Full text: Lübeckische Blätter. 1908 ; Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1908 (50)

321 fortwagen. Auch die dekorativen Heichnungen von tatt seine verderblichen Wellen warf, die darauf Rosner und R. Grimm sind hier besonders hervor- folgende Notlage, welche viele der besten Gemeinde- zuheben. Den phantastischen Arbeiten Meheroths kaum glieder wider Willen zum Fortzug trieb und die ich inhaltlich und technisch keinen Geschmack abgewinnen. Einkünfte der deutschen Anstalten empfindlich Hoffentlich erfreut uns der Salon bald wieder durch schmälerte, der immer deutlicher werdende Haß der eine ähnliche Interesse erheischende Kollektion. Zum Engländer und der zu ihnen übergehenden Deutschen, Schluß möchte ich zwei Arbeiten eines hiesigen Künstlers sowohl der von einem klugen Führer geleiteten Katho- nicht unerwähnt lassen, die in den letzten Tagen im liken als auch der reicheren Protestanten und sogar Schaufenster Aufstellung gefunden haben: zwei recht der Missionare, die daraus entspringenden persönlichen stimmungsvolle Ölbilder (Herbst-Landschaften von Verunglimpfungen und Drangsale, dazu trübe Tage Ernst Schleicher, zurzeit Zeichenlehrer am Johanneum. in seinem Hause und eigene Krankheiten – das alles Schleicher ist Schüler des Möllner Malers Feldmann konnte wohl manch anderen guten Deutschen verzagt und wird, wie ich hoffe, auch für lübeckische Schönheiten machen; Wagener aber hielt mannhaft und unentwegt Ausdrucksmittel finden. Dazu gehört ganz besonders auf seinem selbstgewählten Posten aus und erfüllte warmes Empfinden und innige Liebe zum Stoff ohne trotz größter Körper- und Seelenleiden alle Pflichten, äußere Mache aber auch ohne Pedanterie. Curdt. nicht nur die seines Berufes, sondern auch die freiwillig übernommenen. Dabei hörte sein gastliches Haus Eine Säule des Deutschtums im fernen Süden. jtst uf, ut: Lesuaurutt gie. Uÿee / fe Es war gerade vor 15 Jahren, daß einer der ein wahrer barmherziger Samariter. Doch endlich treuesten und zähesten Vorkämpfer der Deutschen im war auch seine Riesenkraft erschöpft; ein inneres Übel Auslande, daß G. W. Wagener, Prediger der gzwang ihn, seine aufreibende Wirksamkeit zu unter- deutschen Gemeinde in Kapstadt, Leiter und Lehre brechen, sein von einer lieben Kinderschar sonnig der dortigen unabhängigen Martini-Schule, zum dbelebits Heim zu verlassen und, begleitet von seiner ersten Male nach Lübeck kam. Jn der altberühmten ebenbürtigen Lebensgefährtin, die sich in der Stunde Hansestadt hoffte er Verständnis für die Bedeutunun der Gefahr nicht von ihm zu trennen vermochte, eines starken Deutschtums in Süd-Afrika, sowohl für wieder in Deutschland Hilfe und Rettung zu suchen. unsere Weltstellung als besonders für unsern Handel, Sie ward ihm Ende Februar durch die geschickte und offene Herzen und Hände für sein Ringen und Hand Professor Biers in Berlin zuteil, doch muß Kämpfen um das Gedeihen der deutschen Schule zu er im Juli nochmals unter sein Messer. Die finden, unserer besten Waffe. Durch Vermittlung ßYwissschenzeit, die nur der Erholung gewidmet sein der hiesigen Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen sollte, benutzt der Unermüdliche, um in der Reichs- Schulvereins gelang es ihm, in einer von dieser hauptstadt und an andern Orten für seine Gemeinde gemeinschaftlich mit der Geographischen Gesellsha t und Schule zu wirken. Das Herz zog ihn vor allen anberaumten Versammlung zu sprechen. Die kraftvolle, nach unserm Lübeck. Hier hat er alte Bekanntschaften begeisterte Rede des charakterfesten, zielbewußten Mannes erneuert, neue Freundschaften geschlossen und abermals hinterließ bei allen Hörern einen gewaltigen, noch so reiche Liebe erfahren wie sonst nirgends in heute nachwirkenden Eindruck. Unsere Schulvereins- Deutschland. gruppe beschloß, das ihr zu freier Verfügung stehende Natürlich drängte es ihn, hier wiederum zu reden. Drittel ihrer Einnahmen fortan der Kapstädter deutschen Heuer bereiteten ihm die Männer- und die Frauen- Schule zuzuwenden. Dies hat sie seitdem regelmäßig drtsgruppe des Schulvereins zusammen mit der getan und, so oft es ging, eine größere oder geringere Hrtsgruppe des Alldeutschen Verbandes die Stätte. Spende hinzugefügt. So hatte Wagener wenigsteen Am 9. Mai konnte er in dem freundlichst überlassenen eine kleine sichere Beihilfe gewonnen zu den großen großen Saale der Gesellschaft zur Beförderung ge- Ausgaben, die ihm und seiner Anstalt wachsend bevor. meinnütziger Tätigkeit vor einer größeren Zuhörerschaft standen; von höherem Werte aber für ihn selbst wer als damals sein Vorhaben ausführen. Seine packenden, das Bewußtsein, daß sein Hoffen nicht ganz eitel erschütternden Darstellungen, über welche die Tages- gewesen war und er bei uns Gessinnungsgenossene, blätter bereits berichtet haben, gipfelten in dem Ge- Freunde und liebevolle Aufnahme gefunden hatte. danken, daß die Deutschen im Kaplande auch jet Dieser Gewinn und die Möglichkeit, sich gegen treue noch stark genug und willig seien, ihre heimische Art Herzen in der Heimat brieflich aussprechen zu können, und Sprache zu behaupten, zu ihrem eigenen Wohle waren ihm Trost und Stütze in den schweren Zeiten, und zu dem des deutschen Volkes; daß aber ein die bald über ihn und seine Gemeinde hereinbrachen. dauernder Erfolg nur dann zu erwarten sei, wenn Der unselige Burenkrieg, der bis in Wageners Wohn- dieses deutsche Volk seine beschämende und schier selbst-
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