Full text: Lübeckische Blätter. 1940 (82)

| '7Ö Pilgrimstad, unweit Bräcke, erinnert noch heute daran, jenseits des Marktes nach Süden zu weiter genau auf daß hier einst ein Rastort der Olafspilger war. Je mehr die Mitte des Domes, der sich mit den ehrwürdigen man sich im Jämtland Norivegen nähert, desto shöner Gebäuden des Erzbischofshofes, umrahmt von den und wechselvoller wird die bis]dahin fast unheimliche, hohen, alten Bäumen des Kirchhofes, in die Bie- düstere, nordische Waldlandschaft. Es geht nun durch gung des Flusses schmiegt. Über diesem abgeschlossenen prächtiges Bergland, vorbei am Areskutan, Jämtlands stillen, grünen Stadtbezirk liegt ein Duft und eine höchstem Berg, vorbei an großen und kleinen Wasser- Weihe, der sich kein Mensch entziehen kann. Wo man fällen immer höher zur Grenzstation Storlien, die auf auch geht in Drontheim, überall ist man umweht von der Paßhöhe, 600 m ü. M., in ergreifender Einsamkeit den zartessten Duftwellen, die von den Balsampappeln liegt. Und dann kommt das Schönste: die Fahrt hinab ausgehen, mit denen die Bürger alle ihre Straßen, auf der norwegischen Seite mit der Merakerbahn durch auch ausgesprochene Geschäftsstraßen am Hafen, wie Waldschluchten und schön angebaute ?Flußtäler, bis die Fjordgate und die Kjöpmandsgate, geschmückt endlich der Blick in unendliche Weiten über den breiten haben. Über Drontheims Domtirche, die nach mehr Drontheimsfjord schweift, an dessen Ufer der Zug die als TOjähriger Erneuerungsarbeit nun schöner als sie letzte Fahrtstunde entlangrollt. wohl je war wiedererstanden ist, haben unsere Zeitun- Drontheim läßt sich mit keiner anderen Stadt Nor "! jet so vieles und Sachkundiges berichtet, daß wegens vergleichen, es hat einen Charakter ganz für ©!" Eingehen sich hier erübrigt. sich.. Wenn in Bergen die gewaltigen Berge fast Den Lübecker Besucher fesselte im Jubiläumsjahr drohend aus nächster Nähe auf die Stadt herabschauen, 19830 neben Norwegens berühmtestem Schiff „Fram“, schmiegen sich hier sanfte, mit schönen Siedlungen und das einst Nansen durchs Nordpolarmeer und Amundsen fleinen Waldstücken bedeckte Höhen in weitem Kranze auf seiner Südpol-Expedition getragen hatte, wegen um die Stadt; wenn in Stavanger alle Häuser auf und des durch fünf Jahrhunderte auch in unserer Stadt in den nackten harten Fels gebaut sind, so stehen sie lebendigen Olafs-Kultus im besonderen Maße die INVIIIIÔCINIIE . e stolzen Heim der ,„Wissen- dem weichen Voden, den der Nid-Elv angeschwemmt schaftlichen Gesellschaft“ waren in geschickt beleuch- hat; wenn man in Aalesund und Kristiansund durch die teten Nischen die kunstgesschichtlich bedeutendsten Olafs- unmittelbare Nähe des offenen Ozeans auf Schritt bilder, meist Holzskulpturen, aus ganz Norwegen, und Tritt an den harten Lebenskampf erinnert wird, aus Schweden und aus Finnland nebeneinander gestellt den die Mehrzahl der Menschen dort mit der Urgewalt und ermöglichten eine Vorstellung von der Entwicklung der Elemente jahraus, jahrein zu führen hat, so erscheint der Gestalt des Wikingerheiligen durch die Kunst von demgegenüber Drontheim wie eine Stätte der Gebor- vier Jahrhunderten in den Ländern des Nordens. genheit vor Wind und Wetter, wie ein Ort des Friedens Danzig hatte aus seinem Stadtmuseum sein bemaltes und Behagens, denn mehr als 70 km sind es bis zum und vergoldetes Olafs-Holzbild gesandt. Den Mittel- freien Meer, und vor den furchtbaren Stürmen aus punkt und das Hauptstück aber dieser kunstgeschichtlich Westen und Südwesten schützt der Halbkreis der Berge bedeutenden Ausstellung bildete unsere herrliche rings um die Stadt. Das Schönste aber an Drontheims Olafs-Altartafel aus der Marientirche, die in- Lage ist die in Norwegen so seltene ungehemmte Frei- folge ihrer vorzüglichen Aufstellung die Bewunderung heit, die der Blick über die ungeheure Weite des Fjords der Besucher aus aller Welt erregte. nach Norden und Nordosten genießt bis hin zu den ge- Obwohl Drontheim wiederholt von verheerenden segneten Breiten des nördlichen Tröndelag, wo seit Feuersbrünsten heimgesucht worden ist, birgt die Stadt Urzeiten Norwegens kräftigster und reichster Bauern- noch eine Fülle anheimelnder Köstlichkeiten aus ver- schlag lebt. gangenen Tagen. Das Drontheim der Rokokozeit, wie Der Grundriß der Stadt ist von einer durch die Natur es sich im „Stiftsgaard“ und im „Mölmannsgaard", bedingten erhabenen Einfachheit. Von einem letten dem heutigen würdigen Klubhaus der „Harmonie“, weiten, nach Norden offenen Bogen des Nid-Elvs darstellt; das biedermeierische Drontheim der Kijöp- wird die ganze Altstadt vor der Mündung des Flusses mandsgate mit den Patrizierhäusern auf der einen und in den Fjord gewissermaßen umarmt und von den Vor- den altertümlichen Holzspeichern auf der anderen städten abgeschlossen. Durch die Mitte des so entstehen- Straßenseite; und das fast mittelalterlich anmutende den Stadtraumes von Westen nach Osten erstreckt sich Drontheim der Holzhäuschen in den verschlafenen die eine der beiden ungewöhnlich breiten Hauptstraßen, Gassen und Gäßchen der Altstadt, wo nach der Sage Kongensgate, die genau auf der Hälfte ihrer Länge alte Leute noch mit der Unionsflagge oder gar mit dem ben Her clueiten Hauptstraße, der vom Fjord herquf- Danebrog (!) flaggen jollen: das alles ist gerade für führenden ebenso breiten Munkensgate, gekreuzt wird. uns Lübecker von unerschöpflichem Reiz. Die Kreuzung bildet den geräumigen Marktplay, den Wenn im Mittelalter die Pilger nach mühseliger in der Mitte auf hoher Granitsäule das schöne Stand- Wallfahrt den letzten Hügel vor der Stadt, den „Fegins- bild des Stadtgründers Olaf Trygvason schmückt. bretta“, erreicht hatten, begrüßten sie von hier das Königstraße und Mönchstraße bezeichnen in wirkungs- Ziel ihrer Reise mit lautem Jubel. Auf diesem „Freu- voller Symbolik die geistigen Mächte, denen die Stadt denhügel“ hatte einst König Olaf selbst, ergriffen von ihren alten Ruhm verdankt. Die Mönchstraße führt all der Schönheit über Stadt und Fiord zu seinen
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