Full text: Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1910 (52)

Badekommissar geleitet wird, und es ist darum ' es auch ohne diese. Travemünde hat große nach meiner Meinung nicht zu umgehen, einen Veranstaltungen, ich erinnere Sie nur an die solchen für Travemünde in Aussicht zu nehmen. letzten Tage der Kieler Woche und an die Rennen. Nun meint Herr Schiemann weiter, die Kur- Das sind Vorkommnisse, mit denen nicht jeder gäste könnten nicht weit genug abseits gehen Badeort aufwarten kann. Wenn das in geeig- von dem Zentrum, wo im vorigen Jahre die neter Weise weit hinausgetragen wird, wird Vergnügungen abgehalten sind. Beim See- Travemünde ein mächtiger Magnet für Bade- tempel hören die Badegäste gar nichts davon, gäste sein. Außerdem haben Sie für das Seebad ebensowenig im Badegarten und in der Durklen große Aufwendungen gemacht, und bei der Allee, denn die Entfernungen sind groß genug. Monotonie, an der Travemünde zweifellos Es hat sich im vorigen Jahre nicht ein einziger leidet, sollte man sich vor der Anstellung eines Gast über Belästigungen beschwert. Es hat sich Badekommisssars nicht scheuen. Im Gegensatz auch immer nur um kleine Vergnügungen ge- zu Herrn Senator Rabe bin ich der Meinung, handelt, da wir nur beschränkte Mittel zur Ver- daß wir sehr gut einen Badekommissar nur für fügung hatten. Die Veranstaltungen werden die Sommermonate anstellen können, wenigstens sich also in einem verhältnismäßig engen Kreise vorläufig. Wenn er am 1. April seine Stellung bewegen. Aber die Rentabilität eines Kur- antritt, hat er Zeit genug, um die Reklame vor- hauses ist nicht so außer Weges, und wenn die zubereiten, soweit das nicht schon von anderer Bürgerschaft Interesse daran hat, diese Frage Seite geschehen ist. Ich gebe Herrn Schiemann prüfen zu lassen, wäre ich sehr dankbar, wenn vollständig recht, daß als Hadekommisssar zu diesem Zwecke eine Kommission eingesetzt ein pensionierter Offizier für relativ billiges würde, um einmal auf diese Weise der Frage Geld zu haben ist. Die Ausgabe ist nicht so nähertreten zu können. groß, als daß sie uns schreckhaft machen könnte. M a n t a u: Auch ich bin der Meinung, daß Nun hat Herr Klein gemeint, die Travemünder in absehbarer Zeit keine Mehrheit für das wollten von einem Badekommissar nichts wissen. Kurhaus in der Bürgerschaft sich finden werden. Ich muß in der Beziehung sagen, daß Herr Klein Aber ich bin weiter der Meinung, daß, wenn sich in einem Jrrtum befindet. Seit langen die Bürgerschaft sich etwas eingehender mit dem Jahren bin ich Mitglied des Badeausschusses in Gedanken vertraut macht, wie sehr ein Bade- Travemünde, und ich darf wohl behaupten, die kommissssar dem Bade nützen könnte, doch eine in Betracht kommenden Kreise genau zu kennen. Mehrheit für die Anstellung eines solchen in der Als klassischer Zeuge und Sachverständiger ist Bürgerschaft zu haben sein würde. Herr Schie- hier Herr Goldschmitt angeführt worden. Auch mann meinte, für ein Seebad von 6000 bis ich schätze das Urteil des Herrn Goldschmitt nicht 8000 Badegästen brauche man keinen Bade- gering; aber ich muß im Gegensatz zu Herrn kommissar. Jch bin der Meinung, eben weil Klein sagen, daß Herr Goldschmitt dafür ist, daß Travemünde erst 6000 bis 8000 Badegäste. hat, irgendetwas überhaupt in dieser Beziehung müssen wir dort einen Badekommissar haben. geschieht. Seit Jahren wird im Badeausschuß Es ist genau so wie mit einem Geschäft, das darüber geklagt, daß es an der geeigneten Leitung keine Reklame macht. Wenn es das nicht tut, für die Unterhaltung der Badegäste fehlt. Der dann geht es nicht. Der Badekommissar soll Badeausschuß hat die Sache in die Hand ge- insofern für unser Seebad Reklame machen durch nommen; er hat ein paar Korsofahrten ver- geeignete Veranstaltungen und dadurch, daß er anstaltet, aber es fehlt immer wieder an der die öffentliche Meinung in angemessener Weise rechten Leitung. Es ist deshalb schon vor für Travemünde beeinflußt. Sie lesen in langen Jahren immer wieder darauf hingewirkt größeren Blättern alljährlich die Rubrik: ,„Aus worden, einen Badekommissar anzustellen. Der Bädern und Sommerfrischen." Nun brauchte frühere Direktor der Seebadeanstalt, der eint Travemünde sich nicht zu schämen vor vielen Privatangestellter war, wirkte auch in dieser andern Bädern. Aber finden Sie jemals eine Richtung, und erst später, als der Gedanke auf- Notiz über unsern Badeort in solchen Blättern ? tauchte, daß Travemünde einen Berufsbeamten Von welchem Werte derartige Notizen sind, anstellen müsse, sagte man sich, wenn das möglich brauche ich Jhnen nicht auseinanderzusetzen. sein würde, könnte man seine Stellung mit der Die Zeitungen nehmen diese Notizen bereit- des Badekommissars verquicken. Aber das willigst auf, weil sie in Zwischenräumen wieder Bessere ist immer der Feind des Guten. Aus Annoncen bekommen;: hier und dort geschieht diesem Grunde ist man vielleicht von der An- 312
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