Full text: Lübeckische Blätter. 1940 (82)

1 75 künstlerisch Gediegenes und Wertvolles geboten werden gelungene Dontosaken-Jmitation mit den beiden soll, wird die Auswahl doch immer so getroffen werden, Solosängern (H. A. Wagemann, Ad. Helmich). Ernst Fr daß nicht nur theoretisch und historisch Geschulte etwas Resch als Titelheld taugte allerdings viel besser zum h- davon haben, sondern die Darbietungen auf unmittel- stürmischen Schwerenöter als zum einsamen, teuschen, s- bares Verständnis rechnen können. reinen Toren des Kreml. Jo Reißig glückte die Ver- E- Die ehrwürdige Schlichtheit des Domes ist so recht wandlung aus dem Tscherkessenktnaben in das liebende 18 der Rahmen für eine besinnliche Feierstunde in der Weib überraschend gut. Gerhard Teubner war ein n. Dämmerung, so daß gerade unter den gegenwärtigen imposanter und eleganter Großfürst in glänzender r- Verhältnissen der Allgemeinheit durch diese Abend- Maske, Karl Wege ein grotesker neapolitanischer Kin- er feiern ein Dienst geleistet werden kann. Riege derschrect-Räuberhauptmann, Ellen Struck in ihrer n. temperamentvollen Eifersucht ein netter, resoluter, er kleiner russischer Weibsteufel, und daß Robert Fackler te Vortrag über Selma Lagerlöf als tujtithes FeihlaketHriginal mit den lustigen u s Mittwoch, den 8. Mai 1940, im Schabbelhaus. Laßsäbüberei wißbor Lesonters pure ttecserftsschenden z Der Schwedische Vorlesungsverein wird am Mitt- beinahe schon von selbst. Am Schlusse gab es nicht ty . woch, dem 8. Mai, 19 Uhr die Freude haben, den Lektor zi. Uutuherttergt uur start:. seztherr eintn q. [r salut Cult; ccguüst zi socuet; bit Luuhtbetcltzn | Sie wird über die kürzlich verstorbene Selma Lagerlöf Guftav Struct, sprechen und die Dichterin selbst zu uns reden lassen. Konzerte. Theater und Mugik Die Kunst der Fuge. Neufassung von Karl Her- mann Pillney (Uraufführung). Neu einstudiert: Zarewitsch. Operette von Franz Man hat Bach, diesen fünften Evangelisten und §chär: Meister des Hochbarock auch wohl den genialen Fort- Gewissermaßen als Geburtstagsgratulation für den setzer und Vollender der christlichen Gotik in der Musik siebzigjährigen Lehär, der soeben die Goethe-Medaille (Benz) genannt, sicher nicht, um diesen monumentalen bekommen hat und der sicherlich unter den modernen Geist in irgendeine Stilepoche mit begrifflicher Ge- Operettenkomponisten der älteren und jüngeren Ge- lehrsamkeit einzuengen, sondern um das Unerhörte neration einer der wenigen ist, der wirklich künstle- seines klanglichen und tonsymbolischen urdeutschen rischen Ehrgeiz hatte, wird man gewiß gern die Auf- Bauwunders, vor dessen unendlicher, mythischer, erstehung seines „Zarewitsch“ in dem sorglosen Ope- unkörperlich-phantastischer und übersinnlicher Ewigkeit rettenreigen dieser Spielzeit entschuldigen. Er kann alle Zeiten andächtig und ehrfürchtig sich beugen wer- wohl kaum zu seinen besten Werken rechnen, aber er den, in seiner letzten geistigen Höhe anzudeuten. Viel- hat zweifellos durch sein musikalisches russisches Milieu leicht am reinsten, abgeklärtesten, unsinnlichsten und seine starken Publitumsreize, wie er ja bereits vor seelisch-hellsichtigsten offenbart er sich uns in seinem einigen Jahren hier seine lebhafte und unverminderte letzten Vermächtniswert, das ihm nicht vergönnt war Anziehungskraft bewies, wenn man geschickt alle Dar- zu vollenden: in der „Kunst der Fuge“. „Jahrhunderte stellungsmöglichteiten zu nutzen weiß, wie, es auch haben Jie beiseite geschoben, weil sie in ihrer romanti- diesmal auf der Kammerspielbühne wieder geschah. schen Sehnsucht darin nur alte schulmeisterliche Klang- Zudem sind bei dem Kronprinzen-Abenteuer Spiel, jcholastit und abstrakte Tonmathematik witterten, die Gesang und-Tanz, kecke Heiterkeit und weichliche, oper nur noch als Krönung aller möglichen kontrapunkti- rettenhaft-unwahre, leider unentbehrliche Rührselig, schen Spithfindigkeiten des Jahrhunderts Interesse keit so wirksam gemischt, daß man gerade hier wahr- erwecken konnte. Man hat von der „Jrandiosen Kälte" scheinlich in dem ehemaligen Militärtapellmeister den (M. Hauptmann) und der „feierlichen Ruhe der Win- „Puccini der Operette“ entdeckt hat. Festlich-nach- ternacht“ (Spitta), von der „Monotonie“, der ,starren sichtig gestimmt, läßt man sich auch das diesmal ge- Gedantllichkeit“ u. ä. gesprochen, ja ein merkwürdiger fallen, denn Lehär ist als ein außerordentlich wendiger böhmischer Bach-Forscher des vorigen Jahrhunderts, Musikant und Instrumentationstechniker ein wirklicher Debrvis van Bruyck, hat die Kunst der Fuge geradezu Könner, dem man darum schon manches nachsehen zur Unmusik gestempelt, die „in Wahrheit keine Mujik kann. Auch holte die schmissig akzentuierte Stabführung mehr sei, sondern völlig ins Barbarische, Abstruse und Horst Schneiders, die sichere geschmackvolle Spiel- zu einer Art kontrapunktischer Katenmusgik ausgeartet“ leitung Heinrich Froschhausers, Ludwig Wethzss präch- wäre. Man konnte sich freilich damals damit entschul- tiger szenischer Rahmen und vor allem die kräftig digen, daß ja das Werk nicht nur als Torso überliefert nationaltänzerisch gestimmte Ballettillustration unter wurde, sondern auch weder nach der Instrumentations- Heinz Klee zusammen mit den Darstellern überall das art beziffert, noch nach der Reihenfolge der neunzehn Beste heraus. Besonders hervorgehoben sei auch die Stücke verbürgt sei.
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