Full text: Lübeckische Blätter. 1911 ; Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1911 (53)

530 zur Mitarbeit wäre zum Besten der vaterländischen ' seinen gemacht werden. Die Forderung lautet nun Monumentalkunst ohne Zweifel aufs innigste zu nicht mehr, wie es in der Denkschrift des B. D. A. wünschen. Auch wirtschastliche Erwägungen sollten heißt: „Heranziehung der befähigten, freischaffenden gegen die unbeschränkte Herrschast der jetzigen Bau- Baukünstler zur Mitarbeit an den Bauaufgaben des ämter sprechen. Nach unsern Ermittlungen ver- Staates und der Kommunen“, sondern einfach brauchen die staatlichen und besonders die städtischen „Heranziehung d e r Privatarchitekten zu diesen Auf- Bauämter für die Ausarbeitung der Entwürfe ihre. gaben“. — Soweit sind wir jezt in Lübeck, und Hochbauten sowie für die gesamte Bauleitung weit diese Verschiebung des guten Gedankens des B. D. A. höhere Summen, als solche den Privatarchitekten für erscheint uns im Interesse der Entwicklung unserer eine gleiche Arbeitsleistung nach der gültigen Ge- Baukunst + von einer „vaterländischen Monumental- bührenordnung zustehen würden. Der durch die kunst“ gar nicht zu reden ~ und im Interesse der aufreibenden Pflichten seiner Verwaltungstätigkeit zu einer Mitarbeit an den Bauaufgaben der Zukunft in Anspruch genommene Vorgesetzte eines Hochbau- berufenen freien Baukünstler sehr bedauerlich. amts ist selten in der Lage, gleich dem Privatarchitekten In Lübeck gibt es eine ganze Reihe von Privat- seine Hilfskräfte in wirksamer, zur Erreichung der architekten. Sie haben sich zu einer wirtschaftlichen höchsten Leistungen erforderlicher Weise anzuspannen, Interessenvertretung, dem „„Verein der Privat- auch ist er in der Auswahl brauchbarer Gehilfen fast architekten“, zusammengeschlossen. Stünde diese niemals frei, da er mit festangestellten Technikern zu Vereinigung ganz auf dem Boden des B. D. A, so arbeiten hat. Es ist daher unsere sichere und wohl wäre einer Heranziehung aller dieser künstlerisch begründete Überzeugung, daß der Staat und die Ge- befähigten freien Architekten zu Bauaufgaben unseres meinden am allerbesten fahren würden, wenn sie die Staates aus den von der Denkschrift angeführten Entwurfstätigkeit in weiterem Umfange als bisher den und durchweg, wenn auch nicht in allem zutreffen- Privatarchitekten überließen, wie das auch bei einzelnen den Gründen wohl zuzustimmen. Jeder Kenner Verwaltungen noch mit Erfolg geschieht (so z. B. unseres Bauwesens, jederHandwerker und jeder Bauherr bei den Staatsbauten des Königreichs Sachsen) und bei weiß, und wir scheuen uns nicht, das offen auszu- andern(Hansestadt Lübeck) in Aussicht genommen ist.“ sprechen, daß unter den lediglich zu wirtschaftlicher Der Bund Deutscher Architekten ist, wie wir zur Interessenvertretung zusammmengeschlossenen hiesigen Erklärung hinzufügen möchten, eine Vereinigung von Privatarchitekten nicht jeder zu denjenigen Architekten selbständigen Baukünstlern, die besonderen Wert auf gerechnet werden darf, die die Denkschrift des B. D. A die künstlerischen Qualifikationen ihrer Mitglieder allein meint. An ihren Werken ist das zu erkennen. legt. Der Titel Architekt steht nicht unter gesetzlichem Zweifellos ist ein Teil unfrer Privatarchitekten Schutz, irgendwelche Vorkenntnisse oder ein Befähigungs- künstlerisch befähigt. Es kann uns auch gleichgültig nachweis wird für einen Architekten im Bauwesen sein, ob sie dem B. D. A. angehören, wenn sie nicht gefordert. So ist der B. D. A. jebensosehr nur diejenigen künstlerischen Eigenschaften entwickeln gegen die Mißstände und die Unfähigkeiten inner- die die Vorbedingung der Tätigkeit der B.-D.-A; halb des ganzen Berufskreises, der sich Architekten- Mitglieder und der Forderungen der Denkschrift des t ru ttt? JtersS ). tj1e Et RCM to gründet. Die Bestrebungen des B. D. A, wie sie in der deren künstlerische Qualitäten nicht einwandfrei Find, auszugsweise mitgeteilten Denkschrift klargestellt sind, ausgedehnt werden, so fällt die Forderung der finden den Beifall und die Unterstützung aller derer, denen Denkschrift in sich selbst zusammen, weil ihre Grund- die Hebung unserer in den lezten Jahrzehnten leider bedingungen nicht erfüllt sind. Das Bauwesen stark prostituierten Baukunst am Herzen liegt. Eine unseres Staates kann nicht jedem beliebigen Archi nicht geringe Gefahr für unser Bauwesen liegt nun tekten, weil er nun einmal „nach bequemem Alltags aber darin, daß der Laie zwischen Architekt und sprachgebrauch sich so zu nennen beliebt“, aus Architett nicht unterscheiden kann. Zwar gibt die geliefert werden. Ebensowenig darf es ihm aus- Bezeichnung B. D. A.,, die die Mitglieder jenes geliefert werden, weil er Mitglied einer wirtschaft Bundes hinter ihren Namen seten, eine gewisse Ge- lichen Organisation ist, die es mit Geschick verstanden währ; das Publikum spricht und denkt aber nur vom hat, die Öffentlichkeit und die maßgebenden Körper Architekten im allgemeinen, und es ist ferner leicht schaften für ihre wirtschaftlichen Interessen zu er erklärlich, daß die von den künstlerisch befähigten wärmen. Sondern, da Kunst von „Können. Architekten aufgestellten Maximen nun ohne weiteres. herkommt, so muß er zuvor sein Können einwandfre! von jedem Architekten - einerlei, ob er künsté. bewiesen haben, und nur unter denen, die wirklich ihre lerische Qualifikationen besitzt oder nicht + zu den Kunst gezeigt haben ~ und Kunst ist dabei frei von
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