Full text: Lübeckische Blätter. 1940 (82)

| 20. Piatek. Der Pole bedrängt in der Nacht die Neu- Lübeck, herausgepaukt, die stundenlang in arger münsteraner hart bei Leschga, die Lübecker bei Piatek. Bedrängnis waren. Am frühen Morgen des Eindruck: Wesstfront-Großkampfstimmung 1914/1918. 11. September treffen wir uns > glücklich ob des Wir gehen um 4 Uhr hart nördlich Piatek in Wiedersehens. Ich schnaube mir in Simms Taschen- Stellung. Der Pole hat eine vielfache Überlegenheit. tuch die Nase ~ auch dies Wäschestück war mir im Unsere Infanterie muß nach hartem, nächtlichem Eifer des Gefechts abhanden gekommen. Wir richten Kampf zurück. Der Pole schießt mit schwerer Artil- im Laufe des Morgens unweit eine bessere Feuer- lerie. Knapp entgeht meine Batterie diesem Feuer. stellung ein. Bald danach greift der Pole wieder überall Südwestlich Piatek gehts wieder in Stellung. Meyer- an. Unser Artillerie-Regiment + 12 Batterien mit Quade, Schulte fallen unweit. Sie liegen heute mit 418 Geschüßen blockiert jeden Durchbruchsversuch. unserem Kameraden Leutnant Güttler in unserer Meine Batterie feuert 300—500 Schuß. Die Sonne lr eÜ . rt Her Fri Va tzsh ; '§. 23.422375) rtv ie user Taue ho: arg in der Flanke. Es geht an den Südausgang von post ein. Wir baden in einem in der Protenstellung Piatek. Ich melde dem eben verwundeten General befindlichen Mühlenbach den völlig verstaubten Leich- von Briesen. Er berichtet mir erschüttert von dem nam – herrlich! Zwei Tage und drei Nächte liegen Heldentod von Meyer- Quade. Das Gefecht tobt wir dort und schießen und schießen. In der dritten weiter. Wir müssen zurück. In einer neuen Feuer- Nacht wird Sperrfeuer angefordert. Ich kontrolliere stellung, die wir am Spätnachmittag beziehen, werden gerade den Sperrfeuerposten. Wenige Sekunden wir von Freischärlern überfallen, die mit Maschinen- später dröhnt aus 48 Rohren Sperrfeuer. Ein präch- gewehren aus Strohschobern unmittelbar im Rücken tiger Theaterdonner ! Der Pole gibts auf. Gefangene unserer Stellung schießen. Pferde fallen. Die Bat- haben einen Generalangriff für den nächsten Morgen terie wird zersprengt. In einer Stunde ist bis auf ein prophezeit. Er bleibt aus. Nachmittags ist der Führer Geschütz wieder alles auf der Rückmarschstraße gesam- bei General von Briesen. Wir sind alle stolz, daß der melt. (Das Geschütz rettet sich mit vier Pferden in Führer unsere Division besucht. Wir merken, daß der den naheliegenden Wald und stößt nach drei Tagen Pole weg ist. Es geht wieder vorwärts. In den beiden wohlbehalten zur Batterie. Inzwischen hat es eine nächsten Tagen haben wir noch immer keine Fühlung Zeitlang unsern verletzten Kameraden Landgerichts- mit dem Feind. Er ist über die Bzura zurückgegangen. rat Kroeger gefahren. Ich bekomme Grüße von ihm.) Angriff auf das nördliche Bzuraufer durch die Nürn- Der Pole folgt nur langsam. Die Freischärler werden berger Division. Die I. und II. Abteilung unseres immer frecher. Wir schießen auf 50-100 m mit Pan- Acttillerie-Regiments und die schweren Neumünste- zerkopfgranaten von der Marschstraße in die Häuser. raner werden den Nürnbergern zugeteilt. Am 16. Sep- Die Wirkung ist verblüffend. Ein Loch von etwa 2 m tember, morgens 6.50 bis 7.15 Uhr, Feuerüberfall Durchmesser in der Wand. Nach einigen Sekunden von s4. Geschützen (Holsteiner. und Nürnberger) auf hebt sich das Dach, mit ihm fliegt der ganze Häuser- die Bzura-Stellung. Der Feind weicht nur zögernd. inhalt in die Luft. Zwei Kilometer vor Biala (Richtung Die vor uns liegende Koburger Infanterie wird durch Lodsch) wird die Verteidigung eingerichtet. Unsere Scharfschüten und MG.-Nester am Übergang über Abteilung ist geschlossen zusammen, um uns Teile des die Bzura stark gehindert. Es wird den ganzen Tag Eutiner Bataillons. Etwa 150 1n vor uns ist die über weiter geschossen. Dabei regnet es Bindfäden Hauptkampflinie eingerichtete. Hauptmann Neese, und Schrapnellkugeln. Zirka 700 Schüsse haben meine Bürgermeister in Bad Schwartau, ist dabei. Ein Zug vier Geschütze hergegeben. Die Munition wird knapp. Infanterie liegt zu unserem Schutz um die Batterie. Es klappt aber gottlob alles. Nachmittags gehts näher Die Nacht bricht an. Was wird 9 Polnische Kavallerie, ran an die Bzura. (300 m bis zur ersten Brücke !) polnische Panzer, ein Flieger ~ wir sind erledigt. Die Kurz vorher sichtet uns ein feindlicher Aufklärungs- Infanterie hat keine schweren Waffen mehr, Munition flieger. Wir haben aber Glück. Die feindliche Artillerie ist knapp. Die Artillerie allein kann einen Nahkampf isst schon auf dem Rückzug. Dafür quälen uns : . ffgig- mit großem Erfolg kaum bestehen. Wir liegen zu dritt tausende Bzuramücken entsetzlich. Am Abend sind die (Batterieführer, Batterieoffizier und Zugführer der Koburger jenseits der Bzura ~ genau eine Woche nach Infanterie) hart aneinander in einer Zuckerrüben- dem bösen Sonntag in Piatek. Wir haben es geschafft. furche — uns friert und hungert. Seit zwei Tagen Wir lösen den leßten Schuß. Es geht am anderen Tag keine Verpflegung, die eiserne Ration ist mit dem tweiter durch Lowiscz gen Warschau. Aber: am Troß weg ~ Mantel, Zeltbahn sind auf dem ver- 18. September ist die Schlacht am Weichselbogen sprengten Geschütz. Um. 22 Uhr rückt die Nürnberger beendet. Unzählige Gefangene, riesige Mengen Division von Südosten nach Nordwesten zu unserem Kriegsmaterial fallen in unsere Hände. Vir sind Entsatz an. Sie greift den Polen in unserer linken glücklich, zu diesem Erfolg – wenn auch nur beschei- Flanke an. Es ist ein schwerer Kampf. Wir ver- den E haben beitragen zu dürfen. Es geht in 11 folgen den nächtlichen Gefechtslärm mit Spannung. Tagesmärschen zurück bis aur deutisch-volnischen Vorerst haben zwei Panzerwagen den Komman- Grenze. deur des Infanterie-Regiments Nr. 6 und seinen Am l1. Oktober sind wir der Westfront eingegliedert. Ordonnanzoffizier, Stadtverwaltungsrat Simm, in Hier: Keine besonderen Ereignisse.“
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