Full text: Lübeckische Blätter. 1935-41 Beilagenband (77-83)

Die Fertigstellung im März 1940 gibt Veranlassung, kurz auf die Vorgeschichte des Erinnerungsmales und damit des Senatrsbesschlusses einzugehen. Durch die Inflation in den Jahren nach dem Zu- sammenbruch I1918 wurden die Erträgnisse der Stiftungen mit kleinem Rapital infolge der Geld- entwertung so gering, daß sich eine Einzelverteilung der Geldbeträge nicht mehr lohnte, die Verwal- tungsarbeit der zahlreichen Vorsteherschaften und der Stiftungsbebörde stand nicht mehr im Ver- hältnis zum erreichten Zweck. Einem Vorgang der Sradr !Mürnberg folgend, schlug die Stiftungsbehörde 1922 vor, alle Stiftun- gen, Testamente und Legate, deren Rapital weniger als 25 000 Mark betrug, durch Zusammenlegung zu särken und die Verwaltung zu vereinfachen. In seiner Sitzung vom 7. Dezember ]1922 stimmte der Senat diesem Vorschlage zu. Aus 123 Stiftungen später kamen weitere binzu — wurde eine Ver- waltungsgemeinschaft „Vereinigte Testamente“ ge- bildet, deren Vorstebersschaft ehrenamtlich 6 mMir- glieder bilden, darunter ein Geistlicher, ein Rauf: mann und ein Gewerberreibender. Die Stifter, Tamen und Daten, wie sie auf dem Erinnerungsmal verzeichnet sind, folgen bier : Die älteste Stiftung datiert von 1332, es folgen sechs aus dem I 5. Jahrhundert, 38 aus dem 16. Jahrhundert usw. bis in die jüngste Vergangenheit. Beachtenswert ist, daß die tamen zahlreicher Stifter uns heute noch geläufig sind. Die Zweckbestimmung der Stiftungen gliedert sich in folgende Gruppen : ]. Gaben allgemeiner Art an Zilfsbedürftige, Kranke, Bettlägerige, Witwen und Waisen, an Frauen und Jungfrauen (mit der Bestimmung über 40 Jahre), Arbeitsunfäbige, Zausarme, in- valide Seefahrer, Raufleute und Zandwerker. Wilhelm Stein’s Testament 1712 bewilligt „an Io] 2 wirklich arme Wirwen wöchentlich ein Franzbrot zu Mark 0.10’. f § © Stipendien für Studierende. Bedacht sind Lin LErinnerungsmal meistens Theologen und Philologen. .. + v; .. . » Aussteuerbeihilfen und Dienstbotenprämien für für die lübeckischen Testamente, Stiftungen und Legate, längere Dienstzeiten bei Familien in bestimmten aufgestellr 1940 in der Vorhalle des czeiligengeisthospitals Straßen. 4 Zuwendungen für Rirchen und Rirchenbeamte. Im Jahre 1922 erfolgte ein Beschluß des Senats, alle Stiftungen, Testamente Für die Unterbaltung und Reinigung von Grä- und Legate mit Kapitalbeträgen von weniger als 25 990 Mark zu einer Ver- bern und Epitaphien, Aufstecken der Lichter an waltungsgemeinsschaft zusammenzuschließen mit der Bezeichnung „Vereinigte den Gräbern und Beihilfen zu den Mucsiken: Testamente“ und „die Lamen der der Verwaltungsgemeinschaft angehörenden ; Für besondereZwecke: Schulgeldbeibilfen und Zu- Stiftungen durch Verzeichnung auf einer öffentlich aufzubängenden Tafel dem wendungen an Anstalten für Rinder-, Irren-, Gedächtnis der Nachwelt zu erhalten“. Der Beschluß wurde seinerzeit durch- Armen- und Siechenpflege, für ds Wsisenbaus, geführt bis auf die sffentliche Ehrung der Stifter. für Sospitäler und die Schiffergesellschaft. f Die Wiederherstellung. der Kapelle des Seiligengeisthospitals gab die äußere Auf dem fertiggestellten Erinnerungsmal if außer Veranlassung, die geplante Ehrung zur Ausführung reifen zu lassen. Das Zoch- den Mamen der Stifter ein Sinweis auf die Zu- bauamt wurde beauftragt, Vorschläge zu machen ; zur Ausführung wurde die sammenfassung der Stiftungen im Jabre I923 an- Verwendung einer vorhandenen Mauernische als Schriftwand mit Rahmen und gebracht. Als Umschrift auf dem breiten Rahmen bankartigem Sockel und als Werkstoff gebrannter Ton bestimmt. Der Bildbauer stehen die Worte : [ ] Carl RKlippel formte Schrift, Rahmen und Beiwerk, der Tonbrand erfolgte in „Die Mamen dieser Stifter künden vom Gemein: der Sansischen Bau- und Runsttöpferei, Rrempelsdorfer Allee. sinn Lübecker Bürger.“ Dieper
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