Full text: Lübeckische Blätter. 1911 ; Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1911 (53)

740 Herr Langefeld auf die Bühne, in der Charakteristik Mignon. Oper von A. Thomas. scharf umrissen, doch ohne vergröbernde Zutaten, die uns Der Name Sigrid Arnoldson übt auf unser diese mit ausgesuchter Bosheit gezeichnete Figur noh Publikum noch immer große Anziehungskraft aus. unsympathischer machen würden. Ein Kabinettstik. HSeit langer Zeit durfte man sich wieder einmal an der nie an der Oberfläche bleibenden Kunst des Herrn einem vollen Hause erfreuen. Ich fürchte allerdings, von Schenck war der Meßner. Die kleineren Rollen daß viele enttäuscht nach Hause gegangen sind. Die Angelottis und Spolettas fanden Æ in den Herren Mignon des Gastes erhob sich, soweit ich die Oper Fabian und Schorn gute Vertreter. Den vollkommen“ hjören konnte, nicht über den anständigen Durchschnitt, überflüssigen Hirten sang Fräulein Voß, die man im lieb gesanglich aber hinter dem zurück, was wir von übrigen gern einmal in einer großen Rolle hören ceinheimischen Kräften an der gleichen Stätte oft genug möchte. Mir scheint, daß die Stimme der Sängerin hÿören durften. Begeisternd vermag die Künstlerin in ernstere Berücksichtigung verdiente. Hustimmig er‘ dieser Rolle nicht mehr zu wirken, weil ihrem Organ klären konnte man sich der Inszenierung der Oper die Süße und Innigkeit fehlt, dem Spiel im ersten durch Herrn Beyer. Wenn die Raumverhältnisk! HYkte auch die rechte Herzenswärme Das Marko unserer Bühne eine andere Lösung des gedrückten. fonnte auch die feingeschliffene Technik einer Mme. Bühnenbildes im ersten Aufzuge ermöglichten, würdel KArnoldson nicht verdecken. Fräulein Mara sang die ich das allerdings für einen Vorzug halten. Unser hPphiline mit glücklichem Erfolge, so daß das Engage- Publikum sollte die unendlichen Mühen der Ein- went der Sängerin zu befürworten ist. Daß sich im studierung dieses interessanten Werkes nicht so] cegatogesange die Mängel ihrer Technik am fühlbarsten ignorieren, wie es am Sonntag wieder geschah. zeigen, konnte man auch in dieser Rolle beobachten. Zar und Zimmermann. Komische Oper von €Erstes Konzert der Lübecker Kammermusiktver- Lortzing. – Aida. Oper von Verdi. einigung. Als van Bett bewarb sich Herr Hand vom Elber-, An die Spitze des leider viel zu wenig besuchten Kon- felder Stadttheater um die durch den Fortgang des] gjertes hatten die Herren Musikdirektor Hofmeier, Konzert- Herrn von Schenck eintretende Vakanz des Baßbuffos. meister Ruyter-Korver und Corbach die Trio-Novelletten Einen vollwertigen Ersat für unsern jetzigen ausge-‘ cp. 59 von Theodor Kirchner gestellt. Ich bin dieser zeichneten Vertreter dieses Faches werden wir in dem fein organisierten Musik, sür die die Luft des Konzert- Gasste nicht haben, aber zweifellos dürfen wir in ihm saales fast zu rauh ist, bislang nicht begegnet. Aber einen Sänger schätzen, der über eine gut ausgeglichene nichts konnte erfreulicher sein, als die Bekanntschaft Stimme von genügendem Umfang und eine gute. wit diesen sich ganz in der Welt der Romantik be- Portion gesunder, von innen herausquellender Komik wegenden Kompositionen zu machen, trozdem sie ihre verfügt, die bei zunehmender Verfeinerung an äußerer ganzen Reize erst beim Musizieren im intimsten Wirkung nur noch gewinnen kann. Kreise enthüllen dürften. Was wir an dem Klavier- Ähnlich günstig vermag ich über Herrn Lang poeten Kirchner schätzen: die noble Erfindung und die vom St. Gallener Stadttheater zu urteilen, der feine Grazie seiner Miniaturmusik, wird man auch den Radamés in Verdis ,„Arïda“, ebenfalls auf diesen Novelletten, von denen die Herren neun zu (Engagement, sang. Die sicher entwicklungsfähige. einem duftigen Strauße gebunden hatten, zusprechen. Stimme des Gastes entfaltet ihre besten Vorzüge in Das liebevolle Versenken in die Schönheiten dieser der tieferen und der Mittellage, entbehrt aber in der weichen, einschmeichelnden Tonsprache bildete einen Höhe noch des sinnlichen Glanzes und des Schmelzes, Vorzug in der Wiedergabe dieser prachtvollen Musik. auch der Ausgeglichenheit der Register. Aber das Auch Karl Grammanns c:moall.Trio op. 27 bildete sind technische Mängel, die ein fleißiger und streb- für die meisten, wenn nicht alle Besucher des Konzertes samer Künstler zu überwinden vermag, wenn er mit eine Novität. Daß der Prophet nichts in seinem ernstem Wollen an ihre Beseitigung herantrit. Das HVaterlande gilt, haben manche schon erfahren müssen. Zeug zu einem Heldentenor hat Herr Lang jedenfalls, Auch unser Landsmann. Und doch, scheint mir, tun und wenn die Direktion nicht noch andere ernsthaft] wir ihm bitter unrecht. Wer ein solches Adagio zu nehmende Bewerber an der Hand hat, möchte ih schreiben konnte und ein so lebensprühendes, geistreiches ihr empfehlen, den Künstler zu verpflichten. Ich glaube, Scherzo wie in diesem Opus sollte nicht so auffallend daß wir eine Kraft gewönnen, an deren Entwicklung vernachlässigt werden. Ich gebe ohne weiteres zl, wir Freude hätten. Die Aida sang Frau Pfeiffer daß das Trio nicht in allen Säten auf gleicher Höhe Rißmann mit verständiger Ausnutzung ihrer nichh steht. Wagnerscher Einfluß verleugnet sich weder im mehr üppig blühenden Stimmittel und mit glänzender, ersten Allegro noch im Finale, das zudem durch das vorbildlicher Technik. flache Seitenthema auch sonst nicht dem Besten zugt
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