Full text: Lübeckische Blätter. 1935-41 Beilagenband (77-83)

Di e deut s h e Rais erkrone Sie verstand es, das Raisertrum zu ihrem weltlichen Arm zu machen. Der Raisser ließ es sich gefallen, daß er die Rrone, das Zeichen seiner Würde, aus geistlicher Sand empfing, und verpflichtete sich dabei zum Schunz der Rirche. Darauf zielt der Lame „eiliges“’ Reich. Leben der Überlieferung des Römerreiches tritt der Ansvruch der Rirche in den Reichskleinodien zutaae + beides stärker als des Reiches Inhalt: das deutsche Volk. Purpurmantel, Stirnreif, Schwert und Szepter sind aus dem Brauchtum der römischen Raiser übernommen, deren Serrschaft sich auf sieg- reiches Feldherrntum gründete. Mit dem golddurchwirkten Purpurmantel angetan und mit dem goldenen Lorbeerkranz geschmückt zog der triumphierende Feldherr in Rom ein, in der Sand das Schwert, das kriegerische Zeichen schlechthin. Der Stab mit dem elfenbeinernen Adler auf der Spitze, der ihm vorangetragen wurde, das Szepter, ist nichts anderes als ein Lanzenschaft. Diese Wahrzeichen des rösmischen Imperiums wandelte nun der kirchliche Gedanke in Formen um, die das abendländische Raisertum geradezu als eine geistliche Würde erscheinen lassen. Der RKronreif, der in Rom erst spät unter orientalischem Linfluß sich aus dem goldenen Lorbeer- kranz der Triumphatoren entwickelt batte, wächst sich zu einem Mittelding zwischen weltlichem Serrscherzeichen und bischöflicher Mitra aus. Tatsächlich wurde dem Raiser in Anbetracht seiner Stellung als Schügtzer der Rirche bei der Rrönung zuerst die Mitra aufgesetzt, die dann aus dem Reifen der Krone herausragte. An den Formen der österreichischen Krone von I1806 ist diese Entwicklung deutlich zu erkennen. Die älteste Raiserkrone aber besteht aus einem Rranz von acht edelsteinbesenzten Goldtafeln von 24 cm 3öhe, in der Scheitel- richtung überwölbt von einem ebenfalls aus Tafeln zussammengesserzten Bügel, an dessen Ansazzstelle über der Stirn ein stattliches Rreuz die kirchliche Bedeutung der Raiserwürde augenfällig macht. Das Rreuz trägt rückwärtig das Bild des Lrlösers, die Platten der eigentlichen Rrone aber sind bezeichnenderweise mit lauter alttestamentlichen Gestalten – Rönigen und Propheten — geschmückt. Unter dem Breuz ist der „Waise“ eingesent, jener berühmte große Edelstein von besonderer Rostbarkeit, nach dem man auch die ganze Krone bezeichnete. So siebht die sagenumwobene „Rrone Rarls des Großen“ aus. In Wirklichkeit hat sie nie auf dem Sauvpt des aroßen Franken geruht. Stil wie Bügelinschrift verweisen sie in die Regierungszeit des Saliers Ronrads II. (1024—]039). Moch stärker als die Rrone zeugt das Reichskreuz vom geistlichen Einschlag des Raisertums : ein förmliches Altarkreuz, einen angeblichen Splitter vom Rreuz Christi und andere Reliquien enthaltend. Die kaiserlichen Gewänder gar sind ganz dem Stil priesterlicher Tracht an- gepaßt; sie bestehen aus einem Chorbhemd (Alba), der festlich roten Dalmatika, einem Pontifikalgürtel und dem Raisermantel in der Form des priesterlichen Pluviale. Die Schmuckmotive des Raisermantels aber sind sarazenischen Ursprungs : Co mmerrisch füllen zwei stilisierte Löwen, ein Ramel schlagend, die beiden Rreisviertel zu Seiten eines Palmbaums aus. Mit kostbaren Steinen besetzt sind die kaiserlichen Sandschube + ebenfalls ein Stück des priesterlichen Ornats ! ~ wie die Schuhe, deren rote Farbe wiederum auf die Tracht der römischen Senatoren zurückgeht. Der Reichsapfel ist ein altes Serrscherzeichen, das den Anspruch auf Weltherrschaft ausdrücken will. Schon im vierten Jahrhundert erscheint er bei den römischen Raisern vom Kreuz überragt. Auch bier tritt wieder die Rirche in den Vordergrund. Das Schwert, sollte man denken, ist reines Zeichen der Serrschaft, kriegerischer Serrschaft. Aber nein, die Rirche biegt auch es zum kirchlichen Wahrzeichen um, indem sie es dem Raiser bei der Krönung als .Verteidiger des Glaubens“ überreicht. Im Gegensan zu dem leichtgebogenen sogenannten S&hel Rarls
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