Full text: Lübeckische Blätter. 1911 ; Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1911 (53)

– ..4 = er hat unter dem Beifall eines Teiles der Wenn dann gesagt wird, daß die jungen Leute Herren gefragt, was ich denn gesprochen hätte. paolitisch noch nicht reif wären, daß es auch Ich lasse mir von keinem über meine Reden yjjuristisch unmöglich wäre, ihnen das Wahlrecht Vorschriften machen, weder von Herrn Klein, zu geben, wenn noch andere Sachen für diese noch sonst jemand, wie auch ich niemand Vor- Beschränkung aufgeführt werden, dann darf ich schriftten mache über das, was er reden will. Sie wohl darauf aufmerksam machen, daß unter Allerdings muß ich das sagen, daß ich jederzeit Umständen Fürstensöhne schon mit 18 Jahren bestrebt gewesen bin, die Interessen derer wahre für majorenn erklärt werden und dann schon das zunehmen, die heute durch das Wahlgeseß zu Recht haben, gegebenenfalls ein großes Volk zu einem nicht geringen Teile ihrer Rechte beraubt regieren. Nun werden Sie allerdings der Mei- worden sind. Das ist meine Pflicht und Schuldige nung sein, daß wir das nicht miteinander ver- keit, und ich glaube, daß ich damit in wirklich gleichen dürfen. Das sind aber doch auch nur liberalem Sinne handle, wenn ich das tue. Menschen, genau so wie wir, wenn sie auch aller- Allerdings sind die Begriffe über den Libe- dings in der Wahl ihrer Eltern etwas vor- ralismus anscheinend zwischen Herrn Klein und ssichtiger waren als wir. Wenn dann das schwie- mir recht verschieden. Dann hat Herr Klein die rige Amt des Regierens von I8jährigen jungen Behauptung aufgestellt, es handle sich um Menschen ausgeübt werden kann, wenn man Jie Schlagwörter im Volksboten, die nur zur Be- für reif hält, dieses wichtige Amt, das heute ja törung der Massen dienen sollten. Ich untere. im Umherziehen betrieben wird, wie Sie wissen, streiche nochmals das, was mein Freund Herr zu bekleiden, sollte man auch konsequent sein Dr. Schlomer ausgeführt hat (Zuruf) ~ ich und sagen, daß den jungen Leuten, die nicht sage ausdrücklich, mein Freund Dr. Schlomer, einmal alle den Proletarierkreisen entstammen, auch wenn es Sie aufregen sollte. Mit vollem mit 20 Jahren das Recht eingeräumt werden Nachdruck werden wir dafür eintreten, daß wir muß, wählen zu dürfen. Sie verlangen auch hier ein gerechteres Wahlrecht bekommen, daß von diesen jungen Leuten, daß sie schon mit endlich einmal ein Recht für die eingeführt wird, 20 Jahren eventuell ihr Leben in die Schanze auf deren Schultern Jhre ganze wirtschaftliche sschlagen. Wenn es jetzt aus Anlaß des Marokko- Existenz ruht, das Wahlrecht, das ihnen gebührt. rummels zum Kriege gekommen wäre, wären Denn was wären Sie denn ohne die Arbeiter ? die 20jährigen jungen Leute verpflichtet ge- Nichts! Und diesen Arbeitern, denen Sie ge- wesen, auch ihr Leben zu lassen. Wenn Sie das wissermaßen Ihr manchmal schönes Dasein ver aber im Interesse des Vaterlandes tun müssen, danken, gewähren Sie keine Rechte. Da sagen dann sollte man ihnen auch mindestens soviel Sie, wir werfen ihnen ein paar Brocken hin, und Urteilsfähigkeit zutrauen, daß man ihnen das damit haben sie genug. Nun sagt Herr Klein, Wahlrecht gewährt. Nun wird von Herrn Klein und das war sein einziger Rettungsanker, daß weiter gesagt, daß dieser heutige Antrag nichts das Wahlrecht nicht an diejenigen verliehen anderes darstellt als das Ergebnis unserer werden dürfe, die erst 20 Jahre alt seien. Herr langen Beratungen über die Verfassung. Ich Klein hat hier bei dieser Gelegenheit allerhand will Jhnen nur das sagen. Soweit es sich um Mätzchen erzählt, und er hat damit nach meiner den Verfassungsantrag handelt, der die Reform Überzeugung den Beweis erbracht, daß er sich der ganzen Verfassung gewissermaßen fordert, außerordentlich gut eignet für die Richtung, die. werden wir damit zu dem Zeitpunkte kommen, man im allgemeinen als München-Gladbache wo es uns gefällt. Dieser Antrag hat nichts in Zentrumskreisen bezeichnet. Aber das eine damit zu tun. Wir werden damit zu dem gzeit- will ich gleich sagen. « Wenn die Sozialdemokratie punkt kommen, wo vielleicht die Situation sich dafür eintritt, daß das Wahlrecht auch an ale. etwas anders gestaltet. Wenn Herr Klein dann diejenigen verliehen werde, die das 20. Lebens- sagt, daß uns jeder Buchstabe unseres Pro- jahr überschritten haben, dann leiten uns da au gramms heilig sei, so sage ich ja. Unser Pro- ganz selbstverständliche Gründe. Zunächst let gramm ist uns heilig. Wir sind Männer und man dadurch diesen selben Leuten Pflichten der keine Waschlappen, die gegebenenfalls ihren verschiedensten Art auf. Denken Sie nur an Mantel nach dem Winde drehen. Wir sind der das Steuerzahlen. Wenn man aber von jemand Meinung, daß man, wenn man heute einer verlangt, daß er seine Pflicht als Steuerzahler Partei angehört, die Grundsäte und das Pro- erfüllt, dann soll man ihm auch Rechte geben. gramm derselben auch unter allen Umständen G68
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