Full text: Lübeckische Blätter. 1940 (82)

100 Der Bayreuther Nachmittag findet im Teeraum bei sparsamer Dynamik mit eindringlichster Plastik, von Niederegger am Donnerstag, dem innerer Lebendigkeit und überzeugender Geschlossen- 14. Märs, 16 Uhr pünktlich, statt. Gäste sind heit glänzend herausbrachte. wie immer herzlich willkommen. Rechtzeitige Anmel- Als Gegenstück und frisch-fröhliches Konzertfinale dung erbeten an die Vorsitzende Jula Ewers bot Heinz Dressel dann + in Erstaufführung ! + die Haydnsche sogenannte Oxford-Sinfonie (G-dur, Nr. 92) Theater und Muzik. aus der Pariser Zeit, die seinen besten späteren Sin- Konzerte. fonien nichts nachgibt und die man Haydns Eroica ge- Fünstes Sinfonickonzert. !; t yt Ute: he: erk ou f Feiheit uu slr Das Gegenwartsschaffen beansprucht heute mit Innenlebens, das sein Schöpfer darum selbst besonders Recht stärkere Beachtung in unserem Musikleben, aber hoch schätte und das mit dem künstlerischen Hochgefühl nicht deshalb, weil es einfach zeitgenössisch ist, son- und der geistigen Lebenskraft des klassischen Genius dern weil es lebendiger und charatteristischer Ausdruck jwundersam allen Ernst des Lebens in die Heiterkeit unseres Zeit- und Lebensgefühls in der Musik sein der Kunst auflöst. Geschmeidig, liebenswürdig, un- soll. Das kann man von wenigen wohl so bestimmt hesschwert mit dem echten Reiz Haydnscher Beschwingt- sagen wie von Max Trapp, der in der geistigen Diszi- heit und Unbekümmertheit erfüllt, begeisterte das Werk pliniertheit und klanglich gebändigten Klarheit seines sichtlich sehr die Zuhörer. Neutklassizisómus auch dem Ausland als ein typischer Solist des Konzertes war der Meisstercellist und Verkünder neuer deutscher Musik erscheint. Es ist Konzertmeister der Berliner Philharmoniker Tibor de daher nicht verwunderlich, daß Wilhelm Furtwängler Machula, der heute schon zu den bedeutendsten Künst- gerade mit besonderem Nachdruck von jeher für Trapp lern seines Instruments gehört. Er spielte das be- sich eingeseßt hat. In der Zeit des atonalen Kultur- fannte Dvorak-Konzert h-moll, mit dem er kürzlich kampfes freilich galt Trapp nur als Epigone, Eklektit quch in einem Furtwängler-Konzert in Berlin das ker, Strauß-Nachfahre, höchstens als Akademiker, der Publikum begeisterte und das wegen seines glanz- aus der rückständigen Berliner Hochschulatmosphäre hyollen Soloparts außerordentlich beliebt, eindrucks- kam. Und doch hätte man froh sein sollen über dieses holl, schwierig, aber dankbar ist und seine mitreißende gesunde und zielbewußte Musikantentum inmitten Wirkung auch hier nicht verfehlte. Dvorak mujiziert von so viel Artisten und Gehirnakrobaten. Sein hjier wie meist sonst wieder ein wenig „aus aller Herren zweites Orchesterkonzert op. 36, das Furtwängler ge- Länder“, um schließlich mit einem zündenden böhmi- widmet ist und von ihm vor kurzem mit sstärkstem Er schen Finale zu triumphieren. De Machula hatte Ge- solge in Berlin und Wien gespielt wurde und das wie legenheit, alle Künste vom virtuosen Figurenspiel und das erste Orchesterkonzert op. 32 gegenwärtig seinen komplizierter Mehrstimmigkeit bis zur pastoralen Flö- Weg durch Großdeutschlands Konzertsäle von Baden- tenzwiessprache und träumerischen lyrischen Lied- Baden und Dortmund über München und Breslau (pisode mit verblüffender Ton- und Klangbeherr- bis nach Prag macht, stellt in suitenartiger freierer schung spielen zu lassen. Bei aller Fülle und Schönheit Kombination die geniale Verbindung barocker Musizier- des großen Tones und einer vollendeten Elastizität und lust mit konzertanter Romantik und moderner Klang- Mühelosigkeit der Bogenführung wird der Vortrag polyphonie dar, und zwar so, daß die schöpferische yor allem durch die strenge stilistische Haltung und den Persönlichkeit sstilistisch die Einheit erzwingt. Trapp männlichen Ernst des Gestaltens geadelt. Der be- vermag das kraft der rhythmischen Energie, mit der geisterte Beifall war denn auch sehr lebhaft und er seine kleinen Themen vielseitig entwickelt, und der herzlich. (Gzuîtav Struck y zzszien rerstherhe:: z stimmungs- mäßigen Konzentration und Einfachheit, die sich zu ; §; j j keinen geistreichen Experimenten oder üppigen Farben- Kleine lübeckische Chronik schwelgereien verleiten läßt. Es istdie überlegene Geistigo-. 4..Februar. Es starb im 61. Lebensjahr der Kapitän keit eines reifen sinfonischen Musizierens, die in den Fritz Wegener. handfesten Ecksäten, in dem träumerisch-romantischen, 10. Februar. In der Schlafhalle des Heiligen-Geisst- schwebend ausgesponnenen Lento und dem fast Hospitals wurden bisher unbekannte bedeutende biedermeierlich-idyllisch in seiner aufgelocterten spiel- Freskomalereien aus dem Anfang des 14. Jahr- frohen Art anmutenden Intermezzo reizvollste Musik- hunderts entdeckt. bilder schafft, die Heinz Dressel und das kammermusi- 14. Februar. Im »54. Lebensjahre starb der Kunst- kalisch virtuos spielende Orchester hier dank sorgsamster maler Georg Wickert. Einfühlung in die unkomplizierte Werkstruktur und das 24. Februar. Es starb im 76. Lebensjahre der frühere lebhafte Kräftespiel der altertümelnden Figurationen, Zeitungsverleger und Buchdruckereibesiter Adolf Motivverwandlungen und klanglichen Steigerungen Rev. Lübeckische Blätter: Herausgeber: Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit ( Pressewart) Verantwortlich für den Text: Professor Paul Brockhaus. Verantwortlicher Anzeigenleiter: Paul Teudt, sämtlich in Lübeck Druck und Verlag von H. G. Rahtgens. Lübeck. Zurzeit ist Preisliste Nr. 5 gültig
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