Full text: Lübeckische Blätter. 1908 ; Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1908 (50)

202 Der Verein hat sich daher auf Grund eines aus- Weise zu beteiligen, sobald die Geldmarktverhältnisse führlichen Referats, das Herr Regierungsbaumeisster in Deutschland sich so gestaltet haben werden, daß ein Mittelstädt in der Maiversammlung hielt, mit dieser regeres Interesse für neue industrielle Unternehmungen Frage eingehend befaßt und den Antrag gestellt, daß erwartet werden kann. Es darf die Hoffnung gehegt innerhalb des traveabwärts belegenen Industriegebiets werden, daß eine solche Propaganda auf die Dauer ohne Verzug Areale zum Bau von Arbeiterwohnungen ihre Wirkung nicht verfehlen wird. ' zu angemesssenen Preisen und ohne erschwerende Be- Seine Arbeiten zur Durchführung einzelner dingungen bereitgestellt und daß ferner in diesem industrieller Projekte, für die Lübeck eine besonders Gebiete die ländliche Bauweise gestattet und erleich- günstige Grundlage bieten dürfte, hat der Verein im ternde baupolizeiliche Bestimmungen getroffen werden. Berichtsjahre fortgesetzt. Es ist nicht unwahrscheinlich, Es steht zu hoffen, daß sich, sofern diese Wünsche daß in absehbarer Zeit einige dieser Projekte zur zur Erfüllung gelangen, private Bauunternehmer Verwirklichung gelangen. Diese Arbeiten des Vor- finden werden, die ihrerseits wenigstens teilweise dem standes würden indessen eine wesentliche Förderung Mangel an Wohnungen abhelfen werden. Überdies erfahren, wenn weitere Kreise sich an ihnen beteiligen hat gutem Vernehmen nach auch die Handelskammer würden. Die Mitglieder des Vereins sind daher ge- die Überzeugung gewonnen, daß eine befriedigende beten worden, Freunde und Bekannte, von denen sie Lösung der Arbeiterwohnungsfrage für die weitere wissen, daß sie geneigt sind, sich mit Kapital oder industrielle Entwicklung unerläßlich ist, und ist in auch mit Kapital und Arbeitskraft an industriellen Erwägungen darüber eingetreten, wie diese Lösung Unternehmungen zu beteiligen, auf die im Vorstand allmählich herbeizuführen ist. des Vereins vorliegenden Projekte hinzuweisen. Damit Die vielfach auch in Lübeck erhobenen Forderungen, über diese Projekte ernsthaften Reflektanten jederzeit daß der Staat seine für Industriezwecke erworbenen Auskunft gegeben werden kann, hat der Vorstand im Ländereien nicht zu vollem Eigentum, sondern zu Hanuse Breitestraße Nr. 6 eine Auskunftsstelle des Erbbaurecht an Interessenten vergebe, hat den Verein Lübecker Industrie-Vereins eingerichtet. veranlaßt, sich in der Aprilversammlung des näheren Da durch den weiteren Ausbau der deutschen mit diesen . Bestrebungen zu beschäftigen. Zunächst Wasserstraßen allmählich beträchtliche Verschiebungen legte in dieser Versammlung Herr Landrichter in den Konkurrenzbedingungen einzelner Wirtschafts- Dr. Piper in einem erschöpfenden Vortrage die ge. gebiete eintreten können, so ist es notwendig, daß die schichtliche Entstehung, die rechtliche Natur und die F eortschritte, die der Ausbau der deutschen Wasser- bisherige Anwendung des Erbbaurechtes dar und ge- straßen erfährt, auch in Lübeck dauernd beobachtet langte zu dem Schluß, daß für Lübeck die Vergebung werden. Auf Ersuchen des Vorstandes hielt daher von Fabrikgeländen zu Erbbaurecht ausgeschlossen Herr Wassserbauinspektor Hiter im Februar über die sei und daß das eigentliche Anwendungsgebiet des deutschen Wasserstraßen einen umfassenden Vortrag Erbbaurechts da liege, wo es sich um den Bau von und gab hierbei ein klares Bild von den technischen Arbeiterwohnungen handle. Indessen sei auch im und wirtschaftlichen Veränderungen, die im Laufe leßteren Falle zu erwägen, ob nicht bei Vergebung der Jahre beim Bau der deutschen Wasserstraßen zu des Grund und Bodens zu Eigentum unter Vorbe- verzeichnen gewesen sind. _ halt des Wiederkaufrechts dieselben Ziele erreicht Die hohen Diskontsätze, die fast während des werden können, wie bei Anwendung des Erbbauu- ganzen Berichtsjahres in Deutschland geherrscht haben, rechts. Diese Darlegungen fanden die volle Zu. haben die bestehende Industrie empfindlich belastet stimmung des Vereins, da allseitig anerkannt und die Bildung neuer Unternehmungen erheblich wurde, daß die Fabrikanten die volle Beleihungs- erschwert. Da die hohen Diskontsätze zu einem nicht fähigkeit ihrer Fabrikgrundstücke nicht entbehren unwesentlichen Teile bedingt werden durch ein mangel- wollen, dies aber nur bei freiem Eigentum vor. haftes Zahlungswesen, so hat sich der Verein in der handen ist. Oktoberversammlung mit den Zuständen im deutschen Erfreulicherweise hat der Industrieausschuß des ahlungswesen beschäftigt. Herr Bankdirektor Otte Finanzdepartements sich entschlossen, eine umfassende legte in einem eingehenden Vortrage mit großer Propaganda einzuleiten, die die weitesten Kreise aus Sachkunde die vorhandenen Mängel dar und machte die Geeignetheit Lübecks für industrielle Anlagen gzu ihrer Abhilfe Vorschläge, die allseitige Billigung hinweisen soll. Er hat zu diesem Zweck einen Plan fanden. Das Ergebnis dieses Vortrages und der der Lübecker Industriegelände anfertigen lassen, um Erörterung gipfelte in folgender, der Handelskammer ihn in Tausenden von Exemplaren zur Versendung unterbreiteten Entschließung: zu bringen. Der Vorstand des Lübecker Industrie- „Da der gegenwärtige mangelhafte Zahlungs- Vereins hat die Absicht, sich an dieser Propaganda verkehr in Deutschland mit seinem verhältnismäßig dank dem Entgegenkommen des Staats in geeigneter großen Bedarf an Bargeld erhebliche Nachteile
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.