Full text: Lübeckische Blätter. 1911 ; Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1911 (53)

7.9 – Uerhandl. d. Bürgerschaft am 18. Sept. 1911. erreicht, was er erreichen kann, so daß er nicht obert hat. Es sind Versuche von seiten der Re- höherste igen kann. Die Arbeiter sind auch gierung gemacht worden, aber sie hat diese schon bei der Wanderschaft in den verschiedensten Versuche wieder aufgeben müssen, weil sie Ländern herumgekommen, haben Erfahrungen wegen ihrer Geringfügigkeit nicht durchgeführt gesammelt; sie haben überhaupt dann schon ihre werden konnten. Wenn aber erst das preußische wirtschaftliche Selbständigkeit begründet. Gerade HWahlrecht demotratisiert ist, werden auch Sie Sie haben immer bei der Begründung Jhres folgen müssen, davon bin ich fest überzeugt. plutokratischen Wahlrechtes hervorgehoben, daß Deshalb möchte ich Sie bitten: Warten Sie die Grundlage desselben die wirtschaftliche Selb- nicht so lange, bis die Empörung der Lübecker ständigkeit sein müsse. Aus diesem Satze müßte Arbeiter zum Sieden kommt! für Sie folgen, daß, wenn die Arbeiter ihre Wir haben hier als Stadtsstaat ' viele Aus- wirtschaftliche Selbständigkeit schon mit dem gaben, die andre Städte nicht zu tragen haben. 20. Lebensjahre in der Regel erreicht haben, Wenn wir nur nach rein materiellen und finan- Sie auch verpflichtet sind, ihnen hier in Lübeck ziellen Gesichtspunkten gehen würden, müssssen das Wahlrecht zu bewilligen. Ich will Sie auch wir erklären, daß es um so besser wäre, je eher hier wieder auf ein praktisches Beispiel hin- wir unsre Selbständigkeit aufgäben. Wir wollen weisen, auf die beiden Schweizer Städte Bagel es aber nicht, und darin stimmen wir mit Ihnen und Zürich, die auch den L2ijiährigen bereits überein, aus ideelen Gründen, weil wir nicht in das Wahlrecht gegeben haben, ohne daß man den großen Peolizeistaat Preußen aufgehen merkt, daß es den Städten geschadet hat. Das wollen, weil wir die etwas freiere Gesinnung eine will ich noch zur Beruhigung ängstliccer unserer res publica hier behalten wollen. Wenn Gemüter gleich bemerken, daß dort der sozial. wir aber vor der Welt moralisch unsere Forderung demokratische Zukunftsstaat noch nicht eingeführt gauf Erhaltung der Selbständigkeit verantworten ist. Und dann möchte ich noch eine Bemerkung wollen, so können wir das nur, wenn wir unsern hier anknüpfen, die nämlich, daß gerade Sie es Staat demotktratischer einrichten als Preußen, sind, die 20jährige junge Leute besonders für wenn wir als Grundlage das allgemeine, gleiche, Politik geeignet halten. Wir haben vor zwei geheime und direkte Wahlrecht seßzen. Das Tagen an den Anschlagsäulen gelesen, daß folgt aus der Aufrechterhaltung unserer Selb- gerade die Schüler der höheren Lehransttalten, ständigkeit, und deshalb appelliere ich noch die sich in einem Alter zwischen 16 und 20 Jahren einmal an Sie und sage: Gewähren Sie uns befinden, zu einem hochpolitischen Vortrage das allgemeine, gleiche, direkte und geheime über Marokko eingeladen worden sind. Die Wahlrecht. Löschen Sie die Lüge aus, die wir einzigen Helfer, die Sie das vorige Mal bei der ungern eigenen Mitbürgern und allen Fremden Reichstagswahl gehabt haben, waren ebenfalls bieten, jene Lüge, die in goldenen Buchstaben diese 16- bis 20jährigen jungen Menschen. Sie am Holstentor steht: Senatus populusque haben an ihr sogenanntes patriotisches Gefühh Uubecae, Senat und Volk regieren Lübeck. appelliert und ihnen in diesem Falle die politische Es ist nicht wahr, das Volk hat in Lübeck Erkenntnis zugebilligt. Aber es ist etwes keine Rechte. Wandeln Sie diese Lüge in andres, wenn die bürgerlichen Parteien etwas Wahrheit und nehmen Sie meinen Antrag derartiges tun. Es erscheint aber lächerlich in an. (Bravo.) Jhren Augen, wenn wir dasselbe fordern. Klein: . Von der’ Rede,.;: die Herr, Dr. Aber ich glaube, an Jhr Gerechtigkeitsgefühl, Schlomer soeben über die Verleihung des all- werde ich vergeblich appellieren. Freilich, Sie gemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahl- vertrauen auf Ihre Macht und den großen rechtes für alle lübeckischen Staatsangehörigen Nachbarstaat Preußen mit seinem Heer, wenn ohne Unterschied des Berufes vom vollendeten auch noch so sehr die Empörung im Arbeiter 20. Lebensjahre an gehalten hat, haben wir in kocht. Sie glauben, die Arbeiter können doch der Sonnabendsnummer des Lübecker Volks- nichts dagegen machen, so lange Preußen hinter boten bereits die erste Auflage durchgekostet. Jhnen steht. Nun, nach meiner Überzeugung Sie war ebenso wie die jetzige Rede gehalten, steht diese Macht aber auch schon auf tönernen freilich war sie nicht für die Bürgerschaft be- Füßen (Widerspruch), und es wird nicht mehr stimmt, sondern für die Arbeitermassen, und lange dauern, bis auch das preußische Volk für aus diesem Grunde war sie auch massig, derb sich ein besseres und gerechteres Wahlrecht er- und verhetzend gehalten, und in manchen Punk- M
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