Full text: Lübeckische Blätter. 1908 ; Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1908 (50)

H7 9 Der Vorsitende der deutschen dendrologischn der Frauenfrage gelehrt hat. Immer lauter wird Gessellschaft, Graf Fr. von Schwerin, Wendischh der Ruf: „Die Frauen müssen zur Teilnahme am Wilmersdorf, hat in den jährlichen Mitteilungen dùüöffentlichen Leben erzogen werden“, immer leiser und dieser Gesellschaft wiederholt auf den von der Firma zurückhaltender aber die Stimmen, die die geistigen Hans Gleitsmann, München, Ickstadstraße 19, und körperlichen Fähigkeiten des weiblichen Geschlechtes hergestellten säurefreien Baumteer hingewiesen. herabzudrücken versuchen. – In dieser Zeit, in der Beispielsweise wurde in Wendisch-Wilmersdorf im die Frau mit ganzer Seele, mit allen Kräften ein- Herbst 1905 ein Quartier junger Eichen mit dem etzt, ihre Rechte zu erlangen, ihre Pflichten voll und Teer flüchtig gestrichen. Trotz außerordentlich zahl. ehrlich auf sich zu nehmen, jezt, da sie Energie, reicher Kaninchen, troß guten Reh- und Hasen. Kraft des Körpers und Geistes im Vorwärtsstreben bestandes wurde weder im Winter 1905/06 noch stählt, wo sie dankbar und froh bewegten Gemütes auch, ohne Erneuerung des Anstriches, 1906/07 der Früchte dieses Ackers erntet, bleibt es ihr nicht erspart, geringste Wildverbiß wahrgenommen. schwarz auf weiß Demütigungen zu lesen, die sie nicht Dieselben günstigen Erfahrungen hat z. B. auch allein im Innern, treffen, sondern die dazu angetan Herr Forstmeister Häfner im Forstenried gemacht. sind, sie in der Öffentlichkeit zu brandmarken. So. Es ermöglichen sich dort mit Hilfe des Baumteers lautet § 4 betr. die Vorschlagslisten für die Kaufmanns- Aufforstungen auf freier Fläche von 250 ha, bei gerichtswahl: „Zu Beisitzern können nicht gewählt einem Wildbestande von ca. 800 Stück Rehwill, werden Personen weiblichen Geschlechts, Ausländer, 150 Stück Damwild und 700 Sauen, Hasen u. a. Personen, welche die Fähigkeit zur Bekleidung nicht mitgerechnet. öffentlicher Ämter infolge strafgerichtlicher Ver- Mit geübten Leuten (meistens Frauen und urteilung verloren haben, Personen, gegen welche Mädchen) kostet das Teeren mit Material pro 1000 das Hauptverfahren wegen eines Verbrechens oder Pflanzen ca. 0,50 s. Haben die Pflanzen Manns. Vergehens eröffnet ist, das die Aberkennung der höhe erreicht, ist das Teeren nicht mehr nötig. + bürgerlichen Ehrenrechte oder der Fähigkeit zur Be- Ich möchte unsere Forstverwaltung dringend bitten, kleidung öffentlicher Ämter zur Folge haben kann, einmal Versuche mit diesem Teer anzustellen. und Personen, welche infolge gerichtlicher Anordnung 1290. in der Verfügung über ihr Vermögen beschränkt sind." iii IU I Datiert Lübeck, im August 1908. Zum g § 4 der Es ist nicht die Absicht dieser Zeilen, sich darüber „Bekanntmachung betr. die Vorschlagslisten zu beklagen, daß Frauen ausgeschlossen sind, als Bei- für die Kaufmannsgerictswaht. h hun aut" (h bs hc tit tt: geschnitten wird, der springende Punkt ist ein absolut Es wird im Leben dafür gesorgt, daß die Bäume anderer. Es handelt sich um den Zusammenhang, nicht in den Himmel wachsen – überall – auf um die Rubrik, unter die man die Frauen gestellt jedem Gebiete. Warum sollte da die neue wachsende hat, und die doch einigermaßen anfechtbar ist, selbst Bewegung, die Frauenfrage, nicht auch ab und zu bei bescheidenen Ansprüchen. Freilich hat man den dem alten Spruche begegnen, besonders wenn sie d rauen die Ritterlichkeit erwiesen, sie an erster wie in jüngster Zeit weite Vorwärtsschritte auf Stelle rangieren zu lassen, aber der Play gestaltet sich ihrer Lebensbahn gemacht hat. Gewiß, sie wird es darum doch um kein Haar breit ehrenwerter, er ist über sich ergehen lassen müssen, daß man ihr hier und bleibt der Präsesstuhl in einer Versammlung (ab- und da Dämpfer aufsetzen will, ja sie ist sogar darauf gesehen von Ausländern, denen diese Rangordnung gefaßt und wird das Haupt darum nicht sinken auch nicht schmeichelth von Verbrechern und straf- lassen, sondern weiter mutig Stein auf Stein zum baren Personen. Muß sich dagegen nicht die Würde festen Bauwerk legen. Viel ist bereits erreicht, uuan der Frau auflehnen? Muß sie nicht alle Hebel in was das Beste ist: die Frauen kämpfen nicht mehr VBewegung setzen, daß man sie davon befreit, in Reih allein. In einer Reihe mit ihnen stehen ernste, tie. und Glied mit dem Abschaum der menschlichen Ge- denkende Männer, die helfen wollen, Wege zu ebnen, sellschaft zu marschieren? Nicht nur einer geistigen, die jetzt noch dornig und holperig sind, und die den sondern, was viel mehr bedeuten will, einer moralischen Kampf um das Leben, den die Frau hat auf sih dWinderwertigkeit wird sie ohne Zögern an die Seite nehmen müssen, heiß, unnötig heiß, gestalten. Ja gestellt, als sei es der Play, der ihr zukommt. selbst heftige Gegner sind bereits aus dem feindlichen Ich bin überzeugt, daß den meisten Frauen und Lager zu uns übergegangen, weil ein ehrlichs HWiännern diese Auffassung übel gefallen muß, denn Forschen sie die Notwendigkeit. die Exristenzberechtizunan wenn die Frau auch in erster Linie davon getroffen
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