Full text: Lübeckische Blätter. 1935-41 Beilagenband (77-83)

im Dom sind schöne Jeugen nicht nur für die sichere Beobachtung und Darstellungsgabe Mildes, sondern zugleich für das innere Verständnis das er diesem Werk der Spätgotik entgegenbrachte. Kin paar Gewandstudien aus der Dresdener Zeit, die sich durch ein über- aus feines Gefühl für die Linie auszeichnen, und das reizende Aquarell, auf dem Lrwin Spectkter fleißig arbeitend in seinem hellen, lufterfüllten Münchener Atelier dargestellt ist, repräsentieren das Schaffen des Künst- lers während seiner akademischen Lebrjabre. Von ganz besonderem Reiz sind die Porträtstudien aus dieser Zeit, vor allem die Knaben- und IJünglingsköpfe, in denen die schwärmerissche Begeisterung jener roman- tischen Generation ihren ,bildnisbhaften‘’“ Ausdruck gefunden bat. Rumodbr batte gesagt: „Geht nicht nach Italien, ehe Ihr etwas unter den Füßen babt + ich meine, ehe Ibr fest entschlossen seid, was Ihr werden wollt und wie Ibr es werden wollt; überbaupt nicht, che Ihr in Deutschland etwas Tüchtiges geleistet habt“*s. In Dresden und München batte Milde eifrig an sich gearbeitet, um + mit Speckters Worten gesagt + ,als Mensch wie als Künstler (denn das ist ja so eng verbunden) ein recht tüchtiger, ordentlicher, christlicher Kerl“ zu werden. Als Milde sich nun nach Abschluß seines Studiums in Deutschland ent- schloß, nach Italien zu zieben, war es eine Selbstverständlichkeit, daß er Rumobr von seinen Plänen unterrichtete**. Erstens wollte er sich damit beschäftigen, die kunstgeschichtlich merkwürdigen oder durch ibren Er- baltungszustand bedrohten Runstwerke zu kopieren, damit sie der Folge- zeit erbalten blieben (!); sodann beabsichtigte er vor allem, solche Sachen anzuseben, die in das dekorative Fach schlugen und nahm sich vor, die Römische Porträtstudie . Zeichnung Ausgrabungen in Pompeji und die Werke des I15. und I16. Jahrhun- derts recht qaründlich Fennenzulernen. Wie seine zablreichen St udien und Skizzen beweisen, bat er alles dieses mit der größten Sorgfalt und Gewissenhatf- tigkeit durchgeführt. MosaikfußbSöden, de- kForative Wandmalereien, Landschaften. Bildnisse, Gewandstudien, Kopien kunst- bistorischer Denkmäler und freie Skizzen füllen die Mappen aus der italienischen Jeit. Als Rumohr seinem jungen Freunde mabhnend mit auf den Weg gab, daß Italien für viele ein Verderben gewor- den sei, batte er dabei sicher nicht an MGverbeck gedacht. Und doch lag gerade bier die Gefabr für Milde, bei dem die Bewunderung für das geistige Ober- baupt der Lukasbrüder nur allzu leicht zu sklavischer Abbängigkeit und künstle- rischer Unselbständigkeit bätte führen Fönnen. Wir müssen aberMildes mensch: liche, sowobl als auch künstlerische Lei- Nung um so mehr bewundern, weil er diese für ibn wirklich große Gefahr überwun- * Erwin Speckter, Briefe eines deutscher Rünstlers aus Italien, Leipzig 1846, S. XV1. „ pz Y ** Ronzept eines Briefes von Milde an Faunenfamilie . Zeichnung . 1832 Rumeobr auf der Stadtbibliothek in Lübeck
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.