Full text: Lübeckische Blätter. 1908 ; Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1908 (50)

. N d j Ich glaube gern, daß eine richtige Anwendung des noch ungeklärte Verhältnisse. Der Herr Senats- § 64 der Bauordnung, der auf eine Verteidigung kommissar sagte damals, diese Projette solle man erst des Stadtbildes gegen Verunstaltungen hinausläuft, ausreifen lassen; dann würde selbstverständlich auch eine sehr schwierige sein mag; gewiß aber kann nichts mit dem Abbruch der Häuser vorgegangen werden. so sehr die Durchführung des § 64 erschweren, als Fünf Jahre sind ins Land gegangen, und die Pro- wenn in Fällen, wo der Staat Grundeigentümer ist, jekte sind nicht ausgereift, sondern sie sind durch den keine Rüctssicht auf das Stadtbild genommen wird. Meltau der schlechten Finanzlage allmählich ver- Ein solcher Fall besteht seit jezt bald fünf Jahren. kümmert. Ich glaube nicht, daß wir erwarten dürfen, Das ist der Zustand am Burgtor. (Sehr richtig.) daß die kostspielige Restauration des Burgtors in Am Burgtor ist der Staat alleiniger Grundeigentümer. HBälde ausgeführt wird, ebensowenig glaube ich, daß Er hat eine Reihe von Grundstücken dort zum Ab- wir schon bald ein großzügiges Straßenprojekt in bruch angekauft und hat von den dort errichteten diesem Teile der Stadt erwarten dürfen. Aber ich Häusern, um eine Straße von der Burgtorbrücke nach glaube ganz gewiß, daß wir alle, vor allem diejenigen, der Mauer herunterzuführen, eins abgebrochen. Seit die das Vergnügen häufiger haben, diese ominöse diesem Abbruch bietet sich den Blicken des Beschauees Wand vor sich zu sehen, überzeugt sind, daß das dort eine scheußlich kahle Brandmauer dar. Man kein permanenter Zustand werden darf. Es ist absolut hat sie in jüngster Zeit anscheinend in der Absicht, nicht schwierig, die Sache zu ändern. Es braucheu eine Verschönerung zu erzielen mit schokoladen. nur die Häuser weggebrochen zu werden; das zieht brauner Farbe angeslrichen. Angesichts diejes Bildes keineswegs die Konsequenz nach sich, daß an der fragt man sich wirklich, wie es möglich ist, daß ein Stadtmauer weitere Arbeiten gemacht werden müssen; solcher Zustand schon ssünf Jahre besteht und an- denn die Häuser sind nicht direkt an das Burgtor scheinend noch weiter bestehen soll. Wenn man, wie gebaut. Vor fünf Jahren hieß es, daß die Miete, ich in meiner Praxis, manchmal Gelegenheit hat, mit die wir aus den Häusern bezögen, jährlich etwa Grundstückseigentümern darüber zu verhandeln, daß A 3000 betrage. Ich habe gehört, daß die Mieten sie den Wünschen der Baupolizei nachkommen und ganz erheblich zurückgegangen seien oder doch der ihre Baupläne angemessen ausgestalten und mit Rück- Bruttoertrag der Häuser, da ber den außerordentlich sicht auf das Stadtbild ändern, wird einem immer vielen Reparaturkosten die Mieter keine Neigung entgegengehalten: Warum soll ich das tun; ich habe haben, in den schlecht gebauten, auf Abbruch stehenden so viel weniger Renten aus dem Hause zu erwarten. Häusern zu wohnen. Wenn das der Fall ist, glaube Entgegnet man, daß man auch ästhetische Rücksichten ich, daß eim Opfer von etwa „ 2000 im Jahres- nehmen soll, wird erwidert: Tut der Staat das ? budget gerechtfertigt ist, um endlich einen erträglichen Der Punkt am Burgtor ist viel wichtiger, und der Zustand zu schaffen. Staat nimmt, um die Miete einzunehmen, auf das In diesem Jahre wird der Verein für Denkmal- ästhetische Gefühl auch keine Rücksicht und läßt den pflege in Lübeck seine Tagung veranstalten. Ich Zustand ewig weiterbestehen. Ich glaube wirklich, hoffe, daß wir dann soweit sein werden, daß wir daß vom Standpunkt derjenigen, die eine frucht. nicht ängstlich Vorkehrungen treffen müssen, daß unsere bringende Handhabung des § 64 der Bauordnung Gäste alles in Lübeck sehen, aber beileibe nicht vor wünschen ~ zu denen ich gehöre ~~, unbedingt Wert das Burgtor kommen dürfen. Wenn wir ihnen etwa darauf gelegt werden muß, daß der Staat mit gutem sagen müßten, daß wir diesen Zustand von Staats- Beispiel vorangeht. bauten schon fünf Jahre hindurch haben bestehen lassen, Im Jahre 1902, als es sich darum handelte, würde das für die Stadt und für uns alle äußerst die Straße von der Burgtorbrücke nach dem Tivoli blamabel sein. Ich hoffe, daß es möglich sein wird, in der Bürgerschaft zu genehmigen und ein Abbruch die Verträge rechtzeitig zu kündigen und die Häuser eines Hauses dabei in Frage kam, hat unser jeyiger noch im Laufe des Sommers abgerissen und beseitigt Wortsührer bereits den Antrag gestellt, alle drei werden. Ich würde mich freuen, wenn wir hören Häuser niederzulegen. Damals wurde vom Senats- könnten, daß ein derartiges Projekt schon erwogen ist. tisch erwidert, das jei verfrüht; es sei zu erwarten, Andernfalls würde ich mir gestatten, ein derartiges daß in kurzer Zeit ein allgemeiner Plan vorgelegt. Ersuchen der Bürgerschaft entgegenzubringen, das werden würde, um den Burgtorzingel und die reiz, dann dem Bürgerausschuß zur weiteren Prüfung über- vollen Partien am Burgtor zu restaurieren und dort wiesen werden möge. (Bravo.) etwas wirklich Schönes zu schaffen. Außerdem sei Senator Dr. Esch en b u r g : Ich will den Aus- ein Projekt in Bearbeitung, noch eine zweite Einfahrt führungen des Herrn Vorredners durchaus nicht ent- durch das Burgtor zu machen; das alles seien aber gegentreten. Daß der Zustand am Burgtor nicht N;
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