, um so mehr als man das Beulemans, das spieles Anne-Marie bei. Wenn am Schluß Verfasse! Koeterwaalsch, das gesprochen wird und französisch und Komponist (Veremans) auf die Bühne gerufet H: heißt, versteht. In Brüssel sißt die Spinne, die werden, stehen sie nicht da selbstbewußt und stolz wil Q. ihr Net über ganz Flandern webt, um es auf- und vielgefeierte Künstler, die sie doch sind, doch mal
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