Full text: Lübeckische Blätter. 1941 (83)

2I50 hatte, kam mir gut zu statten: ich wußte mir manchen. scheute mich deshalb gar jehr, meine Ansichten über Richtweg zu erfragen und die billigste Art des Reisens Poesie zu entwickeln und dadurch meine Vorliebe fü zu ermitteln. In Utrecht wurde ich gastlich aufge- das Volkslied zu begründen. Und doch war mei nommen von den dortigen deutschen Studenten. Ich eifrigstes Streben, überall Liebe und Theilnahme fü verweilte einige Tage und fand hier die erste Gelegen- jedes ursprünglich germanische Element, so auch i heit, meinen eigentlichen Zweck zu verfolgen. Ich be- der Poesie unserer verwandten Nachbaren zu erwecken. uchte die Bibliothek und einige namhafte Gelehrte. Durfte ich aber bei einem so vielseitigen Manne wi Leider fiel dieser erste Versuch nicht eben ermuthigend Bilderdijk nichts für diese meine Richtung erwarten, aus. Herr S. sah mich sehr verwundert an, als ich so war das doch mehr der Fall bei jenen ander br! vf metteni Lorichen utsittté struct wer uten. bas Voltslies hatten. ~ rh n unserm Lande eine litterarische Reise (letterkündig suchte hie und da auf das Eigenthümliche und Vor- reis) zu machen.. Da er nun, obschon Professor der treffliche der Volkspoesie aufmerksam zu machen, um- holländischen Litteratur, bald im Laufe des Gespräch onst, niemand gewann eine andere, eine bessere zeigte, daß er vom Altniederländischen gar wenig wußte, Anjsicht: die Einen hielten die octroyierten Lieder de o hatte ich mich über den wunderlichen Empfang bald einflußreichsten Gesellschaft ,Tot nut van’t algemeen getröstet. Schon des andern Tages schritt ich wohl ür Volkslieder, die Anderen verwechselten nach wi gemuth gen Leiden. Hier hoffte ich den Sitz der vor Volkslieder und gemeine Gassenhauer, woran frei olländischen Gelehrsamteit, ein reges vielseitiges wis- lich Holland überreich ist, mit einander. Wenn i enschaftliches Leben und litterarische Hilfsmittel aller ihnen dann deutsche Volkslieder vorsang und ich sa Art zu finden. Und ich hatte mich nicht getäuscht. Ich ie davon ganz entzückt, dann glaubte ich sie gan achte sogleich einige Besuche und wurde jedesmal bekehrt, aber es war nicht so. Eines Tages wurde i auf das Freundlichste aufgenommen. Besonders teil- in einer großen Gesellschasst junger Mädchen ersucht nehmend erwies sich der jüngere Tydeman: durch etwas zu singen, Ich sang deutsche Lieder und alle seine Vermittelung wurde ich bald mit den bedeutenste par erfreut. So wie ich aber das schöne altnieder- Männern der Wissenschaft und den litterarischen An- ländische Lied: Het waren twee coninghekinder, an stalten bekannt. ... Den ganzen Sommer bis i timmte, brach Alles in ein lautes Gelächter aus. J den Spätherbst lebte ich in den angenehmsten Ver- sang nicht weiter, sagte auf holländisch so gut ich ebe ältnissen. Die Bibliothek der Maatschappij van konnte: ich nehme von den schönen Fräulein kein nederlandsche Letterkunde, die der Universität und Rüctksicht für mich in Anspruch, habe aber geglaubt pieler Gelehrten, kurzum, alle litterarischen Schäße daß sie ihr eigenes Vaterland und seine schöner Leidens standen mir zu Gebote und ich suchte meinel poetische Vergangenheit mehr ehren würden. Für da Zeit gut anzuwenden. Wie in wissenschaftlicher so al sang ich nicht mehr. ourde bald in mancher anderer Beziehung mein Wie aber ein Liebhaber oft seine Gedichte nur noch Aufenthalt sehr ersprießlich. Im freundschaftlichsten schöner und trefflicher findet, je mehr ihr Werth vo Verkehre mit den gebildetsten Familien Leidens lernte nderen angefochten und erniedricht wird, so ergin ch die Sprache, die Sitten und Gebräuche des Landes es mir. Mit größerer Liebe beschäftigte ich mich seit ennen und vieles Andere, was sich nicht eben aus dem mit dem niederl. Volksliede, ich durchstöbert Büchern lernen läßt. Sehr interessant war für mich Bibliotheken und Buchläden und machte nche die Bekanntschaft Bilderdik's, damals der gefeiertste hübschen Fund. Dichter Hollands. Er war alt, oft leidend, galt für Ich lebte mich so recht ein in die Sprache und den mürrisch und wunderlich und war wenig zugänglich. Geist des alten Volksliedes, daß die Lust wie vo Ich gehöre jedoch zu den wenigen, die immer freien jelbst kam, ähnliche Lieder zu dichten. Und so gescha utritt zu ihm hatten. Ich konnte mir was darauf zu es; mein erstes Lied war ein Scheidelied, nicht ohn Gute tun, auch schon deshalb, weil ich ein Deutscher" Bezug auf eine liebe Freundin, die ich nun bald ver- par, und er alles Deutsche und alle Deutschen gründlich] lassen und nie wiedersehen sollte. Ich brachte das Lie haßte. Er hatte einst gegen einen seiner Verwandten zu Bilderdijk und fragte ihn, ob es wohl noch de über mich geäußert: Jobschon er ein Mof, ist, so mag 15. Jahrhundert angehöre. Er meinte es könnte woh ich ihn doch wohl leiden.“ Und dies bewies er auch bei noch älter sein! Ich ging ganz befriedigt heim. Bal allen Gelegenheiten, wo wir uns auf dem Felde der barauf entstand ein Zweites. ... Zehn Jahre später alten germanischen Sprachen und Litteraturen be- als ich meine Sammlung haolländischer Volksliede gegneten. Seine Liebe für die altniederl. Poesie erausgeben wollte, fand ich unter meinen Papiere hatte jedoch mehr ihren Grund in der alten Sprache, auch jene beiden Lieder. Ich nahm Jie mit auf, nich insoweit dadurch das jetzige Holländisch aufgeklärt und in der Absicht, damit zu täuschen, sondern nur z bereichert wird. So betrachtete er denn auch die alten zeigen, daß ein Fortdichten im alten Geiste auch noch Volkslieder nur als Sprachdenkmale, Anfänge der miödglich ist; zugleich hegte ich die Hoffnung, daß au ßoesie, poetische Curiositäten, und nur sein Patrio-] andere mir darin nachfolgen würden, um so durch tismus für alles Holl ändische ließ es nicht zu, sich auf Wiederbelebung des Volksliedes eine volksthümlicher diese Weise, darüber gegen mich auszusprechen. Ich und zugleich bessere Richtung in der neuholländische | nahm dies bei verschiedenen Gelegenheiten wahr und Poesie anzubahnen. ... J kann übrigens mcht
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