Full text: Lübeckische Blätter. 1911 ; Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1911 (53)

m- Schon kürzlich wurde in diesen Blättern auf das. Wildeschen Figuren ziemlich ungestört hingeben. Auch em Segensreiche der neuen Einrichtung hingewiesen, im Konversationston bewährte unser neues Ensemble u regelmäßig jeden zweiten Sonnabend Schauspiel- den schon neulich gerühmten Vorzug einer deutlichen lis, aufführungen bei kleinen Preisen zu bringen, wobei Aussprache, und daß die Pointen öfters ein wenig liü: klassische und volkstümliche Stücke bevorzugt werden gewichtig und breit gebracht wurden, ist im Interesse sollen. Eine erfreuliche Wirkung dieser Einrichtung der unmittelbaren Verständlichkeit eher ein Vorzug ci sowie der wesentlich vereinfachten Ausgabe billiger zu nennen, als daß man den Darstellern daraus anz Schülerkarten zeigte sich nun bereits: die Jugend einen Vorwurf machen dürfte; ist es doch ohnehin mir war in Scharen erschienen und ein herzlicher Beifall schon nicht ganz leicht, dem von Paradoxen strotzenden and aufrichtiger Begeisterung erscholl, der so ganz anders Wildeschen Dialog unvorbereitet mit vollem Ver- des klingt als die forcierten Ovationen für diesen oder ständnis zu folgen. Dr. Schlodtmann. lich, jenen Favoriten unter den Künstlern. Hier ist ein Die Königskinder. Oper von E. Humperdinck. irde Weg eingeschlagen, der zu hohen gielen führen. Wenn man die lange Reihe musikdramatisscher das kann. Wenn in unserer materialistischen Zeit, die Werke betrachtet, die nach Richard Wagner um zum so arm g" Idealen ist, wenigstens bei einem Teil sueritden Bühnenerfolg rangen, haftet unser Blick tage unserer Jugend der Sinn .und das Interesse für nur an wenigen, die vom Glücke begünstigt waren, mit das „Gute, Wahre, Schöne in unserer klassischen vielleicht nur an einem einzigen, das unserm Volke rgen und zeitgenössischen Literatur erweckt und wachgehaltee. ys Herz gewachsen ist, an Humperdincks „Hänsel tete wird, 'so ist das ,ein Stück Kulturarbeit, wosür wir j ud Gretel“. Entstanden in der blutrünstigen Heit der unserer neuen Direktion nicht dankbar genug sein gs junzitalienischen Verismus, lehrte uns diese Oper, Ent: können. Möchte dieser Dank doch in unterstützende die ihre Wurzeln auch in den kräftigen Boden des ilein Tat umgeseßt werden. Volksliedes senkt, wieder den Glauben an deutsche Aus- Eine Frau ohne Bedeutung. Schauspiel von Eigenart, an die Romantik des Waldes und an die Hero Oscar Wilde. Zauberkraft des Märchens. Wenn ein Zurückebben ebes- Daß man an die satirischen Gesellschaftsstücke des der unheilvollen veristischen Bewegung eintrat, wenn ima Jren Oscar Wilde nicht den Maßstab anlegen darf, man sich darauf besann, daß es schönere und edlere agen den wir an ein ernstes Schauspiel anzulegen gewohnt Aufgaben gibt als die Verherrlichung der niedrigsten tische sind, habe ich schon bei Gelegenheit der Aufführuug dHYnstinkte im Menschen, gebührt das Verdienst dafür ;chon seines idealen Gatten ausgeführt. Man würde sich Engelbert Humperdincks Erstlingsoper. Diese mussik- Sen- mit solchen Forderungen nur des Vergnügens be. geschichtliche Bedeutung hätte man seinen „Königs- wir rauben, das uns der Dichter zugedacht hat. Wilde kindern“ nicht zusprechen können, auch nicht für jene scheint gar keinen dramatischen Ehrgeiz besessen zu geit der unbestrittenen Herrschaft eines Mascagni ichten haben, seine Technik ist gauz primitiv und altmodisch, und Leoncavallo. Die Schuld liegt nicht auf den tern. und es ist äußerst merkwürdig, wie dieser glänzende Schultern des Komponisten, der auch in der am Montag mehr Geist, der in seinen übrigen Werken ein so feines. hjier zuerst aufgeführten Oper sein Bestes gibt. Gewiß nders Gefühl für Stil zeigt, in seinen Komödien in so hat Ernst Rosmer Bernstein, die Librettistin, in der ander hohem Grade anspruchslos sein konnte. Offenbar ist HVahl des Stoffes an sich eine glückliche Hand bewiesen, anzen es ihm hier allein auf Satire und witzigen Dialog aber höher wird man Adelheid Wette schäten, die pußte angekommen, und nur von diesem Gesichtspunkte aus Humperdinck die textliche Unterlage für sein erstes läßt wollen seine Dramen genossen werden. So isst auch Bühnenwerk lieferte. Denn sie bewahrt den naiven ungen seine Frau ohne Bedeutung eine geistsprühende Satire Märchencharakter, während Ernst Rosmer sich sein seines auf die englische Gesellschaft und sieht sich so fesseend giel weiter setzte, ohne indes dichterische Kraft genug tollen, und amüsant, daß man gar nicht zum Nachdenke. zu besitzen, um es auch erreichen zu können. Was p am über die inneren Mängel kommt, sondern sich allèn sympathisch an der Dichtung wirkt, wird zu einem insten dem Vergnügen der Unterhaltung hingibt. nicht geringen Teile erstickt durch den allzu kräftigen zelnen Die Aufführung unter der bewährten Regie Fus seutimentalen Einschlag und mehr noch durch die wenig leistete alles, was man hier billigerweise verlangen wohl angedeutete aber nirgends klar herausgearbeitete jaffene kann. Wenn man darauf verzichtete, echte englische Symbolik der Handlung. So naiv ist kein Hörer, innen. Gesellschaftstypen vor sich zu sehen + man kann daß er nicht auch an vielen Stellen der Dichtung die inigetn ). B. von Frl. Gerlach nicht verlangen, daß sie die Frage nach dem Warum stellte. Die Dichterin gibt hrigen Ilusion einer Lady der Londoner Aristokratie erwedt,, ihm darauf keine Antwort, sondern überläßt ihn der schikos die deutsche Kleinstädterin bleibt die Domäne, innere. Pein, in der verworrenen und logisch anfechtbaren jreisen- halb deren sie zu ergötzen versteht ~~, konnte man sich Handlung, soweit überhaupt von einer solchen die Rede nt. der im allgemeinen gelungenen Charatteristik der sein kann, die Fäden aneinanderzuknüpfen. Daß darunter FK 2
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