Full text: Lübeckische Blätter. 1908 ; Stenographische Berichte über die Verhandlungen der Bürgerschaft zu Lübeck im Jahre 1908 (50)

sönlich der Ansicht, daß diese Leistungsfähigkeit Hage wären, in Zukunft empfehlen zu können, daß vielleicht schon überschritten wird. Aber was solle Irre in der Jrrenanstall der Stadt Lübeck unter- wir dabei machen ? Wir können nichts anderes gebracht würden, wenigstens nicht solche, bei denen tun, und wir werden die neue Anstalt doch bewilligen noch erwartet werden kann, daß sie geheilt werden. müssen, denn wo sollen wir mit den Kranken bleib? Wan müßte den Angehörigen unbedingt raten, dann Es muß uns aber dieser Bau wieder daran er- mit allen Opfern die Kranken lieber wo anders mahnen, daß wir in unserm Staate nichts unter- unterzubringen. Wäre das nicht eine Art Bankerott- nehmen, was nicht wirklich absolut notwendig ist,, erklärung für die Staats. und Finanzverwaltung und womöglich nichts, wofür man nicht gleich in Lübecks? So unangenehm es ist, daß wir in unserm den nächsten Jahren die Verzinsung erwarten kann. kleinen Staate ein so gewaltiges Opfer bringen Daß ich für Sparsamkeit bin, habe ich Ihnen erstt mùüssen, so können wir doch nicht umhin, diese Irren- vor wenigen Wochen wieder auseinandergesezt, als anstalt zu bauen. Ich bin dabei sogar fest davon ich erklärt habe, daß, wenn das Projekt eine überzeugt, sie wird im Jahre ff 150-200 000 Schwimmhalle an die Bürgerschaft käme, ich unter Mehrkosten erfordern und um den Betrag unjer keinen Umständen dafür würde stimmen können. Budget jährlich erhöhen, wenn Verzinsung und Und doch habe ich an diesem Projekt ungefähr acht. Amortijation, wie es doch erforderlich ist, mit be- Jahre mitgearbeitet und viele Stunden auch in der rechnet wird. Das läßt sich aber, ich wiederhole Verwaltungsbehörde darauf verwendet, um ein möglichst es, nicht ändern, und wir müssen diesen Bau unter- gutes Projekt fertigzustelen. Wenn man dann am nehmen. Also ich möchte Sie dringend bitten, nicht Schluß, wo endlich die Form des Projekts gefunden noch einmal eine Kommission einzuseßzen, denn ich ist, die alle Beteiligten für die richtige Lösung glaube nicht, daß sie zu irgendeinem andern Resultate halten, darauf verzichten joll, so ist es gewiß ein kommen könnte. Das Projekt ist in allen Instanzen, harter Entschlußk. Aber die Notwendigkeit, mit die bis jetzt darüber beraten haben, immer verkleinert unsern Finauzen Rat zu halten, zwang mich dazu, worden, und es ist auch in der Kommission des das zu erklären. Aber ebenso zweifellos ist es, daß HBöürgerausschusses noch wieder verkleinert. Es aber wir diese Irrenanstalt jezt in dem Umfang, wie sie jetzt noch kleiner zu machen, würde bei dem Projekt hier beantragt ist, bewilligen müssen. Wir können ja überhaupt nicht mehr gehen, und ich bezweifle also, nicht anders, denn es nimmt uns niemand die daß eine Bürgerschaftskommission dazu imstande sein Kranken ab. Es ist versucht worden, auswärts in würde. Herr v. Schack meinte, falls eine neue den Nachbarstaaten unter Opfern unseres Staates die Kommission eingeseßt würde, würde es sich nur um Kranken unterzubringen. Das ist uns nicht gelungen. einige Monate handeln. Aber es müßte doch, wenn Alle Provinzen in Preußen und alle Staaten haben man, wie Herr v. Schack will, ganz neue Pläne so viel Jrre selbst zu versorgen, daß sie mit fremden nach einem ganz anderen System haben will, die nichts zu tun haben wollen. Also bleibt uns nichts Baudeputation die Pläne für die Kommission erst anderes übrig als selbst dasür zu sorgen. Alle die mal machen. Dann müßte in der Baudeputation Bedenken des Herrn v. Schack sind in der Kome darüber beraten werden. Dann müßte auch die mission auch vorhanden gewesen. Die Kommission Verwaltung der Irrenanstalt gefragt werden. Glauben war zuerst der Ansicht, daß wir in den nächsten Sie, daß man solche Pläne aus dem Ärmel schütteln zehn Jahren überhaupt gar keine neue Irrenanstalt. kann ? Darüber würde Jahr und Tag hingehen. bauen könnten. Als aber die Herren, die die jeszize Also, es würde eine ganze Menge Zeit erfordern, Anstalt noch nicht kannten, sich diese ansahen, haben wenn das Projekt heute von der Tagesordnung un- sie sich sofort bekehrt. Es ist dann in der Kom-. erledigt verschwände. Es wird uns freilich nachher mission auch der Gedanke aufgetaucht, statt des die Jrrenanstalt auch größere Einnahmen bringen. Pavillonsystems das Korridorsystem zu wählen. Die Der Tarif kann und muß erhöht werden, und ich Mitglieder haben sich aber davon überzeugt, daß erwarte auf das allerbestimmteste, daß von demselben das vollständig unmöglich ist. Es geht gar nicht Zeitpunkt ab, wo die neue Irrenanstalt bezogen wird, anders heutzutage, wenn man die Irren nicht bloß auch ein neuer Tarif vorgelegt wird. Einen der- unterbringen, sondern auch behandeln und heilen will. artigen Wunsch haben wir dem Senat bei dem all- Das geht aber nicht anders als mit dem Pavillon- gemeinen Projekt schon entgegengebracht. Aber wir system.. Würde das Korridorsystem gewählt werden, wollen uns darüber nicht täuschen, daß wir einen wo man alle Kranken in einem oder zwei großen großen Teil von diesen Einnahmen aus der eignen Gebäuden vereinigt, müßte ich bezweifeln, ob meine Tasche werden bezahlen müssen, denn für einen Kollegen – ich würde es nicht können ~ in der großen Teil der Irren in der Irrenanstalt muß die 590
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