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der Schabbelstiftung. Seitdem vor anderthalb Naturhistorisches Museum.
Jahren dieser Gegenstand den Verein zuletzt be-
schäftigt hat, sind die Bauarbeiten in Angriff ge- Die Insektensammlung des Naturhistorischen
nommen und so weit gefördert worden, daß man Museums hat wiederum eine außerordentliche Ve-
spätestens im Sommer nächsten Jahres die Einrichtung reicherung erhalten, indem Herr Max Hase, ein
wird fertigstellen können. ; Während die beiden junger Lübecker, seinen Aufenthalt in Deutsch-
Vorderräume und die prächtige Diele im Erdgeschoßh Hstafrika benutzte, um eine Sammlung zusammen-
sowie die eingebaute Küche zum Weinausschant gzubringen, welche einen Überblick über die außer
bestimmt sind, werden die übrigen Räume des Hauses dordentliche Mannigfaltigkeit und große Schönheit
der Veransschaulichung altlübischer Kultur und Kunst der dortigen Insektenwelt zu geben imstande ist.
dienen. So werden die Flügelräume des Erdgeschosses Die Mehrzahl der gesammelten Insekten besteht aus
die Einrichtung eines Patrizierhauses vergangener farbenprächtigen Käfern und Schmetterlingen, aber
Jahrhunderte zeigen, während für die des ersten gdauch die übrigen Gruppen sind vertreten. Die um-
Stockwerks vorläufig eine Ausstellung von Werken fangreiche Sammlung ist seit einiger Zeit präpariert
unseres heimischen Malers Milde in Aussicht ge. und in besonderen Schaukästen rechts vom Eingange
nommen iste. Im Mittelgeschoß des Haupthauses chan der Hofseite zur Aufstellung gelangt. In unmittel-
wird ein alter lübeckisher Kaufmannsladen Plaj barer Nähe befindet sich ein neuer Schaukasten inter.
finden, im oberen Geschoß eine Kaufmannsdiele. essanter Meerestiere, meist den Gruppen der
Das Hinterhaus dürfte sich für Werkstätten eignen. Keorallentiere, Korkpolypen und Seefedern ange
Nach Maßgabe der verfügbaren Mittel wird der hjÿörend, farben- und formenreiche Tiere. Die Samm-
Ausbau auf die oberen Geschosse des Vorderhanses lung ist teils geschenkt, teils aus den Mitteln des
einstweilen noch nicht erstrectt werden können. Auch Museums angekauft oder auf dem Wege des Aus-
für die Beschaffung der Einrichtungsgegenstände tausches erworben worden. Lenz.
reichen die Kräfte der Stiftung allein nicht ausn. . mt
Wenngleich das Museum vieles beisteuert, wird die . ~
Heranziehung privater Hülfe weitgehend in Anspruch Taufe und Landeskirche.
genommen werden müssen. Einzelne dankenswerte O
Zuwendungen sind bereits erfolgt. Aber noch viele Daß der unter dieser Überschrift in der legten
Lücken bleiben auszufüllen. Weitere Überweisungn Nummer der Lübeckischen Blätter veröffentlichte
von geeigneten Gegenständen, namentlich aber auh Aufsatz ganz ohne Antwort bleiben sollte, scheint
Geldspenden sind daher sehr erwünscht. So viel mir bei seinem geradezu ungeheuerlichen Inhalt aus-
läßt sich schon jetzt übersehen, daß man schwerlich ein geschlossen. Jm Stadt- und Landboten forderte
zweites Haus in Lübeck würde ausfindig machen neulich einer die Bildung einer Schutztruppe für
können, welches so wie dieses geeignet wäre, als die hiesigen modernen Geistlichen, die doch bisher
hervorragendes Beispiel eines alten Lübecker Kauf. kein Mensch bedroht hat. Denn daß einer, der
mannshauses der Nachwelt aufbewahrt zu werden. nicht modern ist, den Wunsch ausspricht, sein Kind
In der sich anschließenden Besprechung kam zum von einem Geistlichen seiner Richtung taufen zt
Ausdruck, daß der im September 1908 hier statt. lassen, ist doch am Ende keine Bedrohung. Immet-
findende Denkmalpflegetag an dem „Schabbel. hin, der Stadt- und Landbote wollte doch nur die
haus“ schon seine Freude werde haben können. Es Modernen gegen zukünftige von ihm befürchtete An-
wurde aber weiter von vielen Seiten der Wunsch griffe schütßen. Herr Nr. 7 aber, der Verfasser des
laut, daß die aus ganz Deutschland in unserer allt. Artikels in der vorigen Nummer der Lübectkischen
berühmten Stadt zusammenkommenden Denkmalpfleger. Blätter, möchte am liebsten gleich alles, was nicht
unser Denkmalschutgesez fertig vorfinden, dagegen. modern ist, aus der Kirche hinaustun. Wenn auch
die beiden Häuser am Burgtorzingel, welche das nicht sofort die Personen, so doch ihre „Glaubens-
unvergleichliche Bild der Befestigungswerke verun. vorstellungen,“ von denen er erklärt, daß für sie 1n
stalten, nicht mehr erblicken möchten. einer protestantischen Kirche „genau genommen kein
Endlich kamen die neuerdings aufgedeckten Wand. Raum mehr sei." Da bitte ich nun aber doch wohl
malereien zur Sprache, welche, durchweg aus zu bedenken, was das bedeutet. Für die Glaubens-
spätgotischer Zeit herrührend, erkennen lassen, in wie vorstellungen der Evangelisten und Apostel, für die
weitem Umfange im Ausgang des Mittelalters hier Glaubensvorstellungen Martin Luthers soll in einet
die Malerei zum Schmucke der Wände gedient hat. christlichen, soll in der lutherischen Kirche kein Rautt
Eine gemeinsame Besichtigung des einen oder anderen mehr sein. Nur ganz allein die sogenannte modernt
Fundes wurde in Aussicht genommen. Theologie soll da noch Existenzberechtigung haben.
é § Und zwar warum ? Weil jene Glaubensvorstellungel!