Full text: Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1910 (52)

. Verhandl. d. Bürgerschaft am 30. März 1910. Senator Dr. Li en au: Was den Einbau bessserungen sehr viel eher vorwärtsgehen konnte der Glaskasten anlangt, so kann ich darauf als wir. Ich vertrete auch heute den Standpuntt, folgendes erwidern. Die Wagen werden all- daß wir vorsichtig weitergehen müssen und uns mählich umgebaut. Wir können nicht zu viele nicht nur nach diesen und jenen Wünschen Wagen auf einmal aus dem Betriebe heraus- richten können, sondern daß wir auch fernerhin nehmen, weil wir für den laufenden Betrieb uns in der Straßenbahn eine Einnahmequelle jederzeit ein ausreichendes Wagenmaterial bereite. sichern müssen. Deswegen muß ich sagen: Ich halten müssen. Diese Glaskasten werden allo bin nicht betrübt darüber, daß es mit dem mählich, aber mit möglichster Beschleunigung Ausbau von neuen Strecken nicht so rasch ge- eingebaut werden, soweit es der Betrieb zuläßt. gdgangen ist, wie von manchen Seiten erwartet Jenne: Diejenigen, die vor einem Jahre worden ist. Vielleicht hätte in bezug auf die für den Ankauf der Straßenbahn gesprochen Wagenfolge bei der Marlibahn etwas geschehen und gestimmt haben, werden befriedigt auf können, wenigstens besonders auch von der dieses Jahr zurückblicken, auch wenn sie auf den Beckergrube ab, aber das lasse ich dahingestellt. Voranschlag fürs nächste Jahr sehen, für das Es wird hoffentlich bald kommen. Was ich uns: vom Senate eine gute Abrechnung in wünsche, abgesehen von der neuen Vorlage, Aussicht gestellt wiro. Das ist ein Resultat, wäre, daß man mit der Anstellung von Schaff- das unsre Erwartungen übertroffen hat, denn nern fortschritte. Vor zehn Jahren – Sie wir gingen damals davon aus, daß wir voraus- können das alle nachlesen ~ schon habe ich, sichtlich in den ersten fünf Jahren mit einem damals unter großem Widerspruch der Bürger- Defizit zu rechnen hätten, welches sich in den schaft gefordert, daß man danach streben müsse, folgenden fünf Jahren allerdings ausgleichen in Lübeck Schaffner einzuführen. Damals, als würde, und daß die Straßenbahn ersst nach ich diese Forderung zuerst aussprach, war man zehn Jahren einen erheblichen Überschuß ab- ganz perplex, und ich stand isoliert in der Bürger- werfen würde. Anstatt dessen wird die Straßen- schaft da. Ich habe leider im Laufe der Jahre bahn für uns, wie wir hoffen dürfen, um einen oftmals das Unglück gehabt, daß meine An- vulgären Ausdruck zu gebrauchen, ein Schmalz- sichten bekämpft worden sind, denen die Bürger- topf werden, der unserm Budget zugute kommt. schaft sich nachher doch zugeneigt hat. Ich will Nun muß ich sagen, daß ich das wohl bestätigen nur eins erwähnen. Ich habe als ganz junger kann, was der Herr Spezialkommissar des HMensch in der Gemeinnützigen Gesellschaft dafür Senates ausgeführt hat. Es ist vollommen gesprochen, daß alle Mitglieder die Lübeckischen richtig, daß die Verwaltungsbehörde sehr ra ch Blätter erhielten. Die alten Herren waren gearbeitet hat. Bald nach Übernahme der darüber ganz erschrocken. Aber es hat nur fünf Straßenbahn wurde uns ein Projekt vorgelegt, Jahre gedauert, bis schließlich die Sache doch welches durch verschiedene Behörden gelaufen eingeführt wurde. Ich darf also für mich in ist, dann an die Verwaltungsbehörde zurücs. KAnspruch nehmen, daß ich der erste war, der geleitet wurde und nun demnächst den Bürger- seinerzeit die Sache angeregt hat. ausschuß beschäftigen wird. Ich fühle mich In der Bürgerschaft herrschte damals ein verpflichtet, Jhnen auszuführen, daß ich mit Sturm der Entrüstung, als ich auch die An- zu einem Teile daran schuld habe, wenn nicht stellung von Schaffnern anregte, und man sagte, mit so kolossaler Schnelligkeit gearbeitet worden das koste zu viel. Die Erfahrungen der Straßen- ist. Wir mußten, das war mein Standpunkt, bahn nach der Fackenburger Allee haben gelehrt, erst abwarten, wie sich die Sache in städtischer daß die Schaffner sich durchaus bezahlt machen Regie entwickelte. Nach meiner Ansicht mußte (sehr richtig), und nach meiner Überzeugung man erst den Abschluß eines Jahres hinter sih würden sie sich auch in der Stadt auf allen haben, ehe man mit großen Umwälzungen vor Strecken bezahlt machen. Ich selbst benutze die sich ging. Herr Dr. Ziehl hat allerdings mit Straßenbahn außerordentlich selten. Ich möchte Recht ausgeführt, daß, wenn die Straßenbahn Jhnen aber doch erzählen, wie es mir kürzlich von der Berliner Gesellschaft verwaltet wäre, ergangen ist. Ich fahre zum Mühlentore hinaus, manches eher geschehen wäre. Aber Sie müssen und beim Markt, vor dem Rathaus, steigen viele das eine bedenken, daß die alte Straßenbahn Leute ein. Sowie sie eingestiegen sind, kommt mit einem Kapital, welches um zwei Millionen ein Schaffner und fragt: Wollen Sie umsteigen? geringer war als das von uns investierte, ge. Wer das bejahte, erhielt ein Umsteigebillett, arbeitet hat, und mit Umänderungen und Ver- trotzdem sie noch gar nicht bezahlt hatten. Als 161
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