Full text: Lübeckische Blätter. 1908 ; Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1908 (50)

305 Schülerzeichnungen des Johanneums empfunden, würde und habe trotz des reichen zur Verfügung sonst hätte er doch diesen Kardinalfehler der forcierten, stehenden Materials zu ihrer Widerlegung in dem überbetonten Technik monieren müssen. Und vielleicht Hewußtsein geschwiegen, daß es seinen Zweck in voll hat Herr H. Th. D. doch auch dieselbe Empfindung kommener Weise erreicht. Herr Haevernick läßt den und nur eine ungeschicktte Äußerun) getan. Unwider. künstlerischen Qualitäten des Plakates volle Gerechtig- sprochen durfte sie aber schon der Schüler wegen keit widerfahren. Sie sind auch unleugbar. Wenn auf keinen Fall bleiben er aber zum Schlusse meint, daß der Fremde durch Auch darin muß Herrn H. Th. D. widersprochen dies Reklamebild kaum angereizt wird, Lübeck auf- werden, daß „die Phantasiezeichnungen der Kleinen zusuchen, so widerspricht er sich, denn er schreibt kurz durch wahrscheinlich überwiegend intellektuelle Beein. vorher: „es lenkt die Aufmerksamkeit auf sich.“ flussung im Durchschnitt überaus schwach und unbelebt‘ Mehr soll ein Plakat gar nicht, es hätte deswegen sind. „Der reiche Born kindlicher Phantasie“, schreibt dz. B. ebensogut eine figürliche Darstellung den Zweck er weiter, ist oft völlig versiegt, oder es fehlt an dem des Plakates erfüllen können. Es liegt hier wieder, elementarsten sinnlichen Vorstellungsvermögen“. Eine wie so oft, eine Verwechselung zwischen Plakat und reichlich kühne Behauptung! Phantasiearmut kommt Bild vor. Wie wirkt es auf Fremde? Ich lasse überall vor, aber daß sie geradezu vorherrscht, habe zum Beweise aus der großen Zahl der Briefe, die ich an den Zeichnungen der Kleinen nicht finden können. es anerkennend beurteilen, zunächst nur einen folgen, An einer großen Zahl dieser Märchen-Jllustrierungen, den Prof. Dr. Paul Schumann-Öresden, der bekannte der Bilder vom Weihnachtsmann u. w. habe ich eine Krunstkritiker des Kunstwarts und Schriftführer des herzliche Freude gehabt. Prachtvoll hatte sich ene Dürerbundes, mir im Jahre 1906 schrieb: Er lautet: ganze Anzahl der Kerlchen den Himmel und Gottvater Dürer-Bund auf seinem Thron vorgestellt, das Gold funkelte nur und.: Dresden- Blasewitz, d. 12. 9. 1906. so im Himmelsblau; besonders gefreut habe ich mich H tt über einen Kleinen – es war ein Sextaner, wenn ' Sehr geehrter Herr! ich recht erinnere -, der sich den Weg zum Himmel Für das uns freundlichst übersandte Plakat durch eine endlose grüne Wiese über ungefähr drei für die Stadt Lübeck danke ich Ihnen bestens. Viertel seines Blattes gemalt hatte. Dahinter saß Ich kannte es schon vorher; es war mir in der oben am Rande des Blattes der tiefblaue Himmel Geschäftsstelle des Fremdenverkehrsvereins und auch mit einem kleinen Türlein, aus dem das goldige Licht in irgendeiner Stadt in der Sächsischen Schweiz des Himmelsraums freudig und verheißungsvoll her- als eines der besten Plakate, die in diesem Jahre ausstrahlte. Aber dies Blatt war nicht vereinzelt. herausgekommen sind, längst aufgefallen. Es ist Es gab eine ganze Anzahl trefflicher Märchenbilder, ein echtes Plakat, stilgerecht und wirksam, wie es die auch vom Verständnis der Tierwelt durch die von dem Künstler, der es verfertigte, nicht anders Kinderseele eine deutliche Sprache redeten. Also, so zu erwarten war. Das Plakat hat mich lebhaft betrübend, wie Herr H. Th. D. schreibt, steht es nicht an die Schönheiten Lübecks, an das berühmte um die Phantasie unserer Stadtjugend. Auf unsere Städtebild mit seinen lebhaften Farben erinnert Kinder wirken in Lübeck, wo ihnen Wald und Feld und mir Lust gemacht, wieder einmal in der so nahe ist und die Stadt selbst auf ihr empfängliches alten Hansestadt einzukehren. Gemüt wirkt, doch noch andere Eindrücke ein als in Ich gratuliere Ihnen zu dem wohlgelungenen einer Großstadt, wo Unkultur sich allerorten breit Plakat. macht und dann auf die Phantasie der Kinder aller- Hochachtungsvoll zeichnend dings verflachend einwirkt. Prof. Dr. Paul Schumann. . Daß es vielen anderen ebenso gegangen ist, daß Zum andern: Plakat Lübeck. das Plakat ihnen „Lust gemacht hat, hier ein- In der letzten Nr. 19 findet sich in dem Abdruk zukehren“, kann mit unzähligen Beweisen belegt des verdienstvollen Vortrages des Herrn Major werden. Haevernick auch eine kurze Kritik des in Lübeck viel Nun reizt es mich zwar, noch eine Anzahl an- angefeindeten, extra muros hergestellten Plakates, das erkennender Briefe, wie von unserem berühmten im übrigen an den Stellen, für die es berechnet wa,, HLandsmann Gotthard Kuehl, von Schultze-Naumburg, einen großen Erfolg erzielt hat. Ich hätte nicht Hans Olde, Alfred Lichtwark u. a. zu veröffentlichen. geglaubt, daß es nach dem von seiten der Gegne Ich möchte indes die Fehde nicht wieder aufleben mit nicht immer feinen Mitteln geführten Kampfe lassen und unterlasse es. Nur für die Freunde von noch einmal wieder in diesen Blättern auftauen Hans Thoma's Kunst sei hier noch beigefügt, was
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