Full text: Lübeckische Blätter. 1941 (83)

Auffallend ist es, wieviel Künstler dieses Bauern- verschieden. Die Bayern sind sprudelnder als die bei und Hirtenvolk hervorbrachte. Max Förderreuther allem freundlichen Entgegenkommen ernsten Allgäuer, So: zählt in seinem grundlegenden Werke „Die Allgäuer haben einen Zug ins Romantische und beschäftigen sich .! Alpen, Land und Leute“ gegen hundert Namen von gern mit Tanz, Musik und Schauspiel. Von ihnen . A Malern und Bildhauern auf, die aus diesem Gebiete unterscheiden sich die Allgäuer durch ihren mehr Leh stammen. Im Sprengel Pfronten erzählen die Ein- praktischen, realistischen und auf Erwerb gerichteten huse wohner mit Stolz, daß ihre Pfarrkirche fast vollständig Sinn. Sie sind keine Schuhplattler und ähneln den Gei von einheimischen Meistern erbaut und ausgeschmückt Schweizern, denen sie als alemannische Alpenbewohner von ist. Wir erkennen. hierin das Erbteil des geistig hoch- näherstehen, während der Bayer in seinem Wesen kan bedeutenden schwäbischen Stammes. Wie uns Würt- mehr zu den stammverwandten Tirolern neigt. Die u Ka temberg Keppler, Hegel und Schelling, Schiller und Stärke des Bayerntums erkennt man daran, daß es Var andere berühmte Dichter schenkte, so brachte das dem Allgäu seine Tracht, grünbestickte Lederhosen und Ern Allgäu den Landschaftsmaler Joseph Anton Koch, den graue Jacken mit grünen Kragen, aufzudrängen ver- Dir Bildhauer Konrad Eberhard und Johann Schrau- mochte. Doch sind Bestrebungen vorhanden, die alte (Go dolph, Freskenmaler zu König Ludwigs l. Zeit, schwäbische Tracht, den heutigen praktischen Ver- emc hervor. hältnissen angepaßt, weiterzubilden und wieder ein- Durch den Tag von Regensburg wurde die Ent- zuführen. So hat das Allgäu vielleicht gerade deshalb, wicklung des Allgäu von dem schwäbischen Haupt- weil es von dem übrigen Schwaben abgeschnürt war s lande getrennt und an den kraftvollen östlichen Nach- und sich neben dem Bayerntum durchsetzen mußte, sich stät: barsstamm gebunden, der einst durch die Besiedlung seine stammestümliche Eigenkraft bewahrt und durch teil: der Ostmark Unvengleichliches leistete. Aber der unablässige Volkstumsarbeit weiter ausgebildet. tag, Charakter beider Stämme ist noch immer wefsentlich Fr. Krüger “o Senatspräsident a. D. Dr. Grisebach time.. Hiese Eigerseatten befshioten ihn art] Am 4{. April d. J. verstarb in Hamburg im fast präsident ~ am Hanjeatischen Oberlandesgericht er- vollendeten 77. Lebensjahre der Senatspräsident am folgreich zu wirken. Wie hoch man ihn schätte, geht si Oberlandesgericht Dr. h. c. Erich Grisebach. Er war schon daraus hervor, daß er zu Vorlesungen an der jun kein Lübecker im engeren Sinne, hat auch nur etwa Universität Hamburg herangezogen wurde und daß abe ein Jahrzehnt, also während verhältnismäßig kurzer die dortige juristische Fakultät ihm daraufhin ehren- und Zeit, hier gewohnt; aber gerade diese Zeitspanne halber die Würde eines Doktors der Rechte verlieh. Go seines Lebens gibt Veranlassung, in diesen Blättern In einem Nachruf bei seinem Übertritt in den Ruhe- von seiner zu gedenken. stand wurde er mit Recht „eine Zierde der deutschen des Grisebach, wie mancher andere der damaligen Justiz“ genannt. Auch seine Tätigkeit als Mitglied, Frc lübeckischen Richter aus der Provinz Hannover stam- später als Vorsizender beider Kommissionen für die mend, hatte sich als Gerichtsassessor bei Einführung jjuristischen Prüfungen in den drei Hansestädten, ist Ii der preußischen Grundbuchverfassung im Rheinland noch unvergessen. bewährt. Man war in Lübeck, wo um die Jahr- Über sein amtliches Wirken hinaus aber hat Grise- Mi hundertwende ebenfalls das Grundbuch nach preu- bach schon in Lübeck, später in seiner neuen Heimat ß ! ßischern Muster eingerichtet werden sollte, auf ihn Hamburg das geistige Leben spürbar beeinflußt. Er H aufmerksam gemacht worden. Der Senat berief gehörte in Lübeck dem Vorstande der von Otto Anthes §é Grisebach, der damals Landrichter in Aurich war, im begründeten Literarischen Gessellschaft an und konnte fin März 1899, hierher, und es gelang diesem, in ein- hier sein Interesse für deutsche Dichtung und Schrift- ft jähriger Arbeit unser Obersstadtbuchsystem auf Grund tum praetktisch betätigen. In Hamburg nahm er sich Wi der gesetgeberischen Vorarbeiten, die besonders der bis in die lehte Zeit besonders der Pflege der von der "sss damalige Landrichter Dr. Oemler geleistet hatte, Weimarer Goethe-Gesellschast ausgehenden Be- ß ür den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches an- strebungen an und leitete die Hamburger Ortsgruppe per zupassen. Die Aufgabe war nicht leicht, aber es zeugt dieser Gesellschaft. So blieb er dauernd in Berührung . für die gewissenhafte und gründliche Arbeit Grisebachs, mit den Kreisen, die sich um die Goethesche Gedanken- Nr daß die Überleitung sich reibungslos volljoeg. In welt bemühen. Vie hier war er auch in anderen hs) Anerkennung dessen ernannte der Senat im Juli 1901 Bezirken der Kunst und Kultur anteilnehmend Grisebach zum Richter am hiesigen Amtsgericht. und fördernd zu Hause, immer bereit, Freunde Schon zwei Jahre später wurde er Landrichter hier-. und Bekannte an seinem Wissen teilnehmen zu selbst. Er hatte unterdessen in der Tochter des Ober- lassen. landesgerichtsrates Dr. Richard Behn seine Lebens- Schnell und schmerzlos, in voller geistiger und fin! t h s IG UL Br tz KU; h:: ] seinen Scharfsinn, seine vielseitige Bildung . Peu fr Freunde. Auch. j. Lübeck wird er 4:11 lange fi! stets gleichbleibende Liebenswürdigkeit in lebhafter unvergessen bleiben. Bernh. Eschenburg 196
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.