Full text: Lübeckische Blätter. 1940 (82)

112 verstanden hätten, aber seine ganze sittliche überzeu- nung, eine Erziehung zu gegensätzlichen Tüchtigkeiten, Gun Jene sente Zestkenntuis mußte ihn zu einer hie cu§ No §rcttu ie Faber cls hoher teres. durch das Schwert Recht und Friede und Ehre der rungen an den einzelnen gestellt. Nicht hohe Rekord- Sippen erhalten werden, daß der untriegerische, der leistungen auf einem engen Gebiet, die auch ohne in- feige Mann eine Schande ist und den Ruin seiner nere Kultur denkbar sind, haben die klassischen Zeiten Freunde und Verwandten herbeiführt. Aber der angestrebt, sondern sie haben vielseitige Ansprüche an Glaube an Götter und Dämonen überhob ihn solcher den Menschen gestellt; Aufgaben, welche an sich Gegen- rationaler Gedanken. säte darstellen und nur durch eine außerordentliche Die neuen Lehrer der abendländischen Völker gingen geistige Zusammenschau, durch einen hochdisziplinier- jedoch davon aus, daß alle Gläubigen zum Friede- ten Willen vereinigt werden können. Der staufische halten verpflichtet sind und der Krieg nur durch die Ritter soll Leibeskraft und Gewandtheit mit feiner Bosheit und sündige Kampfbegier der Menschen er- Sitte und Frömmigkeit vereinigen; er soll harte Krie- tu tt Oh F heren. joe m mu ll (ereubeu rd uta htc? pt gie war aus der Zeit der Christenverfolgungen die Ansicht militärischen Künste mit den geselligen und schönen ' festgewurzelt, daß alle Kriegsleute in der schrecklichten Künsten, mit Dichtung und Musik pflegen. Welche ; Gottesferne leben und einem Staat"dienen, welcher Bedeutung kann das anders haben als die, dem : der Antichrist selber ist. Kriegertum seine Dämonie zu nehmen ? Den wilden ) Diese negative Haltung der Kirche gegenüber dem Draufgänger und Abenteurer in einen gesitteten, be- ' Kriegertum hat sich Schritt für Schritt geändert, indem sonnenen, die Heiligtümer der inneren Welt hochach- ‘ zunächst das Römische Reich unter Konstantin christlich tenden Menschen zu verwandeln ? Und doch der kriege- wurde, danach Kaiser Karl als Aufgabe seiner Reichs- rischen Tüchtigkeit nichts abgehen lassen! Selbst die ' gründung den Schutz der Kirche nach innen und außen Frauenminne in den Dienst der todesmutigen Ritter- , bewußt übernahm. Das Kaisertum wurde damit zu schaft zu stellen! Der Krieger ist zum höchstgesitteten J einem heiligen Amt, und bei der Krönung wurden dem Thypus überhaupt geworden, zum schlechthin vorbild- Träger des Reichsschwertes Gewänder und Abzeichen lichen Typus des Mannes, so wie ihn die großen Ü angelegt, die auf eine priesterliche Würde hinwiesen; Künstler jener Zeit dargestellt haben in den unvergeß- ß damit war der oberste Krieger, der ringsum gegen lichen Menschenbildern des Bamberger Reiters und heidnische Feinde seine Heere führte, zum Werkzeug des Naumburger Ekkehard. Auch als die Bedeutung N) einer heiligen und unbezweifelbaren Aufgabe ge- des Rittertums verschwand, als die Adligen zu Söldner- é worden. Als später die karolingische Königsmacht im führern, Hofleuten, Offizieren und schließlich zu Guts- ' Wesstreich zerfiel, als Feindeseinfälle und blutige Feh- besitzern wurden, blieb der ritterliche Mensch das m den der Großen das Kirchenvolk bedrohten,!da über- höchste Mannesideal der abendländischen Kultur: er pc trug die Kirche unter dem Einfluß der Cluniazenser hielt sich im preußischen Offizierkorps lebendig, er fe jenes heilige Amt auch auf die Soldaten des Königs, formte noch einen Typus wie Kaiser Wilhelm I., der auf die Ritter, und führte dieses selbst zum Kamps sich in schwierigen Lebenslagen fragte, was er als P gegen die Heiden. §! ssittectun her Nrg!uzüge preußischer Offizier zu tun schuldig sei. da sps “ttsch Freue i 'Ssldatensthit ; ß fü. Hier herrschte vollständige Klarheit über den Sinn, die Die theoretische Schwierigkeit der ritterlichen Krie- H] Formen und die Sittlichkeit des Kriegeramtes. Schuß gerethik lag darin, daß sie eigentlich nur den „heiligen mi der Kirche, der Witwen und Waisen, der Schwachen Krieg“ (für den Kaiser, für die Kirche, für die Aufrecht- G: und Unmündigen, aller, denen Unrecht geschieht, Ver- erhaltung der christlichen Sitte überhaupt) anerkennen f teidigung der christlichen Völker gegen die Heiden, konnte; in der Wirklichkeit aber tobten, seit die Araber . Sicherung des inneren Friedens: das sind jet die ungefährlich geworden waren und das Kaisertum ver- pr heiligen und rational völlig verstehbaren Aufgaben des fiel, ohne Unterlaß Kämpfe zwischen Christen, wobei [hs Ritters. Daß die ihm anvertrauten Menschen und die Dynastien um Landerwerb und Erbfolge, die fel Menschenwerke gedeihen und Frieden erhalten sollen, Städte und Landesherren um Unabhängigkeit fochten. Ji dafür zieht der christliche Soldat sein Schwert; seine Neue Kriegstechniken kamen auf, der Krieger wurde De Pflicht erstreckt sich sogar, im Sinne des Evangeliums, zum Söldner, die Kriegskunst zum Handwerk und hat auf die Feinde, indem die Regel gilt, daß der selbst Beruf auf Zeit. Für Gold und Sold sein Leben ein- rité ritterlich gesinnte Gegner zwar wehrlos gemacht, aber zusetzen, ist sittlich gesehen unmöglich; die Krieger Gl, nach dem Sieg geschont werden soll, wenn er „Sicher- sanken im Ansehen, und Luther mußte in einem seel- sini heit bietet“, daß er mit Großmut zu behandeln und jorgerlichen Schreiben einem Hauptmann, der ihn in Fic daß auch!sein Wohl in den neuen Frieden einzubeziehen Gewissensnot um Rat anging, den Nachweis führen, her ist. daß „auch Kriegsleute im seligen Stand sein können", ga! Von diesem klaren Bewußtsein über das Schildes- wenn sie aus Pflicht fechten, um der Obrigkeit zu kei amt des Ritters ist alle ritterliche Haltung und Er- helfen, daß sie Sitte, Recht und Ordnung aufrecht- va, ziehung in der großen klassischen Zeit der Staufer- erhalten. Es kommt allmählich der Sinn des Krieges in höt kaiser bestimmt gewesen – eine Haltung voller Svan- einer neuen Weise zum Bewußtsein: er leitet sich aus
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