Full text: Lübeckische Blätter. 1907 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1907 (49)

57 6 Wenn aber in der Behandlung dieser Dinge eine vortragenden Herren zum Ausdruck gebracht worden ! Tonart angeschlagen wird, wie sie dem Verfasser des sind; es wäre das derselbe Fehler gewesen, der von Artikels ,„Landeskirche" (Nr. 42, vom 20. Oktober, der Gegenpartei oft genug gemacht worden ist. Nein, unterzeichnet 1193) geeignet zu sein schien, so wird nicht Propaganda zu machen für irgendeine theo- es nicht leicht sein, eine Entgegnung zu bringen, die, logische Schule, sondern Belehrung und Anregung in den Grenzen einer rein sachlichen Besprechung zu bringen war von vornherein der ausgesprochene sich haltend, auf alle Animosität ebensosehr ver- Zweck, den die Redner verfolgten. Wenn aber zichtet, wie der Verfasser jenes Artikels bei recht Herr 1193 die Behauptung aufstellt, daß in Anlaß geringer Sachkenntnis von einer nicht unbedeutenden dieser Vorträge „manche infolge ihrer Liebe leidenschaftlichen Erregung sich hat leiten lassen. zur Wahrheit sich mit den gegenwärtigen Zu- Indessen muß um der Sache willen versucht werden, ständen unserer lübschen Landeskirche nicht einver- dem Verfasser seine Irrtümer nachzuweisen und standen erklären können,“ so muß doch an dieser durch diesen Nachweis den Lesern dieser Blätter wie. Stelle an diejenigen, die so rasch bei der Hand sind, auch denen anderer Zeitungen, in welche der betreffende Andersdenkenden die Liebe zur Wahrheit abzusprechen, Artikel übergegangen ist, diejenige Aufklärung und die Pilatusfrage gerichtet werden: Ja, was ist Wahr- Beruhigung zu geben, die so schweren Anklagen heit ? Die sogenannte moderne Theologie wird nicht U gegenüber nicht nur erwünscht, sondern dringend so kühn sein, behaupten zu wollen, daß sie die In- notwendig erscheinen muß. haberin der absoluten Wahrheit ist; auch sie über- ' Wie aber ist nun diesem Herrn 1193 beizu- läßt es der römischen Kirche und einer nachgerade q kommen ? Doch wohl nur jo, daß wir die einzelnen sehr klein gewordenen Anzahl von evangelisch sich n Behauptungen, die seiner Feder entflossen sind, ein nennenden Leuten, derartige Ansprüche zu erheben wenig näher betrachten. und – so gut es geht ~– zur Geltung zu bringen; ' Die von fünf hiesigen Pastoren seit drei Jahren sie hofft, wenn wir recht sehen, auf eine fortgehend v gehaltenen öffentlichen Vorträge haben, nach 1193,, immer gründlichere Erforschung und Darlegung der it „bei vielen Gemeindegliedern eine große Entrüstunn Wahrheit, und zwar der Heilswahrheit, in deren hervorgerufen.! Daß dies der Fall sein würde, Dienst sie, wie jede redliche Theologie, mit allem war zu erwarten, konnte aber, wenn überhaupt die. Ernst ihr „heißes Bemühen," ihre große und um- sogenannte moderne Theologie ein Recht darauf hat, fassende Arbeit gestellt hat und noch stellt. Daß ~ sich auszusprechen – die große Mehrzahl der wie im 16. Jahrhundert – unter solchen Be- Theologie-Professoren an deutschen Universitäten strebungen, welchen eine von vornherein feindliche nimmt dieses Recht für sich in Anspruch und ist Tendenz unterzuschieben ganz unstatthaft ist, manches keineswegs willens, sich dasselbe verkümmern oder Alte stürzt und manche uns liebgewordene Ansicht verkürzen zu lassen ~ nicht wohl vermieden werden. hinfällt oder doch ins Schwanken gerät: wer kann's Innerhalb des Protestantismus macht man die Ver- verhindern? und wer will es beklagen? W.r glauben : treter der verschiedenen theologischen Richtungen gewiß ~ ja, wir sehen es vor Augen in der neu . nicht mundtot, sondern läßt sie frei und öffentlich erwachenden lebendigen Beteiligung an der Be- " ihre Sache führen ~ nach dem Grundsay, den schon schäftigung mit diesen Fragen, daß aus den Ruinen ue zu der Apostel Zeiten Gamaliel im Hohen Rate zu und dem Zusammenbruch unhaltbarer dogmatischer . Jerusalem mit Erfolg aufstellte, Ap..-Gesch. 5, 34 . Konstruktionen neues Leben erwächst und in die k Dafür hat man auch bei uns Verständnis; der Zahl Gemeinden und Glieder derjenigen Institution sich ve derer, die an den erwähnten Vorträgen, deren ergießt, durch welche .in der evangelischen Christenheit ch wissenschaftliche Gediegenheit und echt religiöse Ten-. bei aller Zerrissenheit immer noch ein gewisser Zu- "t denz kein Verständiger wird leugnen wollen, Anstoß sammenhang, eine verfassungsmäßige Ordnung auf- 1 nahmen und nehmen, steht eine größere Anzahl von recht erhalten wird; und diese Institution ist die ! ebenfalls kirchlich lebhaft interessierten Gemeinde-. Landeskirche. ö gliedern gegenüber, die, des dogmatischen Gezänkes Anders freilich urteilt Herr 1193. Ihm scheint müde und zu neuem, frischen Leben erwacht, ohne es ein Geringes zu sein, den Boden zu verlassen, in : in verba magistrorum zu schwören, für das freie. welchen auch er eingepflanzt war, auf welchem er und befreiende Wort dieser Vorträge von ganzem erwachsen ist. Denn als eine Drohung mit dem : Herzen dankbar sind. Austritt aus der Landeskirche haben wir es doch Nun konnte es ja auch keineswegs die Absicht wohl aufzufassen, wenn er, zugleich im Namen or sein, die Hörer oder Nichthörer ~ leider pflegen anderer, sich bereit erklärt, ,die Konsequenzen z! n diese hernach am lautesten mitzureden — auf die. gziehen,“" die aus seiner Unzufriedenheit mit den be- an jenigen Ansichten festnageln zu wollen, die von den stehenden Verhältnissen sich ergeben; ~ wiewohl er ‘a
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.