Full text: Lübeckische Blätter. 1935-41 Beilagenband (77-83)

mich dabei auf die Ausführungen Prof. Wilhelm Stahls (Lübeck)in den, Mitteilungendes Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde“ („Die kleine Orgel der Jakobikirche in Lübeck“, 14. Heft, Nr. 9, August 1923). Wann, von welchem Erbauer und auf wesssen un- mittelbare Veranlassung das Werk entstand, wissen wir nicht. Aus einem Bericht des Organisten und „Werk- meisters“ an St. Jakobi, Jochim Vogel, aus dem Jahr 1636, daß „keine Nachrichtung“ überliefert sei, „daß sie (die , Kleine’ Orgel) in hundert Jahren gehört“, ist zweierlei Interessantes zu entnehmen: zunächst, daß die Orgel also mindestens auf die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts, jedenfalls in wesentlichen Teilen, zurückgeht; dann, daß sie demnach von jeher nur wenig benutzt worden ist. Da ferner im selben Jahr jenes Berichtes 1636 der Einbau des Brustwerks und, aller Wahrscheinlichkeit nach, auch des (frühbarocken) Rück- positivs durch den einheimischen Orgelbauer Friedrich Stellwagen erfolgt ist ~ die Stiftung eines reichen Lübecker Kaufherrn David Lemke , und da außer- dem alle weiteren Arbeiten an der Orgel nicht mit einer weiteren Vergrößerung derselben identisch zu nennen sind, so ist zu schließen, daß Hauptwerk und Pedal die ältesten Bestandteile der Orgel sind, was um so wahr- scheinlicher ist, als der Charakter des Hauptwerks trotz verschiedener späterer Veränderungen durchaus vor- barock ist – im Gegensatz zu dem des Brustwerks und Rückvositivs. Auch entîipräche dieser Tatsache voll- Rückpositiv. Nördlicher Pedalturm und Basis der Hauptfassade der Großen Orgel. repräsentativen, den jeweiligen Geschmackswandel der Zeiten und Geschlechter getreulich spiegelnden Haupt- orgel der Kirche im Laufe der Jahrhunderte stets ein schier vergessenes Dasein fristete, das verhältnismäßig wenig Pflege fand und bedurfte, gerade diese Tatsache ist es, der wir es zu verdanken haben, daß es so rein und unverfälscht seinen ursprünglichen Charakter bis auf unsere Tage hat herüberretten können, wenn auch die Zeiten nicht völlig spurlos an ihm vorübergegangen sind und es in mancher Hinsicht hinfällig geworden war. Auch die wohl schon von Anfang an durchaus nicht in allem und letttem ausgewogene end-gültige Disposition des Werkes ist aus derselben Tatsache zu erklären, daß seine Bestimmung = es diente streng liturgischen Zwecken, als Chororgel für die im Altar- raum gehaltene Messse und die sog. „Marientiden" ~ von jeher eine nur begrenzte gewesen sein mag. Wenn wir späten Nachfahren heute noch — oder wiederum – dennoch von seiner Klangwelt bezaubert sind, so mag das nur als eine Bestätigung gelten für die seither nie wieder erreichte Höhe der alten, klassischen Orgelbau- kunst, die selbst in solchen kleinen und kleinsten Bauten etwas künstlerisch Vollkommenes und Einmaliges zu erschaffen vermocht hat. Es ist notwendig, kurz die Geschichte dieser Orgel zu beleuchten, um die innere Notwendigkeit seiner Wieder- hersteliung, soweit sie erfolgt ist, zu erhellen. Ich stütze Rückpositiv der Großen Orgel. .
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