Full text: Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1910 (52)

t 4.1 - Verhandl. d. Bürgerschaft am 23. Mai 1910. wie in der Nähe jeder Großstadt der Fall, daß mients sitt auch der Vorsißzende des Lübecker wir viel Wilddiebe haben. Die Verlängerung Jagdschutvereins, also der Organisation, in der der Schonzeit um 14 Tage bietet für diese die die Jagdinteressenten ihre hauptsächliche Ver- schönste Gelegenheit, diese Zeit auszunutzen. tretung finden. Der Vornrsißzende des Jagd- Der Jagdpächter wird selbstverständlich wohl schut vereins hat sowohl im Finanzdepartement mal die Fegerstellen aufsuchen, aber nicht so oft als auch bei andrer Gelegenheit, und zwar in sein Revier besuchen, als wenn er den Bock Übereinstimmung mit der überwiegenden Mehr- abschießen kann. Die Zeit fällt auch in die heit des Vorstandes, sich dahin erklärt, daß er Tage des Pfingstfestes, wo Rehbraten sehr in dieser Vorlage nur eine Verbesserung des erwünscht iste Der Wirt weiß aber nicht, ob gegenwärtigen Zustandes erblicken könne. Nach der Rehbock von einem Wilddieb oder vom diesen von sachkundigster Seite abgegebenen Jagdpächter geschossen ist. Jch bitte Sie drin- Erklärungen, werden Sie daraus wohl ent- gend, die Vorlage an eine Kommission zu nehmen können, konnte der Senat kein Bedenken verweisen. tragen, der Anregung, die ihm von lauenburgi- Senator Dr. N e um a n n: Da die An- scher Seite entgegengebracht war, zu folgen. wendung dieser Gesetzesänderung: in diesem Aber die Sache ist, wie gesagt, jetzt durchaus Jahre nicht mehr möglich ist, kann natürlich nicht eilig und verträgt darum eine kommissarische gegen eine Komissionsberatung nichts einge- Beratung. wendet werden. Es ist Zeit genug da, die Dr. Witt ern: Die Begründung der Sache in aller Ruhe zu prüfen, und es werden Senatsvorlage scheint mir sehr lückenhaft zu auch alle Interessenten Gelegenheit haben, sich sein. Es ist davon ausgegangen, daß das könig- bei dieser Kommission zu Gehör zu bringen. liche Landratsamt zu St. Georgsberg die Mit- Ich möchte nur darauf hinweisen, daß es sich teilung nach hier gerichtet hat, daß dort in bei der Vorlage nicht, wie der Herr Vorredner d i e ) em Jahre der Schluß der Schonzeit annimmt, um eine Verlängerung der Schonzeit für Rehböcke auf den 29. Mai festgesezt worden um zwei Wochen handelt, sondern um die Er- sei; der Gleichmäßigkeit halber möge dasselbe mächtigung des Senates, je nach Lage der für Lübeck angeordnet werden. Nun sagt das Verhältnissse die Schonzeit um zwei Wochen zu Polizeiamt und mit ihm der Senat, dazu wäre verkürzen oder bis zu zwei Wochen zu ver- man nicht in der Lage gewesen, weil der Senat längern. Der Nachtrag zum Jagdgesetß vom für Rehböcke nicht die Befugnis gehabt hätte, Jahre 1906, der das Ende der Schonzeit für die Schonzeit zu verlegen. Das hätte vielleicht Rehböcke auf den 15. Mai festsegt, ist erlasen ja den Schluß gerechtfertigt, daß nun insoweit, worden, um eine Übereinstimmung mit Preußen d. h. für die Schonzeit der Rehböcke, das Jagd- zu schaffen. Diese Übereinstimmung ist aber gesetz abgeändert würde. Aber das ist gar nicht insofern nicht vollständig durchgeführt, als in der Fall, ssondern der Senat beantragt, und Preußen der Bezirksausschuß die Ermächtigung zwar ohne jede Begründung, daß dem Senate hat, die Verlängerung der Schonzeit aus be- auch diese Befugnis eingeräumt werde, nicht sonderen Gründen im Interesse der Landes- nur für die Rehböcke, die unter Ziffer 3 des g 45 kultur und der Jagdpflege zu beschliezgen. Es caufgeführt sind, sondern auch bezüglich des kann nun meines Erachtens nicht bezweifelt HWildes, das aufgeführt ist unter den Ziffern 1, werden, daß eine gewisse Gleichmäßigkeit in der 292, 4, 7, 8 und 9. Da der Senat diese Befugnis Behandlung der Schonzeit bei Gebieten, die bezüglich der Ziffern 6, 10 und 11 schon hat, so gewissermaßen in einer Gemengelage liegen, verlangt er jeßt, daß sie ihm für alle Ziffern wie dies namentlich bei Lübeck und Lauenburg mit Ausnahme von Ziffer 5 eingeräumt werde. der Fall ist, durchaus erwünscht erscheine. Nun ziffer 5 betrifft die Rehkälber, welche das ganze haben sich die sachverständigen Instanzen, an die Jahr hindurch nicht geschossen werden. Dieses das Polizeiamt sich in dieser Sache gewandt Verlangen des Senates hätte mindestens, wenn hat, so die Forstverwaltung, die sich ihrerseits auch nur mit einem Satz, begründet werden wiederum auf das Gutachten des Öberförstees miùssen. ô . stützt, dafür ausgesprochen, daß aus den in der Außerdem bin ich der Meinung, daß es sich Vorlage enthaltenen Gründen der beantragten hier in Wirklichkeit darum handelt, daß die Abänderung des Jagdgessetzes zugestimmt werden Schonzeit für Rehböcke ein für allemal um müsse. Jn der Forsstsektion des Finanzdeparte- vierzehn Tage hinausgeschoben werden sfoll. +
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