Full text: Lübeckische Blätter. 1940 (82)

236 schen Standpunkt bietet das Drucker in einem charak- Signet als verschönernder teristischen Signet ein indi- Zierat sowohl in der Fülle viduelles Lebens- und Ar- der Motive wie im Wechsel beitssinnbild geschaffen, das der Stile und Ausdrucksfor- in dem Nebeneinander der men ein buntes, anregendes verschiedenen Formen zu- und kulturgeschichtlich inter- gleich eine bestimmte Ent- essantes Bild. Von den wicklungsrichtung anschaulich primitiven einfach-geometri- andeutet. So haben wir schen, heraldisierten Figuren beim Mohnkopfdrucker oder und den späteren stilisierten Mohnkopfverlag neben den Monogrammen bis hin zu drei Mohnblüten und dem allen möglichen Sinnbildern Memento mori (resp. Nar- und Devisen, die zu Name, ren) noch in einem Schild Werkstätte, Stadt und Glau- € a die alte Hausmarke oder ein benshaltung eine Beziehung é ( Familienzeichen: ein T mit suchen, oder größeren stoff- ! dem gern hinzugefügten lich-bildlichen Umrahmun- Kreuz. Bei Balhorn haben gen, in die das Signet nur Kepserliken Stade ü- wir die naive bildmäßige tttsmtutat . fimeiugeet! , ?::19 des Namens, bei wird, hat si ier ähnli ah. reen ein einfaches heraldi wie beim Exlibris, das zurzeit beck] dörch Iohan Balhorn. verziertes fta? her! ho in einer Ausstellung der war man auf Alt-Lübeck, wie Stadtbibliothet gezeigt wird, ANN O, der Doppeladler bei Brandis, in reichster Mannigfaltigkeit M. D. LM: Arndes, Balhorn und den ein Zweig graphischer Klein- m TS: Mohnkopf- Leuten erkennen kunst ausgebildet, der ein § . läßt. Bei Richolfftrittunsnach Kapitel Kunstgeschichte für C I italienischem Vorbild die kos- sich bildet. j E S mopolitische Ausweitung mit Lübeck als alte Bücherstadt CQ V. § dem Kreuz über der Erdkugel und Pionier der schwarzen als Sinnbild für die Macht Kunst für den Norden hat der Kirche als Kulturträger hieran seinen bedeutsamen der Welt entgegen, während Anteil, denn die Bahnbrecher der neuen Kunst in der GhotansGreifen- und Löwenwappen, das später nach alten Hansestadt wie Lucas Brandis, der 1473 aus dem Ghotans Tode mit anderem Druckmaterial an Arndes Süden das Geheimnis der epochalen Erfindung zuerst überging, mit den senkrechten und waagerechten nach der Trave brachte, Bartholomaeus Ghotan, der Binden und dem von der Kirche besonders bevorzugten Schweden die ersten Bücher in der eigenen Landes- und auch noch von Luther als Siegel benutten sprache schenkte und sogar weiter nach dem Osten Rosen-Symbol als eine Meisterleistung im nieder- strebte, Matthäus ländischen Stil gilt, das Brandis, der viel- man am liebsten dem großen leit einer der Anonymus des Lübecker To- Hauptdruckerfürden tentanzes von 1489 und der Verlag mit den drei Lübecker Bibel von 1494, der Mohnköpfen war, schönssten Holzschnittbibel des Steffen Arndes, der 15. Jahrhunderts zuschreiben Schöpfer dernieder- möchte. Hier nähert sich die deutschen Bibel, Büchermarke jener künstleri- Jürgen Richolff, der schen Vollendung, die sie den einen starken Einfluß klangvollsten Namen der da- auf Skandinavien maligen Zeit,einem Urs Graf, im 16. Jahrhundert Hans Baldung Grien, Hans . gewann, J. N. Green Holbein oderJost Amannver- - aus dem 18. Jahr- dankt und die sie zu einem hundert und schließz- unvergänglichen Lebenszei- ; Ü . lich der zu Unrecht so chen deutschen Arbeitsfleißes, Z übel beleumundete wagemutigen Handwerks- Johann Balhorn. geistes und srchöpferischen Lübecker Adler Sie alle haben sich Kulturbewußtseins machte. Jürgen Richoltt aus einem Balhorndruck als s”tolze hansische Gustav Struck 159%
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