Full text: Lübeckische Blätter. 1911 ; Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1911 (53)

582 einandergehalten. Man darf aus so wenigen Zahlen Probe gegeben hatte, voll zu entfalten. Eine sym- natürlich nicht ohne weiteres verallgemeinern,’ dennoch pathische Erscheinung mit weichem, modulationsfähigem reden die Weiskopfschen wohl recht deutlich von dem Organ und harmonisch ausgeglichenen Bewegungen, engen Zusammenhang zwischen den Schulnöten und gebietet sie über Töne von ganz wunderbarer Innig- den sozialen Zuständen. Selbst die gründlichste Schul- keit, deren echter Klang nicht bloß unser Ohr um- reform wird keinen genügend festen Boden unter den schmeichelt, sondern zu Herzen dringt; und nur — Füßen gewinnen können, wenn nicht eine Besserung um auch eine Grenze ihrer schönen Gaben anzudeuten der Verhältnisse, in denen die Eltern leben, zugleich — im höchsten Affekt scheint das Organ. nicht ganz erzielt werden kann. (Kunstwart.) auszureichen. Zu Beginn des Stlickes denke ich mir t die Hero mehr in einem seelischen Dämmerzusstand Theater und Musik. befangen, in dem die mit ihrem kleinen Reich des Des Meeres und der Liebe Wellen. Trauer- Tempeldienstes Verwachsene etwas weniger beweglich, spiel von Grillparzer. etwas schlichter und herber in Wort und Gebärde Grillparzers Herotragödie ist nach der ziemlich sein könnte. Sehr schön dagegen kam die durch das allgemein herrschenden Anschauung die vollendetste Erscheinen Leanders erweckte Leidenschaftlichkeit zum deutsche Liebestragödie. Vielleicht ist. das trotzdem Ausdruck, die die eigentliche Natur Heros erst zutage richtig. Denn obgleich es mir als. ein Ausdruck treten läßt: jene keusche Sinnlichkeit, die sich mit überschwenglicher Begeisterung erscheint, wenn einzelne naiver Selbsstverständlichkeit gibt „Komm morgen Stimmen dieses tragische Idyll dem jauchzenden und denn!“. Die lyrische Szene im Turmgemach bedeutete schluchzenden Nachtigallenlied von Verona gleichsetzen, den Höhepunkt der Darstellung. Doch auch in der so birgt es doch eine solche Fülle von echter Poesie Wiedergabe der tragischen Erschütterungen der Ent- und bester Stimmungslyrik, daß man dadurch für täuschung, des Schmerzes, der Reue zeigte Fräulein eine gewisse Armut an dramatischer Bewegung reichlich Wuttke eine beachtenswerte Mannigfaltigkeit im Aus- entschädigt wird. Auch machen sich hier weniger als druck, und eine folche ist um so notwendiger, als Hero in andern Werken des Dichters die Auswüchse der ja nicht von der elementaren Gewalt des Liebes- Grillparzerschen Verssprache bemerkbar, jener immer schmerzes überwältigt an der Leiche des Geliebten prima ein wenig auf Stelzen gehenden Sprache, die so vista entseelt hinsinkt, sondern einen, wenn ich so sagen beladen mit Tropen, prunkenden Bildern und pathe- darf, fraktionierten Tod erleidet, der die dramatische tischen Wendungen ist, daß der Hörer, über den sich Wirkung notwendigerweise abschwächen muß. Schon der Strom der Rede ergießt, gar nicht Zeit hat, das jetzt läßt sich erkennen, daß wir in unserer Sen- Gehörte geistig zu verarbeiten, zumal. seine Ver- timentalen eine Krast erworben haben, zu der wir standestätigkeit durch den gleichmäßig melodischen uns beglückwünschen können. Fluß der Verse in eine Art süßer Lethargie gelullt Herrn Schürers Leander entsprach den Absichten wird, die dem Denken nicht förderlich ist. des Dichters: „Unentwictelte Dumpfheit, schüchtern. Bei Shakespeare ist der Mann der Held, bei Im dritten Akt soll sich Heros Leideuschaft mehr Grillparzer ists das Weib. Wie Heros bei aller selbsttätig entwickeln, als daß sich Leander besonders jungfräulichen Herbheit ganz naiv-sinnliche Mädchen- tätig dabei erwiese. Frisch, tatkräftig soll Leander seele aus den sicheren Bahnen ihrer Selbstgenügsam- nur im vierten Akt sein." Das war alles im ganzen keit herausgeworfen wird, wie sie, vom Schwindel richtig getroffen. Ob die Beschränkung bewußte einer leidenschaftlichen Liebe erfaßt, alles um sich her Absicht oder aus der Not geborene Tugend war, läßl vergißt und mit allen Fasern ihres Denkens und sich noch nicht entscheiden, ein Urteil über den jungen Fühlens allein an dem Gegenstand ihrer heißen Zu- Darsteller werden wir erst nach andern Proben seines neigung hängt, wie sie, um das ersehnte Liebesglück Könnens gewinnen. – In so gemessenen Rollen, betrogen, die Tragik des „Zwiespalts zwischen Gemüt wie dem Oberpriester, sehe ich Herrn Brunow am und Leben“ erfahren muß und daran zugrunde liebsten, weil da seine schönen Mittel am reinsten geht, das alles wird mit der tiefen Kenntnis der zur Geltung kommen. Gelänge es ihm, an einzelnen weiblichen Psyche behandelt, die Grillparzer eigen ist, Stellen das deklamatorische Pathos noch ein wenig wird in den zartesten Tönungen ausgemalt und mit mehr zurückzudämmen, könnte die von ihm geschaffene dem duftigsten poetischen Zauber umkleidet. Gestalt an Wahrheit und Würde noch gewinnen. Die Gestalt der Hero restlos auszuschöpfen isl Mit seiner Regie durfte man, abgesehen von einigen keine leichte darstellerische Aufgabe und verlangt eine Äußerlichkeiten, einverstanden sein. +~ Von den übrigen recht umfangreiche Skala von Kunstmitteln. Sie bot Mitwirkenden seien noch Herr Hoß als etwas burschikos Fräulein Wuttke Gelegenheit, ihre Fähigkeiten, von angelegter Naukleros und Herr Nowak als Heros greisetr denen sie schon als Skules Tochter eine vorläufige hast geschwätziger Vater mit Anertenuung genannl.
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.