Full text: Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1910 (52)

. 1656 –ê Verhandl. d. Bürgerschaft am 18. Juli 1910. Tat bereit sind, in genügender Zahl einlaufen, damit nun plötlich der Ansicht wird und dahin resü- rren die Opfer des Staates in angemessenen Gren- miert: Eine Mitwirkung in dienender, ilen zen bleiben. Wir waren einstimmig der Mei- abhängiger Stellung gewähren wir dem Sie nung mit der Oberschulbehörde, daß Be- weiblichen Geschlecht, für eine Leitung ge- werberinnen in großer zahl vorhanden sein aber halten wir es nicht für fähig, diese j im würden, auch wenn ihnen nicht die Zusicherunng kommt ausschließlich dem Manne zu. ~ len. gegeben werden kann, hier eine Anstellung zz Dem vermag ich von meinem Standpunkte aus eut. finden. Heute ist für den Mittelstand, wie Sie nicht zu entsprechen. Ich bin der Meinung, olgt aus der Besoldungsvorlage gesehen haben, der daß in dieser Frage hier nicht objektiv geurteilt .rn- Nn solcher, daß das Einzel- worden ist und wird, sondern ich habe das Ge- ien- individium weiblichen Geschlechts in ihm ein fühl, daß bei dieser Sache sehr viel Subjektives zge- zweifellos auskömmliches Dasein führen kaun. mit hineingeflossen ist. (Sehr richtig.) €Es ken, Die Bedürfnisfrage für den Staat schied aue, kommen wirtschaftliche Fragen in Betracht, wo iber für die Bevölkerung wurde sie als tatsächlich Oberlehrer und Lehrer glauben, in dem Kampf bestehend anerkannt. ums Dasein scharf auftreten zu müssen. Herr om Nun möchte ich noch eines nicht unbesprochen Dr. Ziehl meint, es würde dem Manne damit toch lassen. Ich will auf die verschiedenen etwa mög- eine Existenzstellung genommen, auf die er eine gen lichen Verbindungen mit anderen Ansltalten Familie gründen könnte. Wenn wir soweit wir nicht weiter eingehen, nicht die Gründe her- sind, daß der Staat dem weiblichen Geschlecht es vorheben, die für die Kommission maßgebend eo ipso ein Leben und Wirken als Frau, als wie gewesen sind, eine selbständige Anstalt zu befür- Mutter in der Familie garantieren kann, dann tur, worten, ich möchte nur eines nicht unwiderr. wäre die Frauenbewegung sehr einfach zu lösen. Irt, sprochen lassen. Das betrifft die Frage der Da aber heute ein immerhin großer Prozent- ich Organisation und der Zusammenseßzung des sat von Frauen vorhanden ist, der nicht heiraten gas Lehrktörpers. In diesem Puntte sind heute kann, wenn er auch will, so ist es die Aufgabe ert, in unserer Körperschaft die Ansichten schanff des Staates, dafür zu sorgen, daß auch dem nie aufeinander gestoßen. Ich muß sagen, daß es weiblichen Geschlecht Existenzmöglichkeiten ge- 1ie- sich hier weniger um Anjichten und logische schaffen werden. Aber, wie gesagt, meistens sind en. Konsequenz als um Gefühle und Empfindungen es subjektive Empfindungen und Gefühle, objektiv der gehandelt hat. Wie Sie wissen, hat die Kome betrachtet muß ich Gerechtigkeit fordern. Wenn ver mission der weiblichen Leitung zugestimmt, wir aber gerecht wären, dann würden wir über ein nicht nur, wie Herr Mantau aus den Zeilen diese Frage nicht mehr debattieren können, sie ilt, herauszulesen glaubte, aus rein finanziellen wäre als sselbstverständlich längst gelöst. gt, Gründen. Herr Mantau wird wissen, daß man Nun noch eins. Herr Schiemann ssprach von m- bei Kommissionsberichten bemüht ist, die ver dem Schulgeld und will durch seinen Antrag he, schiedenen Meinungen zusammenzufassen, damit eine Zwischenstufe von 160 . schaffen. Wir zu in möglichst knapper Weise das positiv Einigendse haben uns in der Kommission daran gehalten, les zum Ausdruck gelangt. was hier in sämtlichen höheren Schulen, dem u- . So ist jeder Beschluß ungefähr eine Art Kom- Lehrerseminar, der Realschule usw., Gebrauch es promiß. Wenn in dem Bericht steht, daß, ist und in derselben Art und Weise das Schul- 1ls nachdem auch finanzielle Erwägungen sstattge- geld für das Lehrerinnenseminar geregelt. Ich da funden hatten, man der weiblichen Leitung glaube, wir können beim Lehrerinnenseminar 1- zustimmen konnte, soll das nicht heißen, daß nicht anders handeln, ohne alles übrige, das 2s man aus schli e ß li ch vom finanziellen Ge- wir erst vor kurzem angenommen haben, über „n sichtspunkte ausgegangen sei. Ich persönlich den Haufen zu werfen. n, vermag nach meiner Überzeugung und reif- Nun, meine Herren, wollen Sie diese Vor- licher 4149.35 nicht dem Prinzip zu folgen, lage an eine Kommission verweisen. Tun Sie daß man wohl bereit ist, der Erziehung unn das! Ich bin der festen überzeugung, daß Weiterbildung unsrer weiblichen Jugend heute nach den heutigen Ausführungen, die gemacht Tür und Tor in weitestem Maße zu öffnen, sind, die Kommission bzw. der Lehrkörper viel- bereit ist, ihnen eine bessere Bildungs- und leicht zu ganz anderen Schlüssen kommen wird. 1- Existenzmöglichkeit als früher zu verschaffen, in Je nach ihrer Zusammensebung wird dieses J demselben Moment aber, wo die Möglichkeit oder jenes Prinzip zum Siege gelangen. Daß n zur Wirklichkeit wird, einen Strich macht und aber einmal der Fortschritt siegen wird und Qî &
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