Full text: Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1910 (52)

~ | 22 Bewerber, 20 Oberlehrer und 2 Geistliche, Konzert bedeuten, wir das in erster Linie dem in Viersen 12, und zwar für eine von einer Frau rapiden Wachstum des Volkes zu verdanken geleiteten Anstalt. Sie sehen, daß sich das haben. Das verdanken wir aber wieder der amtliche preußische Material gegen derartige träftigen Gesundheit der deutschen Frau. Jhr Behauptungen ausspricht und daß anmtlliche dann kein Anrecht an der Erhaltung des Staates Zahlen das Gegenteil von dem beweisen, was zu geben, sondern sie dem Mann allein zu- Herr Dr. Gilbert ausgeführt hat. schieben zu wollen, vermag ich nicht. – Dann Es gehört ein kolossaler Mut dazu, nun zu wird von der Wehrpflicht der Männer ge- behaupten, daß jene „Männer“, die von einem sprochen. Wir freuen uns, daß wir seit 40 neuzeitlicheren Geist ergriffen sind und die der Jahren Frieden haben und daß wir uns keinem gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage offenen Feinde entgegenzusstellen brauchten. Aber die Auges entgegen sehen, minderwertig oder doch Frauen, die Mütter unsrer Kinder müssen es. nicht so vollwertig seien, wie diejenigen „Herren“, An die Frau treten Stunden, in denen es sich um die nur unter männlicher Leitung wirken wollen. Leben oder Tod handelt, heran. Das nenne Ich halte Leute, die frei und offen im Kampf ich die Haut zu Markte tragen! Und deshalb der Meinungen ihren Mann stehen im Streit sollte man nicht sagen, nur der Mann sei der- nach links und rechts, und die den Mut haben, jenige, welcher . . . an einer Frauenschule zu unterrichten, für volle Der erste Teil der Rede des Herrn Dr. Gilbert, Männer, nicht aber für „Waschlappen“, die der unter der Logik des Verstandes stand, keinen „Jumbum“ in den Knochen haben. hatte vor allen Dingen sein Gutes, was Herr Weiter ist gesagt worden, wir müßten den weib- Dr. Gilbert als positiv anführte, und das lichen Einfluß in der Schule mehr eindämmen, möchte ich hier festnageln. Herr Dr. Gilbert wenn wir unsre Jugend zu soliden Staats- sagte, das Weib kann leiten und organisieren! bürgern erziehen wollen, oder, wie Herr Mantau Mit Lust und Freude, ja, mit Hochachtung sagte, wenn wir unsre Buben zu ordentlichen habe er noch in den letzten Jahren unter weib- Männern machen wollen. licher Leitung an einer hiesigen Schule gearbeitet. Jeder von uns hier im Saal möge sich einmal Auf diesen Satz möchte ich meine nächsten die Frage vorlegen, von wem denn unsre Mütter Ausführungen aufbauen. Herr Dr. Gilbert erzogen sind. Besuchte unsre Mutter eine führte nun, nachdem er mit seinem Versstande Schule, die unter männlicher Leitung stand, diese Fähigkeiten der Frau erkannt hatte, 1m oder eine Schule unter weiblicher Leitung ? zweiten Teile aus, Hochachtung vor dem Weibe Ich bin der Meinung, daß von dem weitaus ~ es sind das seine eigenen Worte habe größten Teile, von all denen, deren Mütter die seine Stellungnahme zur weiblichen Schulleitung Volksschule nicht besucht haben, sondern Mittel- beeinflußt. Jetzt zieht Herr Dr. Gilbert aber und höhere Schulen, erklärt werden muß : den „,logischen“ Gefühlsschluß, indem er sagt: Meine Mutter hat eine Schule besucht, die unter gdJch bin dagegen! – Er bedauert, daß das weiblicher Leitung stand. Und von diesen Lehrerinnenseminar an der Ernestinenschule nicht Müttern, meine Herren, sind w i r erzogen eine Studienanstalt geworden ist. Er will worden! Was wollen Sie also ?! Es waren damit der höheren Tochter den Weg zuw allerdings nur Privatschulen, doch was ändert Studium freigeben, aber das Endziel für das das an den Tatsachen? Das können Sie doch Weib, ihre Wirksamkeit an entscheidender Stelle, nicht bestreiten! OÖder bestreiten Sie, daß wir will er ihm aus „männlicher Gefühlslogik“ etwa keine ordentlichen Männer mit soliden verschließen. Das ist ein Widerspruch, wie er staatsbürgerlichen Ideen sind und dement- krasser nicht zum Ausdruck kommen kann. , sprechend handeln. . Im Jahre 1874, vor 36 Jahren!, ist die Was von den Gegnern an Einwürfen vor- Schulvorsteherinnenprüfung eingeführt worden, gebracht ist, sind leere Schlagworte, die blenden, sie ist 1894 erweitert worden, und jeyt soll sie die aber, wenn man der Sache auf den Grund mit einem Male etwas ganz Neues sein, das geht, ein andres Gesicht bekommen. bekämpft werden muß, weil unser Lübeck und Dann heißt es, wer leistet dem Staat mehr, sseine Staatseinrichtung darunter unter un- wer trägt seine Haut zu Markte? Auch das ständen zugrunde gehen könnte! Das ist ein finde ich egoistisch von einem Mann, wenn er Aufbauschen und eine Übertreibung, die en behaupten wollte, daß er allein derjenige sei. real denkender Staatsbürger |l|icherlich nich Ich glaube, daß, wenn wir heutezutage die mitmachen kann. Macht geworden sind, die wir im europäischen (Schluß folgt.) 596
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